Börsianer dürften sich über die Erholung europäischer Unternehmen freuen. (Foto: Getty Images)

Börsianer dürften sich über die Erholung europäischer Unternehmen freuen. (Foto: Getty Images)

Globale Wirtschaft

Europas Unternehmen steht die Erholung noch bevor

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Nachdem der US S&P 500 Index und der Dow Jones Industrial Average dieses Jahr Rekordwerte verzeichnet und einige europäische Aktienbenchmarks sich ebenfalls auf neue Höchstwerte bewegt haben, fragen sich einige Anleger möglicherweise, ob es überhaupt ratsam ist, jetzt noch in den Markt einzusteigen.

Wir sind der Meinung, dass ein langfristiger Anlagehorizont, unterstützt durch eine Bottom-up Analyse, versteckten Wert freilegen kann. Wir denken auch, dass es – ungeachtet des Marktzyklus – Gelegenheiten gibt, die wahrgenommen werden können. Dies insbesondere, wenn man eine globale Position mit ausgeglichenem Ansatz einnimmt, die unterschiedliche Sektoren und Anlageklassen mit einbezieht.   Aktienbewertungen noch hinter historischen Durchschnittwerten

Die Aktienmärkte konnten sich weltweit von den Tiefstständen, die während der Finanzkrise 2007-2008 erreicht wurden, weiter erholen. Dabei liegen die USA vorne. Bei der Bewertung des Potenzials von Zugewinnen finden wir  es nützlich, eine langfristigere Perspektive einzunehmen. Über zehn Jahre betrachtet – ungeachtet dessen, ob man sich die USA ansieht oder den Weltmarkt als Ganzes – liegen die annualisierten Gesamterträge immer noch unter den historischen Durchschnittswerten. Was die Tendenzen betrifft, erscheinen die Aktienbewertungen unserer Meinung nach immer noch nicht teuer, weder was das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), noch das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) betrifft. Tatsächlich sind sie immer noch nicht zu den historischen Durchschnittswerten zurückgekehrt.

USA führen globale Erholung an


Wir glauben, die globale Erholung, bei der die USA vorne zu liegen scheinen, könnte aus mehreren Gründen nachhaltiger Natur sein. In den USA ist ein kritischer Aspekt der Erholung unserer Meinung nach der Konsum, der 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der USA. Der US-Verbraucher hat sich entschuldet. Die Sparquoten haben sich seit der Finanzkrise 2007-2008 deutlich erhöht.

Die Erholung der US-Aktienmärkte hat es seitdem möglich gemacht, dass sich auch die Vermögen der Haushalte – parallel mit dem Eigenheimmarkt – erholen konnten. Betrachtet man den Eigenheimmarkt in den USA heute, ist er immer noch auf die gleiche Weise Treiber der Wirtschaft, wie dies vor der Krise der Fall war. Wir glauben, dass noch mehr Erholungspotenzial im Eigenheimmarkt besteht. Gleichzeitig sind die Arbeitslosenzahlen deutlich gesunken, die Energiepreise sind niedrig und die USA erfreuen sich nach wie vor einer niedrigen Inflation. Wir denken daher, dies spricht für eine weitere Erholung in den USA.

Manche argumentieren, die Stärke der US-Wirtschaft habe dazu geführt, dass der US-Markt teurer geworden ist, als der Rest der Welt. Laut der meisten Marktmetriken scheinen die Fortschritte von US-Aktien Spiegel der Konjunkturerholung im Land zu sein. Diese ist weiter fortgeschritten, als in den meisten anderen Industrieländern.

Aufschwung steht europäischen Unternehmen noch bevor


Die Konjunkturerholung in Europa liegt hinter der in den USA zurück. Dies liegt größtenteils an den Sparmaßnahmen in Europa, die in den am schlimmsten betroffenen Ländern der Europäischen Union (EU) als Voraussetzung für Hilfszahlungen eingeführt wurden.

Wir denken aber, Europa wird es schaffen. Tatsächlich sind wir bereits seit einigen Jahren an europäischen Aktien interessiert, denn wir konnten beobachten, wie diese mit erheblichen Abschlägen gegenüber den USA und der Vergangenheit des eigenen Marktes gehandelt wurden.

Wir finden die Investmentaussichten in Europa besonders spannend, denn europäische Aktien verzeichnen immer noch nicht die Erholung bei den Unternehmensumsätzen, die wir in den USA beobachten konnten. Anders als in den USA haben die Betriebsspannen (der Anteil des Umsatzes eines Unternehmens, der nach Zahlung der variablen Produktionskosten verbleibt) sich in Europa noch nicht sehr erholt. Viele haben versucht, strukturbedingte Gründe, wie starre Arbeitsmärkte, höhere Steuern oder andere, typisch europäische Faktoren dafür verantwortlich zu machen. Betrachtet man jedoch die historischen Daten, wirkte dies auch in der Vergangenheit nicht beeinträchtigend auf europäische Unternehmen.

