Claus Walter

Claus Walter

Gold: Nicht verunsichern lassen

An Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten haben wir uns schon fast gewöhnt. So war es in den ersten Wochen des Jahres überraschend zu beobachten, wie die Finanzkrise phasenweise ihren Schrecken zu verlieren schien. Wir hatten Sie aber schon zu Jahresbeginn darauf aufmerksam gemacht, dass ruhige Phasen wahrscheinlich trügerische Phasen sind und das Wechselspiel zwischen Hoffnung und Angst sich fortsetzen wird.

Den Auftakt machte Mitte März zunächst das Sorgenkind Zypern, für das das nächste Rettungspaket geschnürt werden musste. Für eine unerwartete Hiobsbotschaft sorgte am 12. April aber ausgerechnet der Goldpreis.

Mit einem Rückgang von rund 1.600 auf 1.320 US-Dollar (minus 17 Prozent) in der Spitze innerhalb von zwei Handelstagen erlebte das Krisenmetall einen drastischen Einbruch. Analysten und verschiedene Kommentatoren in den Medien nahmen dies gleich zum Anlass, den Abgesang auf Gold einzuläuten. In diesen Gesang wollen wir aber nicht einstimmen. Wir wollen vielmehr Licht ins Dunkel bringen und Ihnen die Hintergründe des Preisrückgangs erläutern.

Argumente für den Preisrückgang überzeugen langfristig nicht

Auch uns war nicht entgangen, dass der Goldpreis schon seit längerer Zeit in einer Seitwärtsspanne von 1.550 bis 1.800 US-Dollar verharrte. Wir hatten deshalb den Goldanteil in unserer Portfolio-Zusammenstellung zuletzt moderat reduziert. Im Vermögensverwaltungsfonds FVM-Classic UI betrug er per Ende März 7,6 Prozent. Dennoch ist klar, dass ein so starker Rückgang einer Anlageklasse kurzfristig seine Spuren in der Wertentwicklung des gesamten Portfolios hinterlassen muss.

Diesen Rückgang nehmen wir jedoch hin, weil wir davon überzeugt sind, dass Gold in einer von vielen Unsicherheiten geprägten Welt ein wichtiges stabilisierendes Element in einer klassischen, ausgewogenen Anlagestrategie bleiben wird – quasi eine Versicherung für den Ernstfall. Denn die Argumente, mit denen Kritiker der Goldanlage den Preisverfall erklären, sind unserer Meinung nach kurzfristiger Natur.

Da es keine Inflation gibt, sei Gold als Schutz vor Inflation unnötig, lautet das wichtigste Argument. Richtig ist, derzeit gibt es keine Inflation. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Da, anders als zu Jahresbeginn erhofft, ein breiter Konjunkturaufschwung auf sich warten lässt, werden die Notenbanken weiter bei ihrer Politik des billigen Geldes bleiben.

Diese Flutung der Märkte mit Liquidität ist jedoch zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich die Volkswirtschaften in den USA und Europa erholen, der Nährstoff für Inflation. Für die hoch verschuldeten Volkswirtschaften wäre dies ein äußerst eleganter Weg aus der Schuldenfalle.
April 2013

Als weiteres Argument für den Preisrückgang wird auf Meldungen verwiesen, dass Zypern einen Teil seiner Goldreserven verkaufen soll, um Finanzierungsdefizite zu schließen. Rasch wurden die „Befürchtungen durchgespielt“, dass auch Italien und Spanien bei einer Zuspitzung ihrer Schuldensituation gleichfalls Goldbestände auf den Markt werfen müssen. Würde ein solcher Notverkauf der staatlichen Goldreserven nicht eher das Vertrauen in die Stabilität und Existenz unserer Papierwährung gefährden?

Schließlich musste auch das Argument herhalten, dass die US-Notenbank aufgrund der verbesserten Konjunktur die Geldzügel anlegen will. Über diese Erklärung können wir nur lächeln: Die US-Wirtschaft hat zwar das Gröbste hinter sich, ein nachhaltiger Aufschwung ist aber nicht in Sicht. Die Konjunktur kann weiterhin mit Liquiditätsspritzen rechnen!

Preisdruck über die Terminbörse

Trotzdem reichten diese Argumente oder Ängste am Freitag, 12. April, um eine erste Verkaufswelle auszulösen. Es waren jedoch nicht physische Verkäufe, sondern große Verkaufsorders an der New Yorker US-Terminbörse Comex, die den Goldpreis nach unten drückten.

Die in den Medien geäußerte Vermutung, dass hier einige Großbanken im Spiel waren, ist plausibel. Denn in den vergangenen Wochen hatten mehrere Banken, darunter auch Goldman Sachs, Verkaufsempfehlungen für Gold ausgesprochen. Und da bieten sich gerade Verkäufe über die Comex an, weil schon mit wenig Kapital ein erheblicher Druck auf den Goldpreis ausgeübt werden kann.

Insgesamt 368.000 Termin-Kontrakte wurden an diesem Tag gehandelt, das entspricht rechnerisch einer Menge von 1.140 Tonnen Gold und übersteigt damit die gesamten Goldreserven von Staaten wie China oder Russland. Die zweite Verkaufswelle am Montag darauf hatte dann überwiegend technische Gründe. Denn mit dem Fall des Goldpreises unter die Marke von 1.550 US-Dollar lösten platzierte Stoppkurse einen weiteren Rückgang bis auf 1.323 US-Dollar je Feinunze aus.

In der Zwischenzeit hat sich der Goldpreis etwas erholt und liegt aktuell bei rund 1.440 US-Dollar (Stand 25.04.2013). Ob damit der Preisrückgang gestoppt ist, lässt sich aber nicht sagen. Weitere Panikverkäufe lassen sich in solchen Phasen nicht ausschließen.

Zypernpaket: Psychologischer Flurschaden

Ein solcher Ausverkauf wäre sogar ein Anlass, über einen vorsichtigen Zukauf nachzudenken. Denn trotz der Unsicherheit über die weitere Entwicklung, hat Gold weiterhin die wertvolle Eigenschaft einer ultimativen Versicherung gegen die Risiken in unserem Währungssystem. Bankeinlagen sind spätestens nach der „kreativen Lösung“ in Zypern jedenfalls kein Rettungsanker. Denn mit dem Rettungspaket für die kleine Mittelmeerinsel wurde weniger ein wirtschaftlicher Schaden angerichtet, als vielmehr ein psychologischer Flurschaden.

Anleger wissen jetzt, dass Spareinlagen von mehr als 100.000 Euro bei Banken nicht mehr sicher sind. Und die EU-Finanzminister haben auch noch die amtliche Bestätigung geliefert: Zukünftig sollen Einlagen von mehr als 100.000 Euro bei Schieflagen von Banken zur Finanzierung von Rettungspaketen herangezogen werden – ein verheerendes Signal für Anleger.

Wir glauben daher, dass eine klassische, ausgewogene Anlagestrategie mit Substanzwerten wie Aktien, aber auch weiterhin Gold sowie ein sorgfältig diversifiziertes Portfolio aus Anleihen und festverzinslichen Wertpapieren in diesen Zeiten die beste Gewähr für den Erhalt des Vermögens in seiner Substanz bietet – auch wenn kurzfristig eine hohe Volatilität bei einzelnen Säulen in Kauf genommen werden muss.

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