Gold hat 2025 ein Ausnahmejahr erlebt. Mit einem Anstieg von 60 Prozent auf über 4.000 US-Dollar je Feinunze verzeichnete das Edelmetall die stärkste jährliche Performance seit 1979. Doch für Tom Holl, Managing Director und Portfoliomanager bei BlackRock Fundamental Equities, handelt es sich um keinen einmaligen Ausreißer: „Der außergewöhnliche Lauf von 2025 war kein einmaliger Effekt, sondern Ausdruck struktureller Kräfte, die den Goldpreis auch künftig stützen könnten.“

Staatsschulden-Rekorde treiben Nachfrage nach Gold

Im Zentrum der Goldnachfrage steht laut BlackRock die wachsende Skepsis gegenüber Fiatwährungen. „Gold ist vergleichbar mit einer inflationsgeschützten Nullkupon-Anleihe ohne Laufzeitende, die kein Emittentenrisiko aufweist“, charakterisiert Holl die besondere Stellung des Edelmetalls in unsicheren Zeiten.

Die globale Verschuldungssituation hat besorgniserregende Dimensionen erreicht. Die US-Staatsverschuldung überstieg Ende 2025 die Marke von 35 Billionen US-Dollar bei einem Haushaltsdefizit von 1,8 Billionen US-Dollar. Besonders alarmierend: Zinszahlungen machen mittlerweile 13 Prozent der gesamten US-Staatsausgaben aus – höher als der Schuldendienst in Kanada, Japan, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich. Regierungen sind daher gezwungen, die Leitzinsen niedrig zu halten, um die Kreditkosten zu begrenzen, was das Vertrauen in traditionelle sichere Häfen wie US-Staatsanleihen untergräbt.

Dabei zeigen die offiziellen Schuldenquoten nur einen Teil des Problems. Versteckte Verpflichtungen wie Rentenzahlungen, die in Großbritannien und Frankreich auf das Drei- bis Vierfache des BIP geschätzt werden, setzen Regierungen enormen zukünftigen Risiken aus. In vielen großen Volkswirtschaften hat die Verschuldung bereits 100 Prozent des BIP überschritten – darunter in den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Kanada.

Kraftlose US-Institutionen verstärken Flucht aus dem US-Dollar

Hinzu kommt eine schwindende Zuversicht in US-Institutionen. Mit der Trump-Administration, die traditionelle Stabilitätspfeiler der USA infrage stellt – von der Unabhängigkeit der US-Notenbank über globale Handelsbeziehungen bis zur geopolitischen Führungsrolle –, sinkt das Vertrauen in die Verlässlichkeit des Greenbacks und langfristiger US-Staatsanleihen, die historisch als Konkurrenten von Gold als sichere Anlage galten.

Anhaltende Inflation bei strukturell niedrigen Realzinsen trägt zur Erosion der Kaufkraft von Fiatwährungen bei. Regierungen haben angesichts ihrer rekordhohen Verschuldung einen Anreiz, die Kreditkosten niedrig zu halten, was dauerhaft negative Realrenditen wahrscheinlich macht. In diesem Umfeld wird Gold wieder verstärkt als Schutz vor Kaufkraftverlust und als stabiler Wertspeicher wahrgenommen.

Zudem verschärfen steigende Verteidigungsbudgets, alternde Bevölkerungen, KI-bedingte Arbeitslosigkeitsrisiken und eine wachsende Zahl wirtschaftlich inaktiver Menschen seit der Pandemie den Druck auf die Staatsausgaben. Weil Länder zunehmend auf protektionistische Maßnahmen wie Reshoring von Produktionsaktivitäten und Zölle setzen, erhöht sich der inflationäre Druck für Verbraucher und Unternehmen weiter.

Gold als Reservefavorit: Starke Käufe der Zentralbanken halten an

Zentralbanken spielen eine entscheidende Rolle als Goldnachfrager. Sie hielten Ende 2025 bereits 20 Prozent allen jemals geförderten Goldes und erhöhten ihre Reserven im Jahr 2025, um sich vom US-Dollar zu diversifizieren. Erstmals seit 1996 machte Gold einen größeren Anteil an den weltweiten Währungsreserven aus als US-Staatsanleihen.

95 Prozent
der Zentralbanken erwarten einen Anstieg der globalen Goldreserven im Jahr 2026

Im dritten Quartal 2025 kauften Zentralbanken 634 Tonnen Gold hinzu. Obwohl die Käufe unter dem Niveau der vergangenen drei Jahre lagen, blieben sie im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt stark. Eine Umfrage von 2025 ergab, dass 95 Prozent der Zentralbanken einen Anstieg der globalen Goldreserven im Jahr 2026 erwarten. Zum Vergleich: 2024 erwarteten 81 Prozent der Umfrageteilnehmer einen Anstieg und 52 Prozent im Jahr 2021. Da Volkswirtschaften wie China und Brasilien noch immer weniger als 10 Prozent ihrer Reserven in Gold halten, dürften Zentralbankkäufe ein wichtiger Stützungsfaktor bleiben.

