Die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein verdächtigt den Goldhändler TGI, ein Schneeballsystem betrieben zu haben. Neben Firmenchef Helmut Kaltenegger geraten fünf weitere Personen ins Visier. Das geht aus dem Durchsuchungsbeschluss des Fürstlichen Landgerichts hervor, mit dem die Behörden im Juni die Vaduzer Büros durchsuchten.
Vor der Razzia werteten die Fahnder die Zahlungsströme des Unternehmens aus und stießen dabei auf zahlreiche Ungereimtheiten. Ihr Verdacht stützt sich vor allem auf ein Missverhältnis: Zwischen Januar 2024 und Januar 2025 gingen auf einem Treuhänderkonto rund 31,3 Millionen Euro ein, mutmaßlich von Anlegern. An Gold Crest Trading, eine Handelsgesellschaft für Edelmetalle, flossen davon nur 3 Millionen Euro, und diese sitzt in Wien, nicht in Afrika. Gut 18,3 Millionen Euro wanderten stattdessen zurück an Investoren. Genau das werten die Ermittler als typisches Muster eines Schneeballsystems, bei dem vermeintliche Gewinne früherer Kunden aus den Einzahlungen neuer Kunden stammen statt aus echten Erträgen.
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Auffällig ist auch ein drittes Konto: Anfang 2026 lagen darauf rund 20 Millionen Euro, allein im Januar zählten die Fahnder fast 12.000 Transaktionen. Keine davon ging an die angeblichen Partnerfirmen in Afrika. Rund 5,9 Millionen Euro sollen an eine Personengruppe im Umfeld der TGI geflossen sein, darunter das Ehepaar Kaltenegger, das die Firma als Aktionäre kontrolliert.
Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück. Auf Anfrage vom „Handelsblatt“ ließ TGI über seinen Wiener Anwalt Robert Weik erklären, es habe Auszahlungen und Rabatte nicht aus dem Geld neuer Kunden finanziert und werde die Zahlungsflüsse „lückenlos und transparent“ darlegen. Kaltenegger selbst spricht von einem Missverständnis und verweist auf ein Gutachten von Grant Thornton, das über zwei Tonnen Gold-Vorprodukte bei einem Partner in Sierra Leone bestätigt habe. Die Ermittler zweifeln daran, weil sich die Barren keinem einzelnen Kunden zuordnen ließen.
Der Goldhändler war mit extremen Rabatten auf Gold bekannt geworden. Kunden zahlten in Vorkasse, warteten bis zu drei Jahre auf die Lieferung und sollten monatlich 2 Prozent gutgeschrieben bekommen. Je nach Modell stellte das Unternehmen Gewinne von bis zu 144 Prozent in Aussicht. Die hohen Renditen begründete Kaltenegger mit dem Goldabbau seiner Partner in Ghana und Sierra Leone. Die Bafin untersagte im April zentrale Modelle, die Liechtensteiner Finanzaufsicht FMA stoppte Ende Mai das öffentliche Angebot dreier Produkte wegen unerlaubter Einlagengeschäfte. TGI will dagegen Rechtsmittel einlegen.