Drei Jahre lief es für deutsche Nebenwerte nicht gut. Doch seit Jahresbeginn 2025 wendet sich das Blatt: Björn Glück ist zurück!
Sein Aktienfonds Smaller German Champions (ISIN: LU0129233093) von Lupus Alpha gehört mit über 20 Prozent Plus zu den Top-Performern im Segment.
DAS INVESTMENT hat Glücks Chef, Lupus-Alpha-Investmentchef Götz Albert, in Frankfurt getroffen und gefragt, wie sich die Lage so schnell ändern konnte.
DAS INVESTMENT: Glückwunsch, Herr Albert, Ihr Flaggschiff-Fonds Lupus Alpha Smaller German Champions hat zu Ende Juni wieder die 600-Millionen-Euro-Marke geknackt. Das muss sich gut anfühlen, nachdem es seit dem 940-Millionen-Euro-Hoch im November 2021 nur noch abwärts ging?
Götz Albert: Ja, absolut. Wir haben in den vergangenen drei Jahren, in denen Small Caps gegen Large Caps massiv underperformed haben, zunächst langsam und dann stetig Abflüsse gesehen. Das betraf das gesamte Small-Mid-Cap-Segment und alle Wettbewerber. Beim Lupus Alpha Smaller German Champions hatten wir bis Ende 2024 permanent Abflüsse. Das ist zum Jahresanfang 2025 zum Stillstand gekommen – noch bevor die Themen, über die wir gleich sprechen werden, richtig zum Tragen kamen. Seitdem sehen wir in unserem Deutschlandfonds wieder jeden Tag Zuflüsse, auch große.
Seit Jahresbeginn hat Ihr Fonds richtig zugelegt und gehört zu den Top-Performern unter den deutschen Nebenwerte-Fonds. Das hätten Sie nicht unbedingt erwartet, als wir uns im Januar trafen, oder?
Albert: Eine Sache haben wir zu Jahresanfang richtig antizipiert, auch wenn wir nicht alle Entwicklungen vorhersehen konnten. Meine These war damals vor der Bundestagswahl: Wenn wir eine andere Wirtschaftspolitik bekommen, sollte sich sofort die Stimmung verbessern. Die Stimmung Ende 2024 war auf einem derart depressiven Level, dass man sagen konnte: Viel schlechter geht es nicht mehr. Wir wussten aber auch, hat der Markt einmal kapituliert, dann kann es danach nur wieder aufwärts gehen. Weil in der Kapitulation zu verharren, ist für Investoren keine Alternative.
Beschreiben Sie es bitte mal in Ihren Worten: Was ist seitdem passiert?
Albert: Für mich war der Wendepunkt die Rede von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz (am 14. Februar 2025, Anm.d.Red.). Da wurde jedem klar, dass Europa auf sich allein gestellt ist und selbst handeln muss. Dass der amerikanische Vizepräsident die vermeintlich nicht bestehende Meinungsfreiheit in Europa als größtes Problem nennt – das hat allen die Augen geöffnet.
Mein erster Gedanke war: Das ist das Ende der deutschen Schuldenbremse. Wir hatten uns durch die schwarze Null Handlungsspielräume verbaut. Nach der Wahl kam dann der massive Schwenk von einer extrem restriktiven Fiskalpolitik hin zu einem 500-Milliarden-Euro-Infrastrukturpaket und einer quasi unlimitierten Finanzierung von Verteidigungsausgaben.
Aber was hat sich an der Lage für deutsche Nebenwerte seitdem wirklich verändert? Bislang ist es nur das Versprechen, dass Milliarden in die Wirtschaft gepumpt werden, oder?
Albert: Das stimmt so nicht. Wir haben eine neue Situation und einen anderen fiskalischen Hintergrund. Es ist kein Zufall, dass die ganzen Erwartungskomponenten der Konjunkturindikatoren im Moment nach oben gehen. Die Stimmung im Land ist viel positiver und das ist wichtig: Jeden Tag werden in den Unternehmen jetzt auch wieder neue Projekte diskutiert. Manche rechnen sich nicht, die fallen raus. Manche rechnen sich sicher, die werden gemacht.
