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Unternehmensberichte Gewinne gesunken, aber weniger stark als erwartet

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Kosteninflation: Unternehmen werden wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum von während der Pandemie erzielten Kosteneinsparungen profitieren. In der Berichtssaison wiesen die Verantwortlichen jedoch auf drei Bereiche hin, in denen die Kosten kurzfristig steigen könnten: Transport, Arbeit und Rohstoffe.

Am auffälligsten in den USA ist das knappe Angebot an Transportkapazitäten. Da die Nachfrage gegen Ende des zweiten und während des dritten Quartals erheblich zunahm, stiegen die Preise für den Transport via Lkw deutlich an und werden voraussichtlich bis zum Jahresende weiter steigen. Darüber hinaus stellten einige Unternehmen fest, dass die Frachtkapazitäten für Güter aus Asien knapp sind. Daher dürften die Frachtkosten bis ins Jahr 2021 hinein für Gegenwind sorgen.

Während die Pandemie in vielen Sektoren zu einer beträchtlichen Anzahl von Entlassungen führte, haben Unternehmen in bestimmten Sektoren die Herausforderungen bei der Suche nach Arbeitskräften hervorgehoben. So stellte zum Beispiel eine Spedition Verzögerungen bei der Entladung aufgrund von Personalmangel fest, während eine Möbelfirma von ähnlichen Problemen bei der Personalbeschaffung für ihre Produktion äußerte. Ähnliches war aus der Baubranche und Fleischverpackungsindustrie zu hören, die auf einen möglichen Anstieg der Arbeitskosten hinwiesen.

Einige Unternehmen stellten zunehmende Kosten für bestimmte Rohstoffe fest. Das Management einer Verpackungsfirma bemerkte dazu: „Rohstoffe machen einen großen Teil der Kostenseite aus und liegen je nach Geschäftsbereich zwischen 50 und 60 Prozent. Zweifellos haben wir in mehreren Kategorien, insbesondere in Nordamerika, einen relativ starken Anstieg erlebt.

Fusionen und Übernahmen: Die Aktivitäten im Bereich Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, M&A) verlangsamten sich in der ersten Hälfte des Jahres 2020 erheblich. Die meisten Unternehmen legten eine Pause ein, um die Auswirkungen von Covid-19 zu bewerten. Internationale Fusionen und Übernahmen stellten angesichts der geltenden Reisebeschränkungen eine besondere Herausforderung dar.

In den vergangenen Monaten haben die M&A-Aktivitäten wieder erheblich zugenommen, da die Unternehmen einen besseren Überblick über die Auswirkungen von Covid-19 gewonnen haben. Darüber hinaus profitieren Unternehmen, die M&A-Möglichkeiten in Betracht ziehen, von dem sehr niedrigen Zinsumfeld und leichten Zugang zu den Kapitalmärkten.

Ein besonders großes Thema waren Fusionen und Übernahmen im Energiesektor. Diese Branche steht erheblich unter Druck. Daher werden Fusionen und Übernahmen als notwendiger Schritt zur Verstärkung der Größenvorteile und zur Kostensenkung angesehen. Sektoren in einer besseren Lage betonten ebenfalls die Möglichkeit, über M&A Synergieeffekte zu heben und Kosten einzusparen.

Wenn die Fusionen und Übernahmen wieder zunehmen, wird es wichtig sein, eine mögliche Verschlechterung der Bilanzen im Auge zu behalten. Bislang scheinen die meisten Unternehmen M&A in einer Weise zu finanzieren, die die langfristigen negativen Kreditauswirkungen begrenzt.

Europäische Nachhaltigkeitsinitiativen: Mit Blick auf die Nachhaltigkeitsbemühungen der vergangenen Jahre stand die Frage im Raum, ob diese im Zuge der Pandemie von den zahlreichen anderen Herausforderungen der Unternehmen verdrängt werden. Im Verlauf des dritten Quartals sahen wir jedoch eine anhaltende Betonung von Nachhaltigkeitsinitiativen unter europäischen Unternehmen. Ein globales Pharmaunternehmen bemerkte: „Um die schnelle Entwicklung im ESG-Bereich sowohl aus Reputations- als auch aus Geschäftsperspektive weiter zu verbessern und mit ihr Schritt zu halten, haben wir beschlossen, den ESG-Fokus noch stärker zu integrieren.“ Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds scheint Nachhaltigkeit weiterhin im Fokus zu stehen.

Viele Führungskräfte haben ihre Initiativen in diesem Bereich um neue Ziele und Bereiche ergänzt. Ein Luxus-Einzelhandelsunternehmen erklärte: „Wir haben uns entschieden, eine Nachhaltigkeitsanleihe zu begeben, um unsere ESG-Referenzen zu demonstrieren und zu stärken.“ Diese Programme beabsichtigen nicht nur, einen langfristigen Beitrag für Mensch, Gesellschaft und Umwelt zu leisten, sondern eröffnen auch eine neue Quelle nachhaltigkeitsgebundener Finanzierung. So hat die EU 30 Prozent ihres 750 Milliarden Euro umfassenden Wiederaufbaufonds für grüne Initiativen bereitgestellt.

Auch Änderungen des Rechtsrahmens prägen ESG-Initiativen von Unternehmen. So wird Deutschland beispielsweise den Preis für Kohlendioxidemissionen aus Verkehr und Gebäudeheizung ab 2021 auf 25 Euro pro Tonne erhöhen. Durch die Entwicklung umfassender ESG-Pläne konnten die Unternehmen proaktiv auf mögliche regulatorische Änderungen reagieren. Darüber hinaus haben ESG-Programme es den Unternehmen ermöglicht, Forderungen von Investoren und Kunden nach nachhaltigkeitsbezogenen Informationen nachzukommen. Während die Firmen sich mit den Auswirkungen der Pandemie auseinandersetzten, haben sie Offenlegungsansätze im Zuge der Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung weiter angepasst.

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