Wie sicher sind Goldinvestments? Bild: Heraeus

Wie sicher sind Goldinvestments? Bild: Heraeus

Goldinvestments entzaubert

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Gold ist seit Jahrtausenden der Inbegriff des Reichtums. An den Kapitalmärkten der Gegenwart hat sich das glänzende Metall den Ruf als „sicherer Hafen“ in stürmischen Börsenzeiten erworben. Investoren kaufen es insbesondere als Instrument zum Inflationsschutz und als Absicherung gegen fallende Märkte.

Das galt und gilt auch in der aktuellen Krise. Vor der Preiskorrektur um knapp 30 % in den ersten sechs Monaten 2013 hatte sich der Goldpreis über zwölf Jahre hinweg stetig verteuert, während die Börsen einen Schlag nach dem anderen verkraften mussten und die expansive Geldpolitik der Notenbanken die Inflationsängste der Anleger schürte.

Doch wird Gold seinem Ruf gerecht? Sichert es das Vermögen tatsächlich bei Inflation und in fallenden Märkten? Diese Fragen werden wir im Folgenden analysieren und im Anschluss daran eine Prognose für die weitere Preisentwicklung wagen.

Bietet Gold Schutz vor Inflation?

Bei der Untersuchung konzentrieren wir uns auf den Zeitraum ab 1975. Zuvor gab es zu große Beschränkungen der freien Marktpreisbildung von Gold. So wurden privater Handel und Besitz des Edelmetalls in den USA erst Ende 1974 wieder legalisiert – drei Jahre nachdem US-Präsident Richard Nixon die Aufhebung der Goldpreisbindung des US-Dollar verkündet und damit das Ende des Gold-Devisen-Standard- Systems Bretton Woods eingeläutet hatte.

Betrachtet man die Entwicklung von Inflation und Goldpreis von 1975 bis 2013, zeigt sich statistisch kein klarer Zusammenhang. Das gilt zumindest, was Inflationsniveaus bis 7 % angeht. Wie in der oberen Abbildung zu sehen ist, besteht in diesem Bereich bestenfalls ein marginal positiver Einfluss auf den Goldpreis. In Jahren mit extrem hohen Inflationsraten stieg der Goldpreis allerdings häufig stark an. So konnten Investoren zwischen 1977 und 1982 deutlich positive Renditen mit dem Edelmetall erzielen.
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Abgesehen von diesen Extremen belegen die Ergebnisse jedoch, dass Gold selbst in langen Phasen erhöhter Inflation keinen verlässlichen Schutz bietet. Ein etwas deutlicherer Zusammenhang zeigt sich zwischen Goldpreis und Realzins, also der inflationsbereinigten Verzinsung von Sparvermögen.

Während positive Realzinsen im Beobachtungszeitraum kaum Einfluss auf den Marktwert des Edelmetalls hatten, gingen negative Realzinsen nahezu ausschließlich mit positiven Goldpreisentwicklungen einher (siehe untere Abbildung). Interessanterweise traten negative Realzinsen sowohl zwischen 1975 und 1980 als auch zwischen 2002 und 2013 auf. Von 1975 bis 1980 waren sie die Folge hoher Inflationsraten. Dagegen führte 2002 bis 2013 eine geringe Inflation bei noch geringeren Zinsen zu negativen Realzinsen.
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Eine mögliche Erklärung für den Anstieg des Goldpreises in jenen Zeiten ist, dass die Opportunitätskosten für Goldinvestments bei sinkenden Realzinsen abnehmen. Somit steigt in diesen Phasen die relative Attraktivität des Edelmetalls.

Ist Gold ein sicherer Hafen?


Neben dem Inflationsschutz gilt Gold auch als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten. In einem solchen sicheren Hafen ist das Geld der Investoren beispielsweise in Zeiten stark fallender Aktienmärkte geschützt – so die Theorie. Gold scheint diese Erwartung jedoch nicht zu erfüllen.

