Auslage eines Juweliergeschäfts in Gaza Stadt/Palästina Foto: imago images / ZUMA Wire

Chef der ICM Investmentbank

Gold bleibt auch 2021 aussichtsreich

Norbert Hagen
Foto: ICM Investmentbank

Die Corona-Pandemie hat es möglich gemacht: Im Frühjahr dieses Jahres sind zeitweise sowohl der Goldpreis als auch der Dollarkurs gestiegen. Meistens korrelieren die beiden Währungen negativ miteinander. Und nach einer Unterbrechung zur Jahresmitte marschierten Gold und Dollar erneut in dieselbe Richtung - nur diesmal nach Süden.

Solche Phasen der positiven Korrelation gab und gibt es immer wieder, doch meistens entwickeln sich die beiden Assetklassen in gegensätzlichen Richtungen. Das spricht für 2021 für einen steigenden Goldpreis. Denn beim Dollar stehen die Zeichen eher auf eine weitere Abwertung. So hat die amerikanische Notenbank Fed bei ihrer jüngsten Sitzung Mitte Dezember signalisiert, die Zinsen auch über die Corona-Krise hinaus extrem niedrig halten zu wollen. Seit dem März 2020 liegen die US-Leitzinsen bei null bis 0,25 Prozent. Damit gibt es beim Dollar gegenüber anderen Währungen kaum oder gar keinen Zinsvorteil.

Der schwache Dollarkurs dürfte in den USA für ein gewisses Anziehen der Inflation sorgen, da sich dadurch die importierten Güter und Rohstoffe verteuern. Dennoch dürfte die Fed die Füße stillhalten. Sie hat bereits kommuniziert, dass sie ein Überschreiten der Zwei-Prozent-Marke bei der Geldentwertung eine längere Zeit lang tolerieren wird.

Enorm hohe Defizite

Denn unter US-Präsident Donald Trump ist die Staatsverschuldung der USA rasant in die Höhe geschossen. Am Ende des Fiskaljahrs 2019 lag sie noch bei rund 23 Billionen Dollar. Mittlerweile ist der Schuldenberg auf fast 28 Billionen Dollar angewachsen und hat ein neues Rekordniveau erreicht. Jede Sekunde kommen rund 1,4 Millionen Dollar dazu. Ohne niedrige Zinsen und eine etwas höhere Inflation wird es kaum möglich sein, das Defizit real zu begrenzen oder abzubauen.

Ein schwächerer Dollar würde auch den Abbau des Handelsbilanzdefizits unterstützen. Seit dem Sommer haben die Vereinigten Staaten in jedem Monat für 85 bis 88 Milliarden Dollar mehr Güter und Dienstleistungen importiert als exportiert. In der ersten Hälfte des Jahres fiel das Handelsbilanzdefizit noch spürbar geringer aus. Faktisch zeigen die von Trump verhängten Strafzölle keinerlei Wirkung.

Die rekordhohen Defizite des amerikanischen Staatshaushalts und der Handelsbilanz machen aus US-Sicht eine weitere Abwertung des Greenbacks wünschenswert. Gleichzeitig werden sich die amerikanischen Notenbanker kaum dem Vorwurf aussetzen wollen, durch ein Anheben der Leitzinsen die konjunkturelle Erholung abzuwürgen. Für Gold ist somit 2021 ein positives Umfeld – bestehend aus niedrigen Zinsen und Inflation – relativ wahrscheinlich.

Liquidität sucht Anlagechancen

Und noch etwas spricht für einen wieder steigenden Goldpreis: Nominal ist so viel Geld im Umlauf wie niemals zuvor. Sowohl die Fed als auch die EZB kaufen Monat für Monat im großen Stil Anleihen und fluten so die Finanzmärkte mit Liquidität, die angelegt werden will.

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