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Goldpreisentwicklung Auf dem Weg zu einem neuen Goldrausch?

Goldbarren der Deutschen Bundesbank
Goldbarren der Deutschen Bundesbank: Würden alle Zentralbanken der Schwellenländer 10 Prozent ihrer Reserven in Gold halten, würde die weltweite Goldnachfrage um über 75 Prozent steigen. | Foto: Imago Images / brennweiteffm

Der Goldpreis ist seit Jahresbeginn um über 17 Prozent gestiegen (Quelle: Bloomberg-Daten, Stand: 17. Mai) und gehört damit zu den Anlagen mit der besten Wertentwicklung im laufenden Jahr. Nachdem sich der Goldpreis im Jahr 2023 zwischen 1.800 und 2.000 US-Dollar bewegte, stieg er im März und April 2024 sprunghaft an und erreichte rasch 2.400 US-Dollar.

Ein Anstieg in einem ungünstigen makroökonomischen Umfeld

Nadège Dufossé

Diese Leistung wird vielfach kommentiert. Sie ist mit Blick auf den Preiszuwachs und die Geschwindigkeit von historischem Ausmaß und steht vor allem in völligem Widerspruch zu der historisch beobachteten Beziehung zwischen Gold und anderen Anlageklassen. Der Anstieg des Goldpreises fiel in eine Zeit, in der die Realzinsen stiegen, der US-Dollar erstarkte und risikoreiche Anlagen zu Beginn des Jahres ihren Höhenflug fortsetzten.

Der Zusammenhang zwischen Realzinsen und Gold ist seit Anfang 2022 nicht mehr gegeben. In der Vergangenheit war der Goldpreis umgekehrt korreliert mit den Veränderungen der US-Realzinsen, und diese Beziehung war mindestens seit 2006 evident. Aus fundamentaler Sicht ist das darauf zurückzuführen, dass Gold als nichtverzinslicher Sachwert umso teurer zu halten ist, je höher die positiven Realzinsen sind.

Grafik 1: Goldpreis und US-Zinsentwicklung

Ebenso benachteiligt ein stärkerer US-Dollar in der Regel auf US-Dollar lautende Rohstoffe (einschließlich Gold), da er sie für nicht-amerikanische Anleger (von denen die meisten Goldanleger sind) teurer macht. Auch der Anstieg des Dollar-Index (der den Wert des US-Dollars gegenüber sechs anderen wichtigen Währungen anzeigt) um mehr als 4 Prozent in diesem Jahr war kein Hindernis für den Aufstieg des Goldes. Schließlich wird Gold oft als sicherer Hafen angesehen und schneidet im Allgemeinen unter Stress gut ab, was in diesem Jahr nicht der Fall ist: Die Volatilität an den US-Aktienmärkten ist auf einen Tiefstand zurückgekehrt (VIX-Index bei 11,99 bei Börsenschluss am 17. Mai), und die Kreditspreads haben sich drastisch verengt.

Wie lässt sich folglich die außergewöhnliche Performance von Gold erklären? Und vor allem: Ist sie nachhaltig?

Die Nachfrage der Zentralbanken nach Gold ist der Hauptfaktor für diesen Anstieg

Die weltweite Goldnachfrage der Zentralbanken hat sich seit 2022 verdoppelt und ist von 11 Prozent der gesamten Goldnachfrage im Jahr 2021 auf 23 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal dieses Jahres fort. Die Anlagen (Goldbarren und -münzen, börsengehandelte Fonds), die im Jahr 2020 (dem Covid-Jahr) stark angestiegen waren, sind seitdem stark gefallen. China ist der größte Goldproduzent der Welt (10 Prozent der Minenproduktion), aber auch der größte Goldimporteur der Welt (20 Prozent der Goldnachfrage). Die People's Bank of China hat ihre Goldreserven in den Jahren 2022 bis 2023 aufgestockt, wobei der Gesamtbetrag ungewiss bleibt, da sie nicht verpflichtet ist, alle ihre Goldkäufe transparent zu veröffentlichen. Auch die chinesischen Verbraucher scheinen einen Teil ihrer Ersparnisse in Gold investiert zu haben, wobei der genaue Betrag nicht bekannt ist.

 

Dieser strukturelle Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Bei der Befragung im Jahr 2023 beabsichtigten 23 Prozent der Zentralbanken, ihre Goldreserven in den nächsten zwölf Monaten zu erhöhen. Dieses Bestreben, die Reserven der Zentralbanken zu diversifizieren, beschleunigte sich nach Covid und dem Beginn des Ukraine-Krieges. Sie ist wahrscheinlich auf die Wahrnehmung eines erhöhten finanziellen Risikos zurückzuführen, das zum einen mit dem wachsenden US-Defizit und zum anderen mit den einseitig von den Vereinigten Staaten beschlossenen Sanktionen gegen Russland (Einfrieren von 300 Milliarden US-Dollarreserven) zusammenhängt.

Wie sind die Aussichten für Gold?

Auf der Angebotsseite ist der Trend relativ stabil, die Jahresproduktion bewegt sich um die 3.000 Tonnen pro Jahr (Quelle: Statista) und die Aussichten für die Nachfrage sind recht gut.

Wir rechnen mit einem etwas günstigeren makroökonomischen Umfeld: Die Realzinsen dürften bestenfalls stabil bleiben oder angesichts der Konjunkturabschwächung und der ersten Zinssenkungen der Fed sogar leicht fallen, was den Goldpreis stützen dürfte. Man könnte hinzufügen, dass das Risiko einer Rückkehr der Inflation im umgekehrten Fall auch für Gold günstig ist, denn als Sachwert schützt es vor übermäßiger Inflation.

Die eher strukturellen Faktoren, die zu verstärkten Käufen durch die Zentralbanken, insbesondere in den Schwellenländern, geführt haben, dürften weiter bestehen: Die geopolitischen Risiken sind nach wie vor vorhanden, und das US-Defizit wird sich nicht verringern.

Wie die Grafik 2 zeigt, war die Goldnachfrage der Zentralbanken in der Vergangenheit jedoch recht volatil, ebenso wie die Investitionen (einschließlich börsengehandelter Fonds).

Grafik 2: Woher die Goldnachfrage kommt

Quelle: Metals Focus, Refinitiv GFMS, ICE Benchmark Administration, World Gold Council

Diese beiden Arten der Nachfrage könnten sich durch den Anstieg der Goldreserven der Zentralbanken und die Anziehungskraft von Gold für Finanzinvestoren beschleunigen, was unser bevorzugtes Szenario ist, aber die Sichtbarkeit der kurzfristigen Entwicklung bleibt gering. Mittel- bis langfristig scheint der Aufwärtstrend der Goldnachfrage indes deutlich positiv zu sein.

In einem Multi-Asset-Portfolio ist Gold unter dem Aspekt der Diversifizierung interessant, da es kaum mit der Entwicklung von Aktien oder Anleihen korreliert. Andererseits reagiert Gold positiv auf Marktstress. Ein strukturelles Portfolioengagement von 3 bis 5 Prozent in Gold, zusammen mit anderen alternativen Vermögenswerten, verbessert das Risiko-Ertrags-Profil diversifizierter Fonds.

 

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