Aber wichtig sind die Projekte dazwischen: Wenn ich als Unternehmen daran glaube, dass die Lage besser wird, dann mache ich auch Projekte, für die es eine reelle Wahrscheinlichkeit gibt, dass diese sich rechnen. Diese positiven Erwartungen schieben das Wachstum wieder an. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung.
Die großen Probleme wie Fachkräftemangel, Demografie, überbordende Bürokratie bleiben ungelöst ...
Albert: Ja, in der Tat. Der Fachkräftemangel erzeugt aber auch Druck und zwingt die Wirtschaft, kreative Lösungen zu finden. Unternehmen sind nun gezwungen, Prozesse zu digitalisieren und KI-Lösungen zu implementieren. Wenn genug Arbeitskräfte da wären, würde man sagen: Dann braucht es halt länger. Aber so muss man neue Wege gehen. Das entwickelt auch Lösungskompetenz.
Welche Segmente profitieren nun – außer der Rüstungsindustrie?
Albert: Hier darf man nicht zu kurz springen und als Anleger nur an Rheinmetall, Hensoldt oder Thyssenkrupp denken. Man muss auf die Zuliefererlisten schauen – da stehen hunderte von Unternehmen drauf. Schauen Sie sich unsere Performer im Portfolio an:
- Vossloh macht Bahninfrastruktur und hat in diesem Jahr über 80 Prozent Performance gemacht.
- Alzchem, ein Chemieunternehmen aus Bayern mit großer Produktionskapazität für Munition, machte über 100 Prozent.
- Ionos, der deutsche Cloud-Anbieter – auf einmal wird der nachgefragt.
- Auch Deutz als Motorenhersteller.
- Und natürlich Bilfinger für Infrastruktur.
- Renk mit über 250 Prozent Performance darf man auch nicht vergessen.
Wer sind diejenigen, die nun in deutsche Nebenwerte-Fonds investieren?
Albert: Es gibt zwei Arten von Anlegern in diesem Bereich. Die Small-Mid-Cap-Anleger, die mit einem festen Anteil immer dort investiert sind. Aber es gibt auch opportunistische Anleger, klassische Large-Cap-Investoren, die in guten Zeiten Small und Mid Caps als Portfolioversüßer beigemischt haben. Wenn diese Versüßer nicht mehr süß schmecken, sondern bitter, schmeißen sie sie gnadenlos raus. So gesehen nach Beginn des Ukraine-Krieges.
Wenn diese Large-Cap-Investoren jetzt aber sehen, dass Nebenwerte wieder besser laufen, ist zu erwarten, dass die auch wieder zurückkommen. Und die haben ganz andere Volumina als die eigentlichen Stammkunden.
Immerhin: Auf der Asset-Manager-Liste von Norges, dem größten Staatsfonds der Welt, konnte man durchgehend Lupus Alpha finden ...
Albert: Richtig. Ich kann nur so viel dazu sagen: Die meisten großen Institutionellen fahren keine Länderansätze mehr, sondern investieren europaweit in Nebenwerte. Norges will aber Länderspezialisten und setzt daher auf US-Manager für den US-Markt, auf Vietnamesen für den vietnamesischen Markt und eben auch auf deutsche Experten für den deutschen Markt. Und zumindest Letzteres hat sich nun durchaus gelohnt.
Richtig ist auch: Auf Einjahressicht lief es gar nicht so gut für Ihren Smaller German Champions. Er hat erst seit Anfang Januar so richtig aufgedreht und andere Fonds überholt. Was haben Sie bei der Portfoliozusammensetzung verändert?
