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Stefan Breintner von DJE im Interview
„Minenunternehmen haben ein großes strukturelles Problem“
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Stefan Breintner von DJE im Interview „Minenunternehmen haben ein großes strukturelles Problem“

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Auch die Goldminen-Aktien haben sich im vergangenen Jahr extrem schlecht entwickelt. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe? Die Inflation?

Breintner: Ja, Goldminen-Aktien liefen 2023 schlecht. Dabei ist der Gold-Preis für sie eigentlich in die richtige Richtung gegangen. Aber die Minenunternehmen haben mit steigenden Kosten zu kämpfen gehabt und auch immer noch zu kämpfen. Unter anderem durch die gestiegenen Betriebskosten, unter anderem Diesel, Reifen, Sprengstoffe, Stahl, und ganz stark natürlich die steigenden Löhne. Der Druck auf die Löhne ist dabei generell für den gesamten Bergbausektor ein strukturelles, langfristiges Thema. Denn wer will heute – als hochqualifizierter Ingenieur – noch für ein Bergbauunternehmen arbeiten? Es wird immer schwieriger werden, qualifizierte Leute zu bekommen.

Für die Betreiber von Goldminen wird also das Thema Effizienz immer wichtiger. Könnte ein höherer Grad an Automatisierung diese steigern? Oder ist der Abbau dort schon so weit automatisiert, dass nicht mehr viel möglich ist?

Breintner: Minenunternehmen haben generell ein großes strukturelles Problem. Der Erz- beziehungsweise Metallgehalt im abgebauten Gestein nimmt ab. Die Zeit des Abbaus an einfachen Gesteinsschichten mit hohem Erzgehalt ist weitgehend vorbei und der Abbau an Gesteinsschichten mit niedrigerem Erzgehalt ist deutlich teurer. Ich übertreibe jetzt etwas, aber diese einfachen Vorkommen, wo sie den Boden umgegraben haben und dann pro Tonne Gestein mehr als 10 Gramm Gold oder 100 Gramm Kupfer drin waren - das ist vorbei. Heute holen sie oftmals eine Tonne Gestein aus der Erde und kriegen dann ein Gramm Metall raus. Das ist die Realität. Dabei geht der Bedarf – vor allem nach Kupfer – perspektivisch sogar hoch.

Zudem herrschen hohe regulatorische beziehungsweise ökologische Anforderungen, dass nach dem Abbau alles wieder renaturiert wird, damit der Eingriff in die Umwelt möglichst gering gehalten wird. Das gab es früher nicht. Durch Effizienzsteigerungen kann man diesen Herausforderungen allerdings nur in geringem Maße begegnen.

 

Teilweise hat man auch gehört, dass bei Privatanlegern das Interesse an physischem Gold im vergangenen Jahr zurückgegangen ist und diese Käufe eher durch die Zentralbanken erfolgt sind. Oder wollten die Endkunden von den hohen Preisen profitieren und haben deshalb verkauft? Was ist Ihre Sichtweise?

Breintner: Schwer zu sagen. Da gibt es jetzt aus meiner Sicht auch nicht die besten Daten. Ich glaube, die Nachfrage der privaten Kunden in physischer, also in harter Form, war ungebrochen gut. Man sieht natürlich grundsätzlich, dass in manchen Bereichen einfach weniger Geld zum Investieren da ist. Zudem lief der Aktienmarkt gut, da hatten Investoren lieber dort investiert.

Können Sie sich vorstellen, dass irgendwann in Zukunft ein anderes Edelmetall mal Gold ablöst?

Breintner: Nein.

Auch nicht Lithium oder Silber?

Breintner: Mit Sicherheit nicht. Gold wird immer seinen Charakter als Wertaufbewahrungsmittel und als „Quasi-Versicherung gegen systemische Risiken“ haben. Es hat außerdem andere Eigenschaften als Silber. Silber ist eher ein Industriemetall. Gold hingegen hat keinen Industrie-Charakter, wenn man so will. Von der weltweiten Nachfrage gehen unter 10 Prozent in die Industrie. Metall-Fans und da insbesondere die Edelmetall-Fans, die wird es weiterhin geben. Ganz langfristig wird aus meiner Sicht der Wettbewerber eher im digitalen Bereich – also Kryptowährungen – sein. Vor allem, wenn der Generationenwechsel bei den Investoren kommt.

Obwohl Gold gerade wegen seiner Physis geschätzt wird? Was bei Bitcoin natürlich nicht möglich ist.

Breintner: Beides hat eine besondere Eigenschaft – es ist nicht beliebig replizierbar. Natürlich kann man über den Nutzen von beidem streiten. Perspektivisch könnten wir allerdings einen strukturellen Wandel bei der Investment-Gold-Nachfrage erleben. Wenn Sie zum Beispiel die Generation der 18- bis 25-Jährigen fragen würden – da würden alle sagen, sie kaufen lieber Bitcoin. Kryptowährungen sind bei der nächsten Generation der Investoren sicher ein ganz anderes Thema. Das darf man nicht außer Acht lassen und muss beobachtet werden.

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