Beratungsszene: Fondshaus Natixis IM hat Trends am Markt für Finanzberatung untersucht.  | © Pixabay Foto: Pixabay

Studie von Natixis IM

Wie sich die Ansprüche an Finanzberater gewandelt haben

Die Corona-Krise wird langfristig keine schlimmen Auswirkungen auf die Finanzberatungsindustrie haben. Zu dieser für die Branche beruhigenden Einschätzung kommen die meisten Befragten im Rahmen einer Studie von Natixis Imvestment Managers. Die Fondsgesellschaft befragte weltweit 2.700 Finanzprofis, 150 davon aus Deutschland.

Demnach sehen gerade hiesige Finanzberater die Lage insgesamt etwas skeptischer als der internationale Durchschnitt. Auf kurze Sicht erwarten in Deutschland aktive Finanzberater, dass ihr betreutes Volumen um durchschnittlich 6 Prozent zurückgehen werde. Über einen Zeitraum von drei Jahren sind sie dagegen wieder optimistisch und rechnen mit einem jährlichen Wachstum von immerhin 18 Prozent.

Als größte Herausforderung sehen internationale Finanzprofis laut der Studie, dass sie sich an veränderte Aufgaben anpassen müssen. Waren sie in der Vergangenheit vor allem als Portfoliomanager für ihre Kunden tätig, sind mittlerweile andere Aufgaben in den Vordergrund gerückt. So gab rund jeder zweite Berater an, dass Kunden im vergangenen Jahr vermehrt vor allem nach einer umfassenden Finanzplanung fürs Alter gefragt hätten. Häufig verlangt waren zudem steuerorientierte Anlagestrategien und eine entsprechende Vermögensplanung.

Insgesamt sehen drei von vier Finanzberatern ihre Hauptaufgabe dementsprechend nicht mehr darin, einfach nur die Anlageportfolios ihrer Kunden zu verwalten. Bereits 91 Prozent der Befragten nutzen zumindest für einen Teil ihres betreuten Kundenvermögens standardisierte Modellportfolio. Die wahrgenommenen Aufgaben von Beratern sind indes viel breiter gestreut. 

Das sehen Finanzberater als ihre Hauptaufgaben an
Mehrfachnennungen möglich, Angaben in Prozent

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Grafik: Natixis IM

Auch hinsichtlich der Anlageprodukte hätten Kunden heute veränderte Vorstellungen, sagten die Finanzprofis. Vor allem nachhaltige Strategien seien zunehmend begehrt. Und auch alternative Strategien stünden stärker im Kundenfokus. Berater müssten sich daher ein entsprechendes Wissen aneignen.

Eine weitere Erkenntnis: Von Robo-Advisors, also digitalen Anlageangeboten, die auf einem Algorithmus basieren, fühlen sich Finanzberater bislang nur wenig bedroht. Gerade einmal 9 Prozent der Befragten betrachten Robos als geschäftsbedrohende Konkurrenten. Allerdings gehen viele Berater davon aus, dass sich ihr Wettbewerbsumfeld ändern werde. Rund jeder dritte erwartet dann mächtige Konkurrenz durch große Technologieplattformen wie Amazon oder Google. Von digitalen Fondsplattformen sieht sich dagegen nur jeder fünfte Berater langfristig bedroht.

Wie aber reagieren Berater auf die sich wandelnde Marktsituation? Offenbar indem sie auf das klassische und auch einzigartige Gut setzen, das Finanzberatern zur Verfügung steht. Das legen zumindest die Studienergebnisse nahe. Demnach versuchen 54 Prozent der Berater Kunden durch regelmäßige Kommunikation an sich zu binden. 50 Prozent setzen auf persönliche Begegnungen mit ihren Kunden. Fast ebenso viele Profis, nämlich 48 Prozent, nutzen allerdings auch technische Hilfsmittel, um in Kontakt zu bleiben und die Kommunikation effizienter zu machen.

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