„Gier frisst Hirn“: Unsere Leser über die Maschmeyer-Doku

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Wer dachte, dass eine Sendung über den AWD ausschließlich für Finanzexperten und Vertriebsprofis interessant wäre, hat sich geirrt. Am Mittwochabend um 21.45 strahlte die ARD-Dokumentation über Carsten Maschmeyer sogar häufiger in deutschen Wohnzimmern als das Prosieben-Alternativprogramm „Desperate Housewives“

“Der betroffene Hund bellt!!!"

„Meine Mutter hat mit 74 Lenzen den Bericht angesehen und kommentierte wie folgt: “Der betroffene Hund bellt!!! Und recht hat sie“, schreibt DAS INVESTMENT.com-Leser Stefan. Die „bösartigen Fratzen” der Herren beim Interviewversuch im Frankfurter Kongresszentrum seien sehr aufschlussreich gewesen.

Dass „unsere vollkommen verblödeten und geldgierigen Volksvertreter“ auf Maschmeyer hereinfallen, sei angesichts der gesamten Klientelpolitik von der Kohl-Ära bis heute nicht weiter verwunderlich, so Stefan weiter. Auch die Verbraucher, die „mittlerweile durch deren geistiges Konsumverhalten vollkommen verblödet“ seien, bekommen ihr Fett weg.
Bildstrecke: Maschmeyer und die Mächtigen
„AWD war ein Horror“

Seinen Nachnamen nennt Stefan nicht – wie auch die meisten anderen Kommentatoren. Einer von ihnen, ein ehemaliger DDR-Bürger, der sich Gulo nennt, meint den Grund dafür zu kennen: „Passt auf Euch auf! Keine E-Mail usw. Wir haben die Stasi gehabt, und da gab es auch TOTE". „Wie lange ist die deutsche Bevölkerung noch ruhig“, fragt der Verschwörungstheoretiker und kündigt an, aus der „sogenannten Demokratischen Republik“ abhauen zu wollen.

Andere Leser, wie der ehemalige AWD-Mitarbeiter Roland Engelmann, bleiben indes nicht anonym. „Als ehemaliger AWDler bin ich begeistert von Herrn Lütgert, seiner Recherche und der Anprangerung“, schreibt Engelmann. Doch die Wirklichkeit sei noch brutaler –  „AWD war ein Horror“.

Deutschland wie Berlusconis Italien

„Der schier undringliche Filz von Politik und Wirtschaft wird hier auf üble Weise sehr deutlich“, schreibt die Leserin Susanne Roeder. „Und lächelnde Dummchen a la Familienministerin tun ein übriges“. Deutschland rücke damit in die Nähe von Berlusconis Italien.

Noch pointierter formuliert es Eva Maria Limmer: „Es ist einfach die Endzeit für ein überaltertes System, an dessen Spitze auch nur noch datt unterste vom Pöttschen sich tummeln möchte“.

"Schlechte Recherche"

Einige Leser knüpften sich jedoch weniger Herrn Maschmeyer und den AWD, sondern vielmehr das Erste Deutsche Fernsehen und den Dokumentator Lütgert vor. „Herr Lütgert ist bestimmt ein großer Journalist, fällt aber in diesem Bericht lediglich durch schlechte Recherche auf, indem die 90er Jahre bemüht werden müssen um Stimmung zu machen“, schreibt der Leser Speekworker und erinnert daran, dass wir mittlerweile 2011 haben.

"Die können euch genauso zerlegen"

Auch Holger findet den Bericht polemisch, einseitig und schlecht recherchiert. „Mit dieser Form der Recherche kann man 100 Prozent der Finanzdienstleister schlecht aussehen lassen“, schreibt er. Und an die Branche gerichtet: „Sobald Panorama die beiden Kunden findet, die mit Ihrer/Eurer Leistung unzufrieden sind, könnten die Euch genauso zerlegen wie Maschmeyer. Das finde ich journalistisch eine Zumutung.“

Der Leser Christoph unterstellt dem Reporter starkes Geltungsbedürfnis, „war er doch fast öfter im Bild, als seine Zielperson selbst“.

„Ein rastlos ratloser Autor, der krampfhaft versucht hat, Maschmeyer etwas anzuhängen“, meint „Cosmopolit“. Außer vagen Behauptungen, Unterstellungen und Andeutungen habe Lütgert  nichts Erhellendes zu Tage gefördert.

„Gier frisst Hirn"

„Gier frisst Hirn", kommentiert der Leser Hannes die Naivität der Anleger, die auf gewissenlose Finanzberater, die ihnen die Risiken verschwiegen, hereingefallen sind. Es sei daher nicht fair, die Schuld allein beim AWD zu suchen. „Da braucht man kein Verbot und auch keine neue Überwachungsbehörde und Strafgesetze, sondern eigentlich nur das Bewusstsein der Kunden, dass 5 Prozent auf das Tagegeld nicht machbar sind“, schreibt Hannes.

Eine Lösung für die geschädigten AWD-Kunden bietet indes der Leser Florian an: „Maschmeyer sollte einfach mal 10 Millionen von seinem Konto nehmen und die Leute die durch den Kauf der Produkte am Existenzminimum stehen oder ihre Altersvorsorge verloren haben, stillschweigend entschädigen“.

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