Gold: Auf die Dosis kommt es an

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Anleger, die momentan verstärkt Gold als langfristige Anlage erwerben, setzen vermutlich auf Inflation. Zu schlüssig erscheint ihnen das Argument, dass die steigende Staatsverschuldung nur eine Geldentwertung zur Folge haben kann.

Der Blick nach Japan führt indes zu gegenteiligen Schlussfolgerungen. Ob die Gold-Bullen, die sich jetzt gegen Inflation absichern wollen, mit ihrer Prognose richtig liegen, kann daher nur die Zukunft zeigen.

zur Umfrage: Der Goldpreis erreicht die 1.300-Dollar-Marke. Sehen wir hier eine Blase?

Unabhängig von der Frage, ob es eher zu inflationären oder deflationären Entwicklungen kommen wird, wissen die Anleger, dass sich der Wert des Edelmetalls nicht aus einem Vertrag oder Gesetz ableitet.

Vielmehr besitzt Gold einen inhärenten und davon unabhängigen Wert. Und dieser Wert geht auch in großen Krisen und sogar Kriegen nicht verloren.

Damit erfüllt das Edelmetall eine klassische Versicherungsfunktion. Und wie bei jeder vernünftigen Police sollte der Preis der Absicherung in einem vernünftigen Verhältnis zum Risiko stehen. Sprich: Je unwahrscheinlicher die Krise, desto weniger sollte in Gold investiert werden.

Weder produktiv noch ertragreich

Denn in einem sich normalisierenden wirtschaftlichen Umfeld werden profitable Anlagen gesucht – und Gold gehört nicht dazu. Schließlich generiert es weder Zinsen noch kann es produktiv eingesetzt werden, wenn es im Tresor lagert.

Zudem ist nach dem steilen Anstieg der vergangenen Jahre eine auch schärfere Korrektur beim Goldpreis nicht auszuschließen.
Sollte die Weltwirtschaft wieder nachhaltig in Fahrt kommen, werden wohl auch die Staaten ihre Schulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt wieder reduzieren – wodurch sich die Inflationsgefahr verringern dürfte.

In diesem Fall könnten auch die Edelmetalle, die in der Industrie gebraucht werden, im Wert schneller steigen als Gold. Im Ansatz sieht man dies bereits bei Silber.

Fazit: Gestiegene Preise allein – in welche Anlage auch immer – taugen kaum als Argument für einen Kauf. Ehe also Anleger dem Reflex nachgeben, sich mit der glänzenden Krisenwährung einzudecken, sollten sie das Für und Wider sorgfältig abwägen – auch unter dem Aspekt, wie viel Gold sie im Depot haben möchten, falls die nächste Krise ausbleibt.

Wer sich nach diesen Überlegungen mit einem wohldosierten Goldkauf gegen das Inflationsrisiko absichert, sollte auf jeden Fall Zugriff auf das physische Gold haben – entweder durch den Erwerb von Barrenund Münzen oder durch den Kauf goldgedeckter Investmentfonds.

Zum Autor: Gottfried Urban ist Vorstand der Neue Vermögen AG in Traunstein und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen. Lesen Sie weitere Kolumnen von Vermögensverwaltern in unserer Themenrubrik Vermögensverwalter

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