Sowohl in den USA als auch in Europa hat die Inflation im März spürbar zugelegt. Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist davon auszugehen, dass die deutlich gestiegenen Öl- und Gaspreise auch in den Folgemonaten die Teuerungsraten nach oben treiben werden.

Selbst wenn sich die USA und der Iran zeitnah auf eine freie Durchfahrt der Straße von Hormus einigen sollten, würde es noch Wochen dauern, bis die ersten Tanker Europa und Asien erreichen. Aufgrund der stark gestiegenen Preise für Bunkeröl musste Carnival, die weltweit größte Kreuzschifffahrtsreederei, bereits eine Gewinnwarnung bekannt geben. Kerosin droht sogar knapp zu werden. Erste Fluglinien wie die Deutsche Lufthansa haben bereits einige Maschinen aus dem Verkehr gezogen.

Es herrscht Konsens darüber, dass eine höhere Inflation den Goldpreis unterstützt. Diese Argumentation hat jedoch einen Haken. Mit einer höheren Inflation geht nämlich in der Regel auch ein höheres Zinsniveau einher. Zinsen sind schließlich der Preis für geliehenes Geld. Immerhin werfen zehnjährige Bundesanleihen inzwischen wieder rund 3 Prozent Zinsen ab. Entsprechende Staatsanleihen aus den USA rentieren sogar mit deutlich mehr als 4 Prozent.

Damit stellen sie eine attraktive Alternative zu Gold dar. Höhere Zinsen gelten bekannterweise als schlecht für Gold, da es selbst keine Erträge abwirft. Insofern sprechen zwei Seiten einer Medaille für und gegen Gold. Allerdings ist festzustellen, dass die negative Korrelation zwischen Zinsen und Goldpreis schon seit Jahren nicht mehr wirklich existiert.

Notenbanken mit dickem Fragezeichen

Auch bei den Notenbanken zeichnet sich ein unklares Bild ab. Jahrelang haben die Notenbanken aus den Schwellenländern – allen voran die People’s Bank of China – Gold gekauft und damit den Preis nach oben getrieben. Jetzt hat die türkische Zentralbank zwischen dem 27. Februar und dem 27. März 52 Tonnen auf den Markt geworfen. Das waren immerhin mehr als 10 Prozent ihrer Reserven. Damit wollte die Notenbank die türkische Lira stützen. Der Goldpreis sank im März um 11,5 Prozent. Dies stellte den größten Monatsverlust seit 18 Jahren dar.

Zur Erinnerung: Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat am 28. Februar begonnen. Es ist nicht das erste Mal, dass Gold seinem Ruf als Versicherung gegen geopolitische Krisen nicht gerecht wird.

Nun berichtet die Moscow Times, dass auch die russische Notenbank einen Teil ihrer Goldreserven veräußert habe, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Angeblich hat sie sich von 700.000 Unzen getrennt, was in etwa einem Prozent ihrer Bestände entspricht. Eigentlich müssten die Russen Gold kaufen, um möglichst unabhängig vom Dollar zu sein.

Es ist interessant, das Verhalten der Notenbanken aus dem Nahen Osten zu beobachten. Eigentlich ist der Goldanteil an ihren Devisenreserven zu gering. Gleichzeitig dürften jedoch auch die Golfstaaten Probleme bei der Finanzierung ihrer Haushalte bekommen. Denn einerseits sind ihnen die Einnahmen aus Öl und Gas weggebrochen. Wann diese wieder fließen, ist noch nicht absehbar, da noch nicht genau bekannt ist, wie stark Förderfelder und Verarbeitungsanlagen beschädigt wurden und wie lange die Reparaturen dauern werden. Andererseits ist absehbar, dass die vom Iran angegriffenen Länder künftig mehr Geld für ihr Militär bereitstellen werden.

Rebalancing macht Sinn

Trotz des Abverkaufs im März notiert Gold seit Jahresanfang noch immer rund 7 Prozent im Plus. Auf Sicht von drei Jahren hat sich der Preis um circa 135 Prozent verteuert. In vielen Portfolios dürfte der Anteil des Edelmetalls dadurch spürbar gestiegen sein. Damit haben jedoch auch die Risiken zugenommen. Denn die Volatilität ist bei Gold stark gestiegen.

Das Edelmetall kann nicht mehr uneingeschränkt als stabiler Wertspeicher in Krisenzeiten bezeichnet werden. Dafür sind mittlerweile zu viele kurzfristig und spekulativ agierende Anleger investiert. Das zeigen die schnellen Mittelzu- und abflüsse amerikanischer Gold-ETFs.

Die Ausführungen sollen keinesfalls als Plädoyer gegen das Edelmetall verstanden werden. Wenn der Goldanteil im Depot jedoch mehr als 7,5 Prozent beträgt, bieten sich Gewinnmitnahmen an, um eine ausgewogene Diversifikation der verschiedenen Vermögensklassen wiederherzustellen. Dasselbe gilt übrigens auch für Aktien aus den Bereichen Öl und Gas, Versorger, erneuerbare Energien sowie Technologie.

Zur Person

Thomas Buckard
Thomas Buckard

Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied der MPF. Als Vorstandssprecher ist er für die Kundenakquisition und -betreuung sowie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die MPF AG gehört mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 2 Milliarden Euro zu den größten unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland.