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Eröffnung der Tesla-Gigafactory in Shanghai: Die im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus ergriffenen Maßnahmen sind strenger als bei SARS und könnten die Wirtschaftsaktivität stärker bremsen. | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

Globaler Wirtschaftsausblick

Das Coronavirus und seine Folgen

Romain Boscher, CIO Aktien

Bis zum vergangenen Monat waren wir bei unserem Ausblick für die Weltwirtschaft von moderatem, wenn auch fragilem Wachstum in diesem Jahr ausgegangen. Dank der weltweit lockeren Geldpolitik schien sich der lange Wirtschaftszyklus um ein weiteres Jahr zu verlängern. Das ist auch weiter möglich, sofern die Ausbreitung des Coronavirus schnell gestoppt wird. Unterdessen sprechen wir in regelmäßigen Abständen weltweit mit den Unternehmen, in die wir investieren, um die Auswirkungen der Epidemie richtig einschätzen zu können. Gegenwärtig rechnen wir damit, dass sie Chinas BIP-Wachstum im ersten Quartal bremsen und weitere staatliche Stimulusmaßnahmen auslösen wird. Ob das neuartige Virus eine globale Rezession zur Folge haben wird, darüber lässt sich derzeit nur spekulieren.

China hat heute eine viel größere Bedeutung für die Weltwirtschaft als während des SARS-Ausbruchs 2003 (Grafik). Dadurch verstärken sich auch die potenziellen Auswirkungen auf andere Länder. Zudem sind die Chinesen viel mobiler geworden, was das Eindämmen der Krankheit erschwert. Im letzten Jahr reisten 130 Millionen Chinesen ins Ausland, während es vor der SARS-Epidemie nach Schätzungen von Fidelity nur 20 Millionen waren. Viele von ihnen fahren geschäftlich nach Afrika, wo die Möglichkeiten, das Virus nachzuweisen, begrenzt sind.

Makro-Ausblick: Instrumente der Geldpolitik bei Wachstumseinbruch begrenzt

Im ersten Quartal könnte es angesichts der Störungen in den Wirtschaftsabläufen in China zu einem Wachstumseinbruch in der Weltwirtschaft kommen. Von den Folgen für die globalen Lieferketten, den Handel und den Tourismus sowie der allgemeinen Verunsicherung ganz zu schweigen.

Selbst wenn es gelingt, die Ausbreitung des Virus schnell zu stoppen, könnte das globale Wachstum im ersten Quartal um mindestens einen halben Prozentpunkt schwächer ausfallen. Daran dürfte sich jedoch eine gewisse Erholung anschließen. Insgesamt werden die Nachwehen wohl länger anhalten und noch bis weit in dieses Jahr zu spüren sein.

Etwa die Hälfte der geschätzten Auswirkungen wird sich durch eine Wachstumsverlangsamung in China einstellen. Die andere Hälfte dürfte von einer Beeinträchtigung bei Chinas Handelspartnern und dem weltweiten Rückgang des Tourismus ausgehen.

Unser Konjunkturfrühindikator (FLI) deutet immer noch ein positives Wachstum an, das jedoch an Fahrt verliert. Er spiegelt jedoch lediglich die direkten Auswirkungen des Virus im Januar auf die Rohstoffnachfrage durch den dramatischen Einbruch der Komponente Baltic Dry Index wider. Weitere indirekte Auswirkungen sind daher durchaus möglich.

Vom Ausbruch des Virus werden außer China die übrigen Länder Asiens am stärksten betroffen sein (nachstehende Grafik), gefolgt von einigen lateinamerikanischen Ländern. Unter den Industrieländern ist Europa am anfälligsten für eine Wachstumsverlangsamung. Zaghafte Anzeichen einer Konjunkturerholung könnten durch einen Wachstumseinbruch im Keim erstickt werden.

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