Gold: Achterbahnfahrt und Anlagenotstand

Seite 2 / 2



Auf Gesamtjahressicht dürften die Chinesen aber einen Tick hungriger sein, schließlich wird die indische Regierung nicht müde, ihrem Volk die Lust auf Gold zu verderben, um das hohe Handelsbilanzdefizit des Schwellenlands in den Griff zu bekommen. Im September erhöhte das Land zum Beispiel seine Importzölle auf Goldschmuck von zehn auf nunmehr 15 Prozent – offiziell, um die heimische Schmuckindustrie zu schützen. Diverse zuvor beschlossene regulatorische Maßnahmen zum Thema Gold legen hingegen den Schluss nahe, dass es in erster Linie darum geht, das durch den „Goldrausch“ mitverursachte Handelsbilanzdefizit einzudämmen.

Edelmetalle sind keine Spekulationsobjekte

Private Edelmetallbesitzer haben verstanden, dass physische Edelmetalle keine Spekulationsobjekte sind. Wer Gold oder Silber kauft, will sein Vermögen vor Kaufkraftverlust sichern und nachhaltig vermehren. Und Gold bietet, anders als die übrigen Sachwertklassen, viele Vorteile. Immobilien sind immobil. Oldtimer müssen erst den richtigen Käufer finden, wenn sie zu Geld gemacht werden sollen. Der Vorteil von Edelmetallen ist also ihre hohe Flexibilität, weil sie schnell veräußerbar sind und dem Besitzer überall auf der Welt Liquidität verschaffen.


Doch obwohl die Privatanleger weiterhin Tag für Tag durch ihre Zukäufe für Gold abstimmen, droht immer wieder Gegenwind – der wichtigste Faktor bei der Preisentwicklung war und ist eindeutig die Politik der Notenbanken. Die Geldmengenausweitung hat längst größere Auswirkungen auf die Börse als die Entwicklung der Unternehmensgewinne.

In den verbleibenden zwei Monaten des Jahres 2013 ist auch die Silberanlage interessant, die massive Nachfrage nach dem Edelmetall dürfte bis zum Jahresende anhalten – danach steigt die Mehrwertsteuer für Silbermünzen von sieben auf 19 Prozent. Langfristig orientierte Anleger sollten also auch Produkte abseits der goldenen Barren und Münzen im Blick behalten. Attraktive Chancen warten auch im Bereich der Minenaktien. Die Branche befindet sich nachhaltig im Wandel, sie setzt auf Rentabilität, Kapitaldisziplin und einen stabilen Cashflow je Unze. Zahlreiche Projekte wurden in den vergangenen Monaten abgestoßen oder auf Eis gelegt und CEOs wurden ausgetauscht. Dieses neue Bekenntnis zu Kostenwahrheit, größerer Finanzdisziplin und Shareholder Value ist eine späte, aber wichtige Einsicht des Sektors.

Mehr zum Thema