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Gesetzliche Rente: Krise drückt Erwartungen

Wie die MEA-Forscher laut einem Bericht der „Bild-Zeitung“ herausgefunden haben, bekommen sogenannte Eckrentner – das sind Personen, die 45 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben und 65 Jahre alt sind – bis zu acht Prozent weniger als vor der Krise prognostiziert. Geht der betreffende Arbeitnehmer 2040 in Rente, macht das 194 Euro weniger (siehe Tabelle unten).

Schuld an der Entwicklung hat das Lohnniveau, so MEA-Rentenexperte Martin Gasche gegenüber dem Boulevard-Blatt: „Die Arbeitnehmer und Beitragszahler werden wegen der Wirtschaftskrise Lohneinbußen hinnehmen müssen. Langfristig können die Einkommen bis zu acht Prozent niedriger liegen als vor der Krise erwartet." In Deutschland geht die Rentenhöhe mit der Lohnentwicklung mit. Steigen die Löhne kaum, machen auch die Renten keinen Sprung nach oben. Sinken können die Renten aber nicht. Denn im Juni verabschiedete die Große Koalition als Wahlkampfgeschenk die Rentengarantie. Sie besagt, dass die Renten zwar mit den Löhnen steigen, aber nicht sinken können.

Zur Übersicht der Abschläge von der Rentenerwartung geht es hier.

Im Kern geht es den MEA-Forschern auch eher um die Rentenerwartungen – und die waren vor der Krise wesentlich höher als jetzt. Rentenexperte Gasche rät Arbeitnehmern deshalb, privat vorzusorgen: „Die gesetzliche Rente allein wird künftig ohnehin nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard im Alter zu sichern”, so der MEA-Mann.

Der Sozialverband VdK Deutschland sieht die Entwicklung laut „Bild.-Zeitung“ mit Sorge. Verbandschefin Ulrike Mascher sagte dem Blatt: „Nach der Krise müssen die Arbeitnehmer wieder über spürbare Lohnerhöhungen am Aufschwung beteiligt werden. Dann können sich auch die Renten entsprechend gut entwickeln.“

Die Deutsche Rentenversicherung Bund kritisierte die Berechnungen des MEA unter der Aufsicht Professor Axel Börsch-Supans: "Die Modellrechnungen von Professor Börsch-Supan, die aufgrund der Krise von langfristig geringeren Renten ausgehen, sind nur dann nachvollziehbar, wenn man unterstellt, dass die Krise das Lohnniveau nicht nur kurzfristig sondern auf längere Dauer absenkt. Hierfür gibt es aber keinen ökonomisch plausiblen Grund", so die Behörde in einer Stellungnahme zum Bild-Bericht.

"Im Übrigen sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres die Beitragseinnahmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 0,5 Prozent gestiegen. Auf der Grundlage der bisherigen Lohn- und Beitragsentwicklung in diesem Jahr ist der in der Studie angenommene Rückgang der Löhne in Höhe von 2,3 Prozent und im pessimistischen Szenario sogar in Höhe von 4,0 Prozent unwahrscheinlich", heißt es weiter in der Stellungnahme.

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