Für viele Anleger spielt nicht nur die finanzielle Rendite eine Rolle, sondern auch die Frage, ob ihre Investments mit ihren persönlichen Werten und Überzeugungen vereinbar sind. Dabei kommt das Konzept des glaubensbasierten Investierens ins Spiel. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Was ist glaubensbasiertes Investieren?

Glaubensbasiertes Investieren, auch als wertorientiertes oder ethisches Investieren bekannt, ist ein Ansatz, bei dem Anleger ihre Investitionsentscheidungen sowohl auf finanzielle Aspekte als auch auf ihre religiösen, moralischen oder ethischen Prinzipien stützen. 

Die wachsende Popularität dieses Investmentansatzes spiegelt einen größeren gesellschaftlichen Trend wider: Immer mehr Menschen möchten, dass ihr Geld nicht nur für sie arbeitet, sondern auch positive Veränderungen in der Welt bewirkt. Ähnlich wie bei ESG-Investments geht es darum, Investments in Unternehmen, die als unethisch empfunden werden, zu vermeiden und Firmen, die bestimmte Werte verkörpern, aktiv zu unterstützen.

Kernaspekte des Anlageansatzes können sein:

  • Werteorientierung: Investoren wählen Anlagen aus, die mit ihren persönlichen oder religiösen Werten übereinstimmen.
  • Ausschlussprinzip: Bestimmte Branchen oder Unternehmen werden aufgrund ethischer Bedenken gemieden.
  • Positive Auswahl: Es wird gezielt in Unternehmen oder Projekte investiert, die als ethisch oder sozial verantwortlich gelten.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die Anlageentscheidung basiert nicht nur auf finanziellen Kennzahlen, sondern berücksichtigt auch die Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt.

Während sich traditionelle Ansätze primär auf Risiko-Rendite-Verhältnisse fokussieren, berücksichtigt glaubensbasiertes Investieren zusätzliche, nicht-finanzielle Kriterien.

 

Ausschlusskriterien und Branchenfokus

Konkret bedeutet das, dass Ausschlusskriterien und die Fokussierung auf bestimmte Branchen eine zentrale Rolle spielen. Zwar können die Kriterien je nach religiöser oder ethischer Ausrichtung variieren. Dennoch lassen sich ein paar typische Trends festhalten.

Typische ausgeschlossene Industrien und Unternehmen:

  • Tabak und Alkohol: Oft aus gesundheitlichen und moralischen Gründen ausgeschlossen.
  • Glücksspiel: Vielfach als moralisch bedenklich betrachtet.
  • Waffen und Rüstung: Aus pazifistischen Überzeugungen häufig gemieden.
  • Pornografie: Aus moralischen Gründen oft ausgeschlossen.
  • Gentechnik: Besonders bei bestimmten religiösen oder ethischen Überzeugungen problematisch.
  • Unternehmen mit Menschenrechtsverletzungen oder unfairen Arbeitspraktiken.

Positiv bewertete Branchen: 

  • Erneuerbare Energien: Oft bevorzugt aufgrund von Umweltschutzaspekten.
  • Gesundheitswesen: Als gesellschaftlich wertvoll betrachtet.
  • Bildung: Als Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung geschätzt.
  • Nachhaltige Landwirtschaft: Aus Gründen des Umweltschutzes und der Ernährungssicherheit favorisiert.
  • Technologien zur Ressourcenschonung: Als Beitrag zur Nachhaltigkeit positiv bewertet.

Unterschiede zwischen Religionen beim Investieren

Verschiedene Religionen haben unterschiedliche Perspektiven und Richtlinien für das Investieren. Da die zugrundeliegenden ethischen und moralischen Prinzipien Interpretationssache sind, kann es dabei auch innerhalb einer Religion unterschiedliche Auslegungen geben. Ein Überblick über die Hauptansätze vermittelt aber einen Eindruck von den Varianzen je nach religiöser Ausrichtung.

Religionen und Anlageansätze im Vergleich

Aspekt Christentum Islam Judentum Buddhismus/Hinduismus
Grundprinzipien Nächstenliebe, Verantwortung für die Schöpfung Sharia-Konformität, Verbot von Riba (Zinsen) Tzedakah (Wohltätigkeit), Tikkun Olam (Welt verbessern) Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Karma
Ausschlusskriterien Oft: Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornografie Alkohol, Schweinefleisch, konventionelle Finanzdienstleistungen, Glücksspiel Variiert, oft ähnlich christlichen Kriterien Tierausbeutung, umweltschädliche Praktiken
Fokus Soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz Ethische Geschäftspraktiken, Gewinn- und Verlustbeteiligung Ethisches Geschäftsverhalten, soziale Gerechtigkeit Umweltschutz, Gewaltlosigkeit
Spezielle Finanzinstrumente Ethische Fonds, "Creation Care" Investments Sukuk (islamische Anleihen), Murabaha Israelische Investments, koscherzertifizierte Fonds Oft allgemeine ethische oder nachhaltige Fonds
Besonderheiten Unterschiede zwischen Denominationen Verbot von Gharar (übermäßige Unsicherheit) Drei-Speichen-Regel (Immobilien, Aktien, Bargeld/Gold) Fokus auf Minimierung von Leid
Herausforderungen Balance zwischen Ausschlüssen und Diversifikation Komplexität der Sharia-Konformität Integration moderner Finanzmärkte mit traditionellen Regeln Interpretation und Anwendung alter Prinzipien auf moderne Märkte

Viele religiöse Investmentansätze überschneiden sich in Bereichen wie Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und ethisches Geschäftsverhalten. Für die spezifischen, religiösen Anforderungen gibt es zunehmend mehr Finanzprodukte, die die praktische Umsetzung ermöglichen.

