Nachdem die Bafin dem Liechtensteiner Goldhändler TGI bereits im April zwei seiner Kernprodukte verboten hatte, zieht nun auch die heimische Finanzmarktaufsicht die Reißleine. Die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) ordnete am 28. Mai die sofortige Einstellung der Produkte „Customer Basic 2 Prozent“, „Sales Premium“ und „Sofortrabatt“ an, weil TGI damit nach Ansicht der Behörde ein Einlagengeschäft ohne die erforderliche Zulassung betreibe. Darüber hatte zuerst das „Handelsblatt“ berichtet.
Wohl über 50.000 Kunden betroffen
Das Geschäftsmodell des österreichischen Unternehmers Helmut Kaltenegger hatte in den vergangenen Monaten für erhebliches Aufsehen gesorgt. Kunden, die bis zu drei Jahre auf die Lieferung ihrer Goldbarren warteten, wurden mit Rabatten von bis zu 70 Prozent gelockt. Beworben wurde das Modell über soziale Medien, ein Netzwerk aus Tippgebern sowie mit Prominenten wie dem deutschen Comedian Oliver Pocher. Laut TGI-Webseite sollen bislang mehr als 50.000 Kunden gewonnen und bereits 80 Millionen Euro an Rabatten gewährt worden sein.
Für diese Kunden wird die Situation nun ernst. Die FMA hat das Unternehmen verpflichtet, das eingezahlte Geld binnen vier Monaten zurückzuerstatten. Kaltenegger muss nun unter Beweis stellen, was er seit Monaten behauptet: dass das Kundengold tatsächlich vollständig und sicher hinterlegt ist. Ein Wirtschaftsprüfer hatte zwar die Existenz von rund 2,18 Tonnen Gold bei einem Partner in Sierra Leone bestätigt, allerdings nur auf Basis der Unternehmensangaben und ohne eigene inhaltliche Prüfung.
TGI selbst wies die Vorwürfe der FMA auf ihrer Webseite umgehend zurück. Aus Sicht des Unternehmens handele es sich um reguläre Kaufverträge über physisches Feingold und nicht um ein Einlagengeschäft. Lediglich drei der vier angebotenen Produkte seien von der Verfügung betroffen, das vierte werde weiterhin angeboten. Die Anordnung ist zwar sofort vollziehbar, jedoch noch nicht rechtskräftig, sodass TGI sie gerichtlich anfechten kann. Gegenüber Kunden kündigte das Unternehmen an, zeitnah konkrete Optionen vorzulegen, um finanzielle Nachteile nach Möglichkeit zu vermeiden.