Geldmenge in Unternehmen schafft Perspektiven

Unserer Ansicht nach werden wir, wenn die Erholung der europäischen Wirtschaft erst einmal beginnt, wahrscheinlich auch eine Erholung europäischer Umsätze beobachten können. Die enorme Geldmenge in den Unternehmensbilanzen ist einer der Faktoren, die uns das Zutrauen schenken, dass möglicherweise noch mehr Potenzial für eine positive Entwicklung der globalen Aktienmärkte besteht.


Das schafft Optionen für Unternehmen, zum Beispiel ob sie durch Investitionen mit ihren Unternehmen expandieren, höhere Dividenden ausschütten oder Aktien zurückkaufen sollen. Alle diese Optionen erhöhen potenziell die Umsätze und Erträge. Unternehmen können auch investieren, um Technologien zu verbessern. Das steigert die Produktivität und das Umsatzwachstum.

Banksektor in den USA und Europa erheblich verbessert

Als langfristige, Bottom-up Anleger begeben wir uns in Bereiche, in denen die Katalysatoren für Verbesserungen möglicherweise noch nicht deutlich geworden sind. Wir arbeiten mit einem Zeithorizont von mindestens fünf Jahren und investieren dort, wo andere sich nicht betätigten, da wir bereit sind geduldig abzuwarten, bevor wir den potenziellen Wert, der durch unsere Analysen ermittelt wurde, realisiert werden kann.

Wenn wir uns derzeit auf der Suche nach Wert in der Welt umsehen, fallen uns Finanzwerte ins Auge. In den USA und in Europa ist seit der Finanzkrise im Banksektor viel geschehen. In den USA haben die Banken sich entschuldet und umstrukturiert. Notleidende Kredite wurden abgeschrieben oder konnten sich wieder erholen.

Somit bilden die Banken immer weniger Rücklagen und die Gewinnsituation beginnt sich zu verbessern. Die Banken in den USA beginnen nun auch wieder ein gewisses Kreditwachstum zu verzeichnen. Europäische Banken liegen bei diesem Prozess leicht zurück. Sie scheinen aber ähnliche Verbesserungen aufzuweisen. Wir glauben, es äußert sich bisher erst sehr wenig davon in den aktuellen Bewertungen, da der Sektor nach wie vor sehr unpopulär ist.

Öldienstleistungen zeigen positive Entwicklung

Öldienstleistungen sind ein weiterer Bereich, den wir aus ähnlichen Gründen mögen. Die Aktienkurse von Energieunternehmen waren aufgrund der Erwartung eines erhöhten, zukünftigen Ölangebots sowie die weniger produktiven Kapitalinvestitionen für Exploration und Entwicklung durch große, integrierte Ölfirmen unter einigen Druck geraten. 

Demgegenüber konnten Öldienstleister nach wie vor von vielen der jüngst entdeckten Öl- und Gasvorkommen, die einen höheren Bedarf in den Bereichen Technologie und Dienstleistungen für die Förderung haben, profitieren. Allerdings tendieren die Aktien von Öldienstleistern auch dazu Schaden zu nehmen, wenn Sorge in Hinsicht auf die Ölpreise in den Weltmärkten besteht. In den letzten Jahren war es uns möglich, diese Marktbedingungen auszunutzen.

Gelegenheiten bewerten – solide Gesamterträge erwirtschaften

Während viele sich auf kurzfristige Probleme konzentrieren, haben wir versucht, uns in etwas einzukaufen, das wir für Premium-Öldienstleister halten, in jüngerer Vergangenheit in einige Titel in Europa, bei denen wir davon ausgehen, dass sie von den Strukturveränderungen in der Branche in den kommenden Jahren profitieren werden. 

Wir weisen Allokationen an Anlageklassen auf Grundlage unseres fundamentalen Bottom-up-Researchs zu. Wir versuchen nicht, eine narrensichere, gesamtwirtschaftliche Sichtweise zu entwickeln, die unsere Anlagen zwischen und unter den jeweiligen Anlageklassen bestimmten würde. Stattdessen bewerten wir die Gelegenheiten in der jeweiligen Anlageklasse. Wenn unsere Analysen der Bewertungen und des Risikos dies nahelegen, suchen wir nach soliden, langfristigen und risikoadjustierten Gesamterträgen, einschließlich einer Einkommenskomponente.

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