Das Heidelberger Insurtech Getsafe übernimmt den deutschen Kundenstamm des französischen Anbieters Luko. Die Übernahme umfasst nach Unternehmensangaben das deutsche Portfolio von Luko Insurance mit 50.000 Verträgen, darunter Haftpflicht-, Tierkranken- und Hausratversicherungen. Die Transaktion wurde bereits Ende September 2023 von der Bafin genehmigt. Zu finanziellen Details machten die Beteiligten keine Aussage.
Neue Kunden kommen vor allem von Coya
Erst Anfang 2022 hatte Luko den gescheiterten Berliner Digitalversicherer Coya gekauft, um auf diesem Weg eine Versicherungslizenz zu bekommen und den Eintritt in den deutschen Markt für Sachversicherungen voranzutreiben. Doch zuletzt wurde laut eines Berichts des „Handelsblatt“ bei dem Start-up mit Sitz in Paris das Geld knapp. Im Juni kündigte die britische Admiral Group an, die Franzosen zu übernehmen, allerdings ohne das Deutschlandgeschäft.
Getsafe erwirbt nun den deutschen Kundenbestand von Luko, nicht aber die Technologie oder die Versicherungslizenz des Insurtechs. „Luko hat eine ähnliche Zielgruppe wie Getsafe. Von daher passen die Kunden, die wir nun übernehmen, sehr gut zu uns“, sagt deren Mitgründer und Geschäftsführer Christian Wiens. Die Migration der Luko-Bestände auf die IT-Systeme des Insurtech dauere insgesamt weniger als zwei Monate und werde in den kommenden Tagen abgeschlossen. Getsafe verfügt dann nach eigenen Angaben über 550.000 Kunden in vier europäischen Ländern.
Offen für weitere Übernahmen
Auch für weitere Übernahmen zeigt sich Wiens aufgeschlossen. Dem „Handelsblatt“ erklärte er, dass der Fokus weiterhin auf Wachstum liege. Bisher habe man dafür über 120 Millionen Euro bei Investoren, darunter Earlybird und Commerz Ventures, eingesammelt. Andere Insurtechs, wie beispielsweise Wefox, haben hier mittlerweile den Fokus in Richtung Profitabilität verschoben.
Bei Getsafe indes betrug der versicherungstechnische Verlust im vergangenen Jahr noch 1,47 Millionen Euro. Jetzt sagt Wiens, dass man in Deutschland sowie Großbritannien bereits profitabel arbeite und man das Gesamtunternehmen zeitnah aus eigener Kraft in die Gewinnzone bringen könne.
Fragwürdige Zahlen und Versprechen
Doch ähnliche Ankündigungen gab es bereits auch in den vergangenen Jahren. Ohnehin geizen die Heidelberger nicht mit großen Worten, mit der sie den Anschein erwecken, die ganze Versicherungsbranche revolutionieren zu wollen.
Eine aktuelle Pressemeldung liefert ein Beispiel. Zitat Wiens: „Traditionelle Versicherungen sind für Digital Natives nicht attraktiv. Unsere (...) Kunden würden niemals das Büro eines Maklers betreten. Wir wollen die Anlaufstelle für die knapp 100 Millionen jungen Menschen in Europa werden, die in den nächsten zehn Jahren 300 Milliarden Euro für Versicherungen ausgeben werden“.
In der Vergangenheit sprachen Medienberichte im Zusammenhang mit Getsafe-Daten zur Unternehmensbewertung und Finanzierungsrunden von „aufgeblasenen Zahlen“ und „Übertreibungen“.
Fakt ist, während viele andere Insurtechs sich vom Direktversicherungsgeschäft verabschiedet haben und stattdessen über traditionelle Makler verkaufen, setzt Getsafe weiter auf ein rein digitales Angebot für Versicherungskäufer zwischen 20 und 40 Jahren. Das Start-up war bis Ende 2017 als Online-Makler aufgetreten. Danach agierte Getsafe auch als Assekuradeur mit eigenen Angeboten in den Bereichen Haftpflicht, Hausrat, Zahnzusatz und Rechtsschutz. 2021 erhielt das Insurtech dann die Bafin-Lizenz.
Zukunft mit digitalen Leben- und Kranken-Policen?
Laut „Handelsblatt“-Bericht will sich Getsafe vor allem im Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen weiterentwickeln. Bekanntlich sind hier höhere Margen als in der Sachversicherung möglich. Allerdings ist auch der Beratungsbedarf ungleich größer. Um das Wachstum voranzutreiben, plant Wiens eine weitere Finanzierungsrunde. „Wir hoffen, dass sich in den nächsten sechs Monaten ein passendes Fenster hierfür öffnet.“

