Wer auf gleichgewichtete Aktienindizes setzt, erlebt mitunter eine Überraschung. Denn obwohl sie für eine bessere Diversifikation stehen sollen, finden sich auch in diesen Barometern Klumpenrisiken. Das zeigt eine aktuelle Analyse von HQ Trust, die die Zusammensetzung von vier wichtigen MSCI-Indizes untersucht hat.
Jan Tachtler, Portfoliomanager und Fondsselektor bei HQ Trust, hat die marktkapitalisierten und gleichgewichteten Varianten der MSCI-Indizes für die USA, Europa, Japan und die Schwellenländer verglichen. Dabei wurde zwischen Unternehmensgröße und Anlagestil differenziert.
Dominanz der großen Unternehmen
Die Analyse offenbart einige überraschende Erkenntnisse. So machen Large Caps im marktkapitalisierten MSCI USA lediglich 78,7 Prozent aus – deutlich weniger als in Europa (87,7 Prozent), den Schwellenländern (92,1 Prozent) oder Japan (94,9 Prozent).
Bemerkenswert ist auch die Verteilung der Wachstumsaktien: In den Emerging Markets liegt deren Anteil mit 42,4 Prozent fast doppelt so hoch wie in den USA mit 21,7 Prozent. Dennoch dominieren in allen marktkapitalisierten Indizes die großen Wachstumsunternehmen.
Gleichgewichtung ändert nur teilweise die Zusammensetzung
Entgegen gängiger Annahmen ändert die Gleichgewichtung die Zusammensetzung der Indizes weniger stark als vermutet. Zwar steigt der Anteil von Value-Aktien und Mid Caps, doch auch die Equal-Weight-Varianten können Klumpenrisiken aufweisen.
Insbesondere der MSCI Japan und der MSCI Emerging Markets bestehen auch in der gleichgewichteten Version noch zu rund 80 Prozent aus großen Unternehmen. Den größten Unterschied zeigt der MSCI USA, wo der Large-Cap-Anteil von 78,7 auf 28,8 Prozent sinkt.
Small Caps sind hingegen in sämtlichen Indizes unterrepräsentiert. Im gleichgewichteten MSCI USA beträgt ihr Anteil lediglich 7,2 Prozent, während sie im japanischen Pendant gar nicht vorkommen.
Implikationen für Anleger
Die Frage, ob marktkapitalisierte oder gleichgewichtete Indizes die bessere Wahl sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. „Investoren sollten genau auf die Zusammensetzung ihres Indexinvestments achten, um keine Überraschungen zu erleben oder sich zusätzliche Klumpenrisiken einzufangen", so Tachtler.
Wer bereits stark in US-Technologieaktien investiert ist, könnte mit dem MSCI USA Equal Weight eine bessere Diversifikation erreichen. Allerdings wäre es in diesem Fall möglicherweise sinnvoller, das Portfolio durch Investments in andere Länder, Sektoren oder Anlagestile zu erweitern.
Die Analyse unterstreicht, dass Anleger die Struktur ihrer Indexinvestments kritisch hinterfragen sollten – unabhängig davon, ob es sich um marktkapitalisierte oder gleichgewichtete Varianten handelt.