Albert: Wir haben definitiv umgeschichtet. Wenn ich ein Jahr zurückblicke, haben Konsumtitel belastet, auf die wir damals gesetzt haben: zum Beispiel Hugo Boss und Puma. Wir hatten gedacht, dass der Konsum stärker ansteigt. Das kam aber nicht. In der zweiten Jahreshälfte hat Björn Glück, der unseren Deutschlandfonds schon seit über 13 Jahren managt, dann auf Industrie gedreht. Also nicht erst seit dem Infrastrukturpaket. Er war da vorher schon drin und hat diesen Ansatz dann verstärkt, wo nötig und wo sich neue Chancen boten.
Wie viel Luft nach oben ist noch bei den Kursen nach dem starken Anstieg? Oder muss man befürchten, dass Trump für neue Verwerfungen sorgt?
Albert: Wir haben drei Jahre Underperformance gegen Large Caps erlebt. Das hat dazu geführt, dass Small und Mid Caps deutlich günstiger bewertet sind als Large Caps – was historisch selten passiert. Normalerweise haben diese ein Bewertungspremium, weil sie stärker wachsen können. Wenn die Nebenwerte allein diesen Bewertungsabschlag aufholen, ist da noch deutlich Potenzial.
Aber natürlich schauen wir auch auf den globalen Aktienmarkt. Wenn es jetzt neuen Stress geben sollte wegen der Zölle, dann liegt die Korrelation im ersten Moment immer bei eins: Wenn es dunkel wird im Wald, trifft es alle Aktienmärkte. Aber die relative Positionierung der kleineren Titel ist nach wie vor sehr attraktiv.
Ihr Fondsmanager Björn Glück ist in der Branche hoch angesehen, meidet aber eher das Rampenlicht. Der Track Record, die Performance – das ist ja beeindruckend und wurde mehrfach ausgezeichnet. Müssten Sie alle nicht mehr für Ihr Produkt trommeln?
Albert: Björn Glück ist „Mister Germany" – mit ihm können Sie über Deutschland reden, Tag und Nacht und über jeden Einzelwert. Er ist ein akribischer Arbeiter, der permanent an seinem Portfolio feilt. Das geht dann manchmal auch zu Lasten des einen oder anderen Pressetermins.
Im Portfolio Management schauen wir immer zuerst auf die Unternehmen. Deswegen haben wir bei Lupus Alpha auch keinen Welterklärer wie andere Banken oder Asset Manager, bei uns gibt es keinen Chefvolkswirt. Das ist nicht unser Ansatz. Wir verstehen uns als Spezialisten, die in bestimmte Themen sehr tief eintauchen. Wir machen als Team über 1.500 Unternehmensgespräche im Jahr, meist auf C-Level – das ist unser Kern.
Über Götz Albert und Lupus Alpha
Götz Albert (Jahrgang 1966) ist seit 2019 Managing Partner und Chief Investment Officer bei Lupus Alpha. In dieser Position verantwortet er die Bereiche Portfoliomanagement, Research und Analyse. Albert ist seit 2003 bei Lupus Alpha tätig und leitete zuvor als Partner das Portfoliomanagement für Small und Mid Caps. Vor seinem Wechsel zu Lupus Alpha war Albert als Leiter der Small- und Mid-Cap-Analyse bei Independent Research sowie bei der DB Cargo AG beschäftigt.
Lupus Alpha ist eine unabhängige Investmentboutique mit Fokus auf Spezialsegmente und Sitz in Frankfurt am Main. Diese verwaltet 16,3 Milliarden Euro Assets under Management (Stand: Ende Juni 2025). Das Unternehmen beschäftigt über 100 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf europäische Nebenwertestrategien, derivatebasierte Strategien (wie Aktien-Wertsicherung und Volatilitätsstrategien) sowie Wandelanleihen und verbriefte Unternehmenskredite. Der Lupus Alpha Smaller German Champions (ISIN: LU0129233093) gehört zu den größten und erfolgreichsten deutschen Small- und Mid-Cap-Fonds mit einem aktuellen Volumen von über 600 Millionen Euro.