Wie untenstehende Abbildung illustriert, gibt es keinen klaren Zusammenhang zwischen negativen Börsenphasen und dem Goldpreis. Zudem entwickelt sich Gold nicht im Gleichklang mit „Safe Haven“-Anlagen wie US-amerikanischen und deutschen Staatsanleihen – im Gegenteil: US-amerikanische und deutsche Staatsanleihen weisen mit –0,21 und –0,2 sogar eine leicht negative Korrelation zu Gold auf.
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Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Gold bislang kaum als Absicherung gegen eine durchschnittliche Inflationsentwicklung oder als sicherer Hafen in Krisenzeiten geeignet hat. Lediglich bei sehr hoher Inflation und in Phasen mit negativen Realzinsen bot das Edelmetall interessante Renditepotenziale.

Ausblick: verliert Gold an Glanz?


Doch was bedeutet dies für die Zukunft von Goldinvestments? Für die künftige Marktentwicklung ist vor allem die Nachfrageseite relevant. Anders als bei den meisten Rohstoffen richtet sich die Nachfrage bei Gold nicht hauptsächlich nach dem erwarteten Verbrauch. Der Anteil der Nachfrage aus Elektronik, Industrie und Medizin beschränkt sich auf gut zehn Prozent der jährlichen Produktion.

Eine größere Rolle spielt der Bedarf nach Schmuck. Die wichtigsten Märkte in diesem Bereich sind Indien und China. Im Reich der Mitte haben der wachsende Wohlstand und die schrittweise Liberalisierung des Goldmarktes in den vergangenen zehn Jahren die Nachfrage deutlich steigen lassen. Der zunehmende Wohlstand sollte hier weiterhin zu einem steigenden Interesse führen.

Die indische Schmucknachfrage steht hingegen unter Druck. Hohe Goldimporte haben in den letzten Jahren zu einer Ausweitung des indischen Leistungsbilanzdefizits geführt. Um die Nachfrage zu bremsen, erhöhte Indien wiederholt die Importzölle auf zuletzt acht Prozent im Juni 2013. Gleichzeitig notiert die indische Rupie auf einem Allzeittief gegenüber dem US-Dollar. In Rupien ist der in US-Dollar notierende Goldpreis dadurch weniger stark gefallen als in anderen Währungen.

In der Summe führt dies zu einem wenig positiven Ausblick für die indische Goldschmucknachfrage. Wir gehen davon aus, dass die schwache indische Nachfrage die Wirkung einer eventuell steigenden chinesischen Nachfrage aufhebt. Insgesamt erwarten wir daher durch die asiatische Schmucknachfrage keine positiven Impulse für den Goldpreis.

Doch noch wichtiger als diese Entwicklungen ist voraussichtlich die Investmentnachfrage. Sie war ausschlaggebend für das Nachfragewachstum der vergangenen Jahre, etwa durch Anlagen in physisches Gold oder durch den Kauf von Finanzprodukten auf Gold. Wie bereits beschrieben, scheint das Investoreninteresse insbesondere bei negativen Realzinsen zu erwachen. Das Ende negativer Realzinsen führte hingegen bereits Anfang der 1980er Jahre zu einer deutlichen Korrektur des Goldpreises.

Diese Entwicklung scheint sich zu wiederholen: Nachdem die US-Notenbank signalisiert hatte, dass das Ende der extrem expansiven US-Geldpolitik mit einer weiteren Verbesserung der US-Wirtschaft wahrscheinlicher wird, fiel der Goldpreis. Wir erwarten langfristig steigende Renditen von US-Staatsanleihen bei weiterhin moderaten Inflationserwartungen.

Insofern sind höhere Realzinsen und damit zunehmende Opportunitätskosten für Goldinvestments zu erwarten. Die Anleger haben bereits reagiert: Die zuletzt negative Preisentwicklung von Gold wurde maßgeblich durch Abflüsse aus Finanzprodukten bestimmt.

Alleine das Volumen physisch hinterlegter Finanzprodukte auf Gold hat sich seit Jahresanfang um gut 80 Milliarden US-Dollar reduziert. Angesichts der heftigen Abflüsse erwarten wir zwar nicht, dass sich der Preisverfall im bisherigen Tempo fortsetzt. Mittelfristig dürften Investoren ihre Goldbestände aber weiter reduzieren. Vor diesem Hintergrund empfehlen wir nach wie vor den Abbau spekulativer Goldpositionen.

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