Mitte der 90er Jahre sahen einige Theoretiker den nächsten Globalisierungsschritt voraus: Der Münchener Professor für Betriebswirtschaft Arnold Picot beschrieb beispielsweise in einem viel beachteten Aufsatz: “The Fading Boundaries of the Firm - The Role of Information and Communication Technology”(Journal of Institutional and Theoretical Economics“ absehbare Auswirkungen neuer Technologien auf Unternehmensstrukturen. Im Zentrum stand hier die Möglichkeit, Fertigungsprozesse unabhängig vom einem unternehmerischen Gefüge zu organisieren. Wie sich später gezeigt hat, trafen diese Überlegungen ins Schwarze. Stichwort „Off-, Nearshoring” und “Outsourcing”. Outsourcing ins ferne Ausland = Offshoring / Outsourcing ins grenznahe Ausland = Nearshoring. Das hat sich geändert! Indien exportiert heute rund siebenmal so viele Dienstleistungen wie Mitte der neunziger Jahre. Zum Vergleich: die EU erreichten im gleichen Zeitraum gerade einmal eine Verdoppelung. Und auch die ehemaligen Ostblockstaaten vernetzen sich zunehmend mit dem „alten Europa“. Die Wachstumsraten der Dienstleistungsexporte Estlands und Rumäniens deuten ebenfalls auf einen rasante Integration in die globalen Fertigungsprozesse hin (siehe Schaubild 3). Neue Techniken ermöglichen es den Schwellenländern beispielsweise medizinische und buchhalterische Dienstleistungen in über zehntausend Kilometer entfernten Ländern anzubieten, das ist das eine. Aber wie geht es weiter? Schaut man auf die bisherige Verbreitung des Internets scheint der Schluss naheliegend, die Auswirkungen des Internets haben gerade erst begonnen. Denn bislang verfügen vor allem die Menschen in den wirtschaftliche weiter entwickelten Volkswirtschaften über einen Zugang in „Cyperspace“. In den USA sind es bereits rund 70 Prozent, in Europa knapp 40 Prozent gegenüber Asien mit etwas mehr als 10 Prozent. Trotz dieser zur Zeit noch vergleichsweise geringen Durchdringung stellen die Asiaten die weitaus größte Bevölkerungsgruppe im World Wide Web. Rund ein Drittel der Internetnutzer kommen aus dieser Region. Und die jährlichen Wachstumsraten sind beachtlich. In Asien kommen jedes Jahr rund 20 Prozent der bisherigen Nutzer hinzu. Im bislang stark unterrepräsentieren Afrika sind es über 30 %.
Wissensquelle
Mit einer zunehmenden Verbreitung des Mediums Internets in den aufstrebenden Nationen, dürfte sich auch seine Breitenwirkung wandeln. Bislang war die Nutzung als Kommunikations- und Informationsmedium in Produktions- wie Vertriebsprozessen vorrangig. Die Beratungsgesellschaft McKinsey beispielsweise hob in einem 2005 veröffentlichten Studienprojekt zum Thema Off- und Nearshoring  die Nutzung des Internets als Informationsmedium für Kunden (Produktvergleich z.B. im Versicherungsbereich) hervor und verweist darauf, dass Softwareentwickler häufig das Internet zur „Verschiffung“ umfassender Softwaredaten nutzen. Zudem ersetzen manche Internetanwendungen wie z.B. Informationsportale einiger Behörden die bisherigen Dienste einiger Staatsbediensteten.
Die Zukunft könnte anders aussehen: denn mit zunehmender Durchdringung der ärmeren Länder mit dem Internet zeichnet sich ab, dass dieses Medium zunehmend als Bildungsinstrument in Schulen und als Informationsquelle genutzt werden wird. Bislang stehen hierfür vor allem die vergleichsweise hohen Kosten eines internetfähigen Computers und mangelnde Infrastruktur (vor allem Strom und Telefonleitungen) im Weg. Von politischen Instabilitäten noch gar nicht zu sprechen. In vielen armen Ländern stehen für die Schulbildung weniger als 20 US-Dollar pro Jahr und Schüler zur Verfügung, gegenüber 7.500 US-Do´lar in den USA . Ein Projekt, welches hier ansetzt ist das gemeinnützige „One Laptop per Child“ (OLPC). Ziele dieses Projektes sind die Entwicklung eines Laptops für unter 150 US-Dollar, großflächige Verteilung dieser Computer (exklusiv) an Bedürftige Schüler und die Vernetzung dieser Computer untereinander und mit dem Internet.