Den Wind aus den Segeln nehmen

In Anbetracht zunehmender Anzeichen für einen Rückgang des Überangebots am Arbeitsmarkt kann wie folgt argumentiert werden: Je früher die Fed handelt, desto weniger wird sie später handeln müssen. Risikomanagement für die Fed hieß bislang, verfrühtes Handeln zu vermeiden. Der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke, der am vorigen vierteljährlichen Cyclical Economic Forum von Pimco teilnahm, erklärte, dass in der Nachkriegszeit bislang noch keine Nation jemals der Nullzinspolitik entkommen sei. Zu frühes Handeln ist von daher wahrscheinlich eine schlechte Idee. Doch das gilt auch für zu spätes Handeln. Denn Marktteilnehmer beginnen dann vielleicht damit, Zinserhöhungen in größerem Umfang einzupreisen. Das kann eine größere Straffung der Finanzbedingungen verursachen als wünschenswert ist. Dies stärkt das Argument für eine Verlagerung des Schwerpunkts im Risikomanagement der Fed, sich nämlich vor allzu spätem Handeln zu hüten. Die Tauben innerhalb der Fed schließen sich dieser Idee vielleicht an und stimmen für Zinserhöhungen, um jenen Szenarios den Wind aus den Segeln zu nehmen, bei denen die Märkte mehr Zinserhöhungen einpreisen als sie selbst sehen wollen.

Straffung ist nicht gleich Straffung

Eine wesentliche Botschaft, die die Fed in der Zeit bis zur Anhebung der Zinsen wahrscheinlich vermitteln wird, lautet: „Straffung ist nicht gleich Straffung“. Stanley Fischer, Vize-Chef der Fed, erklärte in den Tagen nach der Notenbanksitzung im März, dass die Fed mit ihrer ersten Zinserhöhung lediglich von „ultra-expansionistisch“ zu „extrem expansionistisch“ übergehen werde. Anlässlich der Fed-Sitzung in San Francisco am 27. März sagte Janet Yellen, der ausgewogene reale Leitzins der Wirtschaft sei, gemessen an historischen Standards, derzeit ziemlich niedrig. Dieser Kommentar steht völlig im Einklang mit den Pimco-Ansichten über den neuen neutralen Leitzins.

Der Leitzins der Fed dürfte historisch niedrig bleiben, insbesondere im Verhältnis zum aktuellen Stand der US-Arbeitslosenquote, und dies wird wahrscheinlich Jahre lang der Fall sein. Außerdem wird die Bilanz der Fed im Umfang von 4,45 Billionen US-Dollar weiterhin Anreize für die US-Wirtschaft bieten, indem sie hilft, die Zinsen niedriger zu halten, als es ansonsten der Fall wäre. Denn durch den Wertpapierbestand der Fed verringert sich die Zahl von Anleihen, die traditionelle Anleger kaufen können. Dadurch steigen deren Kurse und die Renditen fallen.

Konzentration auf den Verlauf von Zinserhöhungen

Beim Aufbau von Portfolios legen wir Anlegern nahe, sich eher auf das potenziell (langsame) Tempo und den (geringen) Umfang von zukünftigen Zinsanhebungen der Fed sowie die Zinsaussichten in aller Welt zu konzentrieren als auf den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung durch die Fed. Des Weiteren erwarten wir, dass die „Yellenomics“ ihre Kontrolle über die Kurse am Markt verlieren, so wie dies beim US-Dollar in den vergangenen Monaten geschehen ist. Das hat die Volatilität am Markt nach oben getrieben. Außerdem rechnen wir damit, dass die Märkte noch volatiler werden, wenn die Ängste als Reaktion auf eine bevorstehende Leitzinsanhebung unweigerlich zunehmen. Daraus werden Risiken, aber auch Chancen entstehen. Wir empfehlen Anlegern, bereit zum Handeln zu sein, wenn sich zwangsläufig Chancen ergeben.

Zusammenfassend raten wir Anlegern, für die Tage nach den ersten Zinserhöhungen der Fed zu investieren und langfristig zu denken – insbesondere über das Niedrigzinsklima, das wahrscheinlich noch für den Rest des Jahrzehnts anhalten und Anleger zwingen wird, weiterhin nach höheren Renditen und Erträgen Ausschau zu halten. Wir empfehlen Anlegern, sich dementsprechend zu positionieren, indem sie eine Übergewichtung des Anleihen- und Aktienrisikos favorisieren, und Chancen zu nutzen, um beides zu verstärken, wenn sich wie so oft Ängste an den Märkten breit machen. Bevorzugt werden sollten auch eine Untergewichtung in der US-Duration, eine Ausrichtung auf eine flachere Renditekurve sowie einen stärkeren US-Dollar im Vorfeld des Zinserhöhungszyklus der Fed. Die Fed verliert ihre Kontrolle – Anleger sollten darauf vorbereitet sein.