Gold bleibt unterschätzt: Fundamentaldaten statt Spekulation treiben die Rally

Trotz der starken Performance 2025 sieht BlackRock Gold und Goldaktien noch nicht als überlaufenen Trade. Das Edelmetall kann als Absicherung gegen bislang unbekannte Unwägbarkeiten fungieren und bietet Diversifikation sowie Portfolioresilienz. Nichtsdestotrotz sind Investoren in Gold untergewichtet und übersehen oft das Potenzial von Goldminenaktien.

Die Nettoposition an der weltweit wichtigen Rohstoffbörse COMEX – ein Indikator für die Investorenpositionierung am Futures-Markt – sank sogar während der Goldrally. Das deutet darauf hin, dass der Goldpreisanstieg durch Fundamentaldaten getrieben wurde und nicht durch spekulative Investorenpositionierung – ein Zeichen dafür, dass Gold kein übermäßig überhitzter Trade ist.

Das Investoreninteresse an Gold nahm 2025 weiter zu, mit stetigen Zuflüssen in physisch besicherte Gold-ETFs. Die Bestände erreichten im November einen Rekord von 3.932 Tonnen, lagen damit allerdings nur 0,4 Prozent über dem Peak vom Oktober 2020. Auf Goldminenaktien ausgelegte Fondsstrategien, sowohl passive als auch aktive, verzeichneten hingegen konstante Abflüsse, wobei das dritte Quartal die Ausnahme bildete. Die kumulativen Zuflüsse in Goldaktien seit 2021 sind bislang weiterhin negativ gewesen, was zeigt, dass dieser Bereich der Aktienmärkte von den Anlegern übersehen bleibt.

Goldminenaktien: Solide Bilanzen und strategische Übernahmen als Wachstumstreiber

Die Goldrally prägte 2025 die Narrative, wobei Unternehmen mit der höchsten Sensitivität zum Goldpreis am meisten profitierten. Mit Blick auf 2026 wird der Erfolg von Goldminen laut BlackRock zunehmend von der Entwicklung der jeweiligen Unternehmen abhängen – über den Goldpreis hinaus.

Gold-Mining-Unternehmen legten 2025 um beeindruckende 164 Prozent zu, gemessen am FTSE Gold Mines Index. Dies wurde durch die Goldrally, nur moderat steigende Produktionskosten und eine fortgesetzte aktionärsfreundliche Unternehmenspolitik gestützt. Die Margen der Produzenten erreichten 2025 Rekordhöhen, getrieben durch die stark gestiegenen Goldpreise.

2026 wird die Rendite von Goldminen laut BlackRock zunehmend Kapitaldisziplin widerspiegeln. Die Unternehmen geben weniger aus als bei früheren Goldpreis-Peaks, besonders im Vergleich zu 2011-2013. Die Hinwendung zu finanzieller Umsicht bedeutet, dass Unternehmen nur in tatsächlich sichere, einträgliche Projekte investieren. Angesichts knapper ergiebiger Goldvorkommen und einer begrenzten Explorationspipeline rechnet BlackRock mit einer lebhaften M&A-Aktivität: Die Unternehmen bevorzugen es, Konkurrenten zu übernehmen, statt kostspielig und zeitaufwendig neue Minen zu entwickeln.

Goldminen werden weiterhin zu Bewertungsmultiplikatoren gehandelt, die deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegen. Dank starker Bilanzen und disziplinierter Kapitalverwendung hält BlackRock ihre aktuellen Bewertungen für solide und sieht Aufwärtspotenzial – vorausgesetzt, die Unternehmen geben die Vorteile hoher Goldpreise weiterhin an ihre Aktionäre weiter und der breitere Markt erkennt die Chancen der Unternehmen.

Fazit: Strukturelle Unterstützung bleibt intakt

Für Gold könnte 2026 ein weiteres vielversprechendes Kapitel beginnen. Eine anhaltende Investorennachfrage, getrieben durch anhaltende makroökonomische Unsicherheit und die strukturelle Entwertung von Fiatwährungen, wird sich voraussichtlich 2026 fortsetzen. Goldaktien haben von der Goldpreisrally profitiert, bleiben aber unterbewertet und werden von vielen Aktienmarktteilnehmern oft übersehen.

Die dauerhaft unhaltbaren Niveaus staatlicher Verschuldung sollten langfristig weiterhin die Rotation in Gold antreiben. Trotz der starken Performance 2025 sind Investorenallokationen in Gold und Goldminenaktien noch vergleichsweise moderat. Für 2026 erwarten die BlackRock-Experten, dass eine umsichtige Unternehmenspolitik jeweils weiteres Aufwertungspotenzial erschließen dürfte – was einen aktiven Investment-Ansatz auf der Grundlage fundamentaler Kennzahlen noch entscheidender macht.

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