Investieren nach christlichen Prinzipien

Um den Bedürfnissen von Anlegern gerecht zu werden, die ihre Investments mit ihren religiösen Überzeugungen in Einklang bringen möchten, wurden verschiedene spezialisierte Fonds und ETFs entwickelt. 

Invesco MSCI Europe ESG Lead. Catholic Princi. Ucits ETF Dis
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds All Cap
  • Auflegung: 23.01.2019
  • ISIN: IE00BG0NY640
  • Performance 5 Jahre: 46,79%
  • Volatilität 5 Jahre: 17,13%
  • Volumen in Mio. EUR: 28

Ein Beispiel für einen ETF, der unter Berücksichtigung katholischer Grundsätze in europäische Unternehmen mittlerer und hoher Marktkapitalisierung investiert, ist der Invesco MCSI Europe ESG Leaders Catholic Principles ETF. Die Auswahl der Unternehmen für ausschüttenden Indexfonds erfolgt nach den höchsten ESG-Ratings. 

Der katholische ETF bildet den MSCI Europe Select Catholic Principles ESG Leaders 10/40 Index physisch-optimiert nach. Zu den größten Positionen gehören ASML, Unilever und Schneider Electric. Die Top-Sektoren sind Finanzdienstleistungen, Industrie und Nicht-Basiskonsumgüter.

Investieren nach islamischen Prinzipien (Sharia-konform) 

iShares MSCI World Islamic Ucits ETF
  • Asset-Schwerpunkt: Aktienfonds All Cap
  • Auflegung: 07.12.2007
  • ISIN: IE00B27YCN58
  • Performance 5 Jahre: 67,45%
  • Volatilität 5 Jahre: 17,25%
  • Volumen in Mio. EUR: 540

Während Christen erst seit den 1990er Jahren vermehrt die Möglichkeit haben, gezielt nach ihren Glaubensgrundsätzen zu investieren, haben islamische Finanzprinzipien ihre Wurzeln bereits im Mittelalter. Sie folgen den Grundsätzen des islamischen Rechts, der Sharia. 

Der iShares MSCI World Islamic ETF bietet ein globales Aktienportfolio, das islamischen Investmentprinzipien folgt. Der ETF bildet den MSCI World Islamic Index möglichst genau ab. Die Top-Holdings sind Microsoft, Tesla und Exxon. Der Technologie-Sektor überwiegt, obwohl die meisten Tech-Giganten ausgeschlossen sind, gefolgt von Energie und Gesundheitswesen.

Die Anzahl der Unternehmen, die im Vergleich zum MSCI World Index ausgeschlossen sind, lässt die strengen Sharia-Regeln erkennen. Dazu zählen das Verbot von Zinsen (Riba) sowie die Vermeidung von Haram-Aktivitäten (Alkohol, Glücksspiel, Rüstungsgüter) und Spekulation (Gharar). Statt Zinsen wird eine Gewinn- und Verlustbeteiligung bevorzugt.

 

Risiken und Herausforderungen des glaubensbasierten Investierens

Glaubensbasiertes Investieren bietet zwar viele Vorteile. Dennoch gibt es bei spezialisierten Produkten auch immer einige Risiken und Herausforderungen zu beachten. 

  • Potenzielle Einschränkung der Diversifikation: Durch den Ausschluss bestimmter Branchen oder Unternehmen kann das Anlageuniversum eingeschränkt werden. Dies könnte zu einem weniger breit gestreuten und dadurch riskanteren Portfolio führen.
  • Performance-Bedenken: Studien zeigen gemischt Ergebnisse darüber, ob ethisches Investieren zu niedrigeren Renditen führen kann. Einige Investments erzielen jedoch vergleichbare oder sogar bessere Renditen als normale Vergleichsindizes.
  • Kosten: Spezialisierte Fonds haben meist höhere Gebühren als herkömmliche Produkte. Auch individuelle Recherche und Beratung können zusätzliche Kosten beim glaubensbasierten Investieren verursachen.
  • Komplexität der Umsetzung: Die Identifikation geeigneter Wertpapiere kann zeitaufwendig und kompliziert sein.
  • Subjektivität und Interpretationsunterschiede: Ethische und religiöse Kriterien können unterschiedlich interpretiert werden. Was für einen Anleger ethisch ist, könnte für einen anderen inakzeptabel sein.

Eine ausgewogene Anlagestrategie hilft dir, diese Herausforderungen zu meistern. Non-Profit-Organisationen wie Faithinvest bieten zusätzliche Ressourcen und Unterstützung für religiöse Gruppen und glaubensbasierte institutionelle Investoren, um ihre Anlagen mit ihren Werten in Einklang zu bringen.

Glaubensbasiertes Investieren als Zukunftstrend 

Mit steigendem Bewusstsein für globale Herausforderungen wie Klimawandel und soziale Ungleichheit dürfte die Nachfrage nach ethischen Anlagemöglichkeiten weiter zunehmen. Nicht nur Privatanleger profitieren davon, sondern auch institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Stiftungen können so ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden.

Letztendlich zeigt glaubensbasiertes Investieren, dass es möglich ist, finanzielle Renditen zu erzielen und gleichzeitig einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten – eine Win-Win-Situation für Anleger, Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes.