Andrew Wilson

Andrew Wilson

Goldman Sachs Asset Management: „Kursverluste durch einen Zinsanstieg sind vermeidbar“


DAS INVESTMENT: Mr. Wilson, welche aktuellen Trends an den internationalen Rentenmärkten beobachten Sie derzeit?


Andrew Wilson: Wir verspüren einen gewissen „Home Bias“, da die US-Wirtschaft die Erholung der Weltkonjunktur anführt. Daneben finden wir Gelegenheiten in Europa. Deutsche Staatsanleihen gefallen uns. Auch in Frankreich, Italien und Slowenien halten wir Long-Positionen. Den spanischen Rentenmarkt sehen wir allerdings skeptisch.

Wie beurteilen Sie das geldpolitische Umfeld?

Wilson:
Die USA werden weiterhin großzügig mit Liquidität versorgt. Dafür sorgen die Verzögerungen beim „Tapering“ und die geplante Berufung von Janet Yellen zur Notenbankchefin. Höher rentierliche Anlagen sollten von diesem Umfeld profitieren, die Volatilität sinken. Dennoch erwarten wir, dass die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe im Auftaktquartal 2014 erstmalig reduziert.

Vor einigen Wochen hatten Sie Euro-Anlagen deutlich übergewichtet und waren Short im US-Dollar. Was hat sich seither bewegt?

Wilson:
US-Dollar-Anlagen haben wir gegenüber Währungen aus den G-10-Staaten und gegenüber ausgewählten Schwellenländern weiterhin untergewichtet. Unser starkes Euro-Exposure brachte Ertrag, wurde jetzt allerdings reduziert. Die Europäische Zentralbank sorgt sich offenkundig darum, dass der starke Euro die Konjunktur abkühlt. Der EZB-Leitzinssenkung im November könnten weitere Maßnahmen folgen.

Im US-Markt haben Sie die Duration leicht in den negativen Bereich hineingefahren. Warum?

Wilson:
Wir haben diese Haltung nach der jüngsten Rallye bei amerikanischen Treasuries eingenommen. Deren Renditen hatten sich aufgrund der Kursanstiege im 10-Jahres-Bereich wieder auf 2,5 bis 2,6 Prozent ermäßigt – ein Niveau, das uns vorsichtig werden ließ. Denn die amerikanischen Konjunkturdaten waren gut. Nach unserem Basisszenario wird das US-Wachstum in den ersten Monaten 2014 anziehen. Eine leicht negative Duration kann uns vor Renditeanstiegen schützen.

Ihr Anspruch ist es, durch flexibles Agieren in jeder Marktphase positive Erträge zu erwirtschaften. Können Sie an einem Beispiel schildern, wie Sie dies umsetzen?

Wilson: Wir haben im vergangenen Sommer unter anderem einen Bestand an Anleihen städtischer Gebietskörperschaften aufgebaut. Dieses Segment war nach der Ankündigung des Tapering durch die Fed im Mai 2013 noch stärker in die Knie gegangen als der Markt für Treasuries. Wir hielten diesen Sell-off angesichts starker Fundamentaldaten und positiver Markttechnik für übertrieben und stiegen ein.

US-Hypothekenanleihen sind in Ihrem Portfolio stark vertreten. Woher rührt der Optimismus für dieses Segment?

Wilson: Nach unserer Überzeugung wird sich der amerikanische Häusermarkt nachhaltig stabilisieren. Der Case-Shiller-Hauspreisindex liefert weiterhin starke Daten und wir sehen den US-Häusermarkt in einem frühen Stadium der Erholung.

Schwellenländer-Bonds sehen Sie ebenfalls im Aufwind?

Wilson:
Ja, wir haben unser Engagement in den Emerging Markets im Sommer ausgebaut. Einige Schwellenländer bieten nach dem Rückschlag des vergangenen Frühjahrs viel Value. Allerdings sollte man selektiv vorgehen. Manche Staaten überzeugen durch starkes Wachstum, eine niedrige Verschuldung und Ausgabendisziplin. Andere schleppen hohe Leistungsbilanzdefizite mit sich herum und haben sich stark im Ausland verschuldet.

Wie hat sich das Goldman Sachs Global Strategic Income Bond Portfolio in diesem Marktumfeld entwickelt?

Wilson: Wir streben kontinuierlich positive rentenmarktähnliche Renditen an, die unter rentenmarktähnlichen Schwankungen erzielt werden sollen. Seit seiner Auflegung Ende März 2011 kam das Goldman Sachs Global Strategic Income Bond Portfolio* auf eine Volatilität von 3,9 Prozent und erzielte eine annualisierte Rendite von 5,9 Prozent.

*bezogen auf die Fondstranche „I-Acc. Shares“ (ISIN: LU0600008329)

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