Globalisierung 3.0: Dynamik & Treiber des Wandels
Gesamtwirtschaftlich muss diese Entwicklung nicht zwingend negative Auswirkungen haben. Outsourcing ist vielmehr auch eine Chance, nicht nur für die Schwellenländer. Durch eine Konzentration der Unternehmen in Industriestaaten auf Dinge, in denen Sie besonders gut sind – einen komparativen Vorteil haben, wie es im Fachjargon heißt – werden diese effizienter. Zwar fallen durch die Auslagerung von Tätigkeiten ins kostengünstigere Ausland Arbeitsplätze weg, gleichzeitig steigern die Unternehmen in den Industrieländern aber ihre Wettbewerbsfähigkeit und die verbleibenden Arbeitsplätze werden sicherer. Manchmal rechnet sich die Fertigung einiger Produkte sogar erst durch die Vernetzung mit dem Ausland. Es werden neue Stellen geschaffen. USA profitieren von Outsourcing Für die USA wird damit gerechnet, dass sich jeder ins Offshoring investierte Dollar volkswirtschaftlich mit 13 Cent rentiert. In Indien bleiben hingegen von jedem investierten Dollar nur rund ein Drittel hängen. Die US-Wirtschaft profitiert also überproportional von der Auslagerung bestehender Jobs. In Deutschland sieht dies anders aus: Hier wird davon ausgegangen, dass der Effekt per Saldo um 20 Eurocent negativ ist. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen exportieren die USA viele Anlagen, die in beispielsweise in der indischen Dienstsleitungsindustrie genutzt werden, zweitens fließen zum beachtlichen Teil die Gewinne ausländischer Dienstleistungsunternehmen an die USA zurück, da diese über US-Amerikanische Direktinvestitionen finanziert wurden und drittens finden entlassende Arbeitnehmer in den USA wesentlich häufiger und schneller eine neue Anstellung als es in Deutschland der Fall ist.
Aber auch Deutschland ist Globalisierungsgewinner: Der Anteil der Exporte Deutschlands am Bruttoinlandsprodukt (der gesamten Wertschöpfung des Landes) hat sich seit 1993 verdoppelt. Deutschland profitiert an dieser Stelle indirekt auch von der Auslagerung US-Amerikanischer Arbeitsplätze z.B. nach Indien und China. Denn der Aufschwung dieser Länder forciert steigende Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern. Und der Anteil Deutschlands am Welthandel ist in den letzten Jahren gestiegen und nicht wie im Falle der USA gesunken.-- Schaubild 8: Exportgüterstruktur im Wandel -- Der Aufholprozess der Schwellenländer ist wichtig, denn nur so lassen sich eine Reihe von globalen Ungleichgewichte bewältigen. Aus Sicht der Schwellenländer erscheint die Angst in den Industrieländern ohnehin übertrieben, denn das Wohlstandsgefälle, beispielsweise gemessen am BIP Pro Kopf, zwischen Ländern wie den USA und China wird auch noch in 30 Jahren riesig sein. Infrastruktur: ein unterschätzter Konjunkturtreiber Eine wichtige Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum ist die Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Damit gemeint sind Transportwege wie Strassen, Wasserwege, Schienen etc. und Gebäude, aber auch Anlagen die eine Versorgung beispielsweise mit Wasser und Elektrizität sicherstellen.
Nicht nur, aber auch aufgrund des starken Wachstums der Schwellenländer haben die notwendigen Investitionen im Infrastrukturbereich in den letzten Jahren stark zugenommen. Die OECD schätzt, dass China im Zeitraum 2003-30 rund 2 Billionen US-Dollar in Anlagen zur Elektrizitätserzeugung und -verteilung investieren muss.
Auch der chinesischen Regierung ist die Bedeutung des Faktors Infrastruktur bewusst. Derzeit investiert das Land rund 20 % des BIP in diesem Bereich.
Meistgelesen
Top-News
