Goldman Sachs Asset Management: Strategien für eine geldpolitische Wende

Mit dem künftigen Kurs der Fed verbinden die Investoren das Schicksal ihrer Renteninvestments. Denn es scheint ausgemacht, dass die Renditen steigen und die Kurse spiegelbildlich fallen werden, sobald die amerikanischen Währungshüter ihre monatlichen Anleihekäufe tatsächlich einschränken.

Janet Yellen gilt zwar als geldpolitische Taube. Nach Einschätzung von Goldman Sachs Asset Management könnte das Tapering dennoch im ersten Quartal 2014 beginnen. „Die Konjunkturdaten waren gut und nach unserem Basisszenario wird das US-Wachstum in den ersten Monaten 2014 anziehen“, erläutert Andrew Wilson (Interview).

Nach Ansicht des CEO von Goldman Sachs Asset Management in Europa haben sich die Wachstumsperspektiven auch insgesamt aufgehellt: „Die weltweite Erholung befindet sich noch in einem frühen Stadium. Die Eurozone hat das Rezessionstal verlassen und in China beschleunigt sich die Konjunktur wieder“, so der Rentenstratege.

Tapering muss kein Drama werden

Stabilisiert sich der Aufschwung, sollte die Realwirtschaft den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verkraften. Damit verbundene Zinsaufschläge müssen sich nicht zum Drama entwickeln, in dem der Anleger schlussendlich als tragischer Held endet. Denn das Zinsänderungsrisiko lässt sich durchaus begrenzen. Goldman Sachs setzt dazu auf eine flexible Steuerung der Duration. Im Goldman Sachs Global Strategic Income Bond Portfolio (ISIN: LU0609002307) geschieht dies über Zinsswaps und Futures.

Die Duration, die in Jahren gemessen wird, darf im Gesamtdepot zwischen einem Wert von minus zwei und plus vier schwanken (Hintergrundinformation: Die Bedeutung der Duration). Rechnen die Bondmanager mit steigenden Renditen, begrenzen sie die Sensitivität ihrer Anleihen auf Zinsänderungen. Oder sie setzen sogar auf eine Aufwärtsbewegung beim Renditeniveau. Dabei wird das Gesamtportfolio jedoch nicht über einen Kamm geschert, sondern von Segment zu Segment unterschieden.

So standen die Experten beispielsweise vielen europäischen Anleihemärkten und auch dem Euro selbst 2013 lange Zeit positiv gegenüber. Die jüngste Leitzinsreduzierung durch die Europäische Zentralbank stimmte die Manager jedoch nachdenklich. „Anscheinend sorgt sich die EZB um den starken Euro. Der Zinssenkung im November könnten weitere Maßnahmen folgen“, schlussfolgert Wilson.

Die aktuelle Strategie

Stichwort Euro, US-Dollar und Co. – um in jeder Marktphase positive Renditen zu erzielen, stehen den Managern von Goldman Sachs Asset Management noch weitere Stellschrauben zur Verfügung. Hierzu zählt insbesondere das Währungsmanagement. In dessen Rahmen ergründet ein zehnköpfiges spezialisiertes Strategieteam lukrative Trends an den Devisenmärkten. „In einem ersten Schritt erstellen diese Mitarbeiter ein Ranking für die unterschiedlichen Währungen“, erläutert Wilson den Investmentprozess. „Dem folgt die Entwicklung von Investmentideen, wobei wir sowohl die Industriestaaten als auch die Schwellenländer einbeziehen.“

Die Emerging Markets mussten in den vergangenen Monaten erhebliche Mittelabflüsse verkraften. Viele Währungen gingen in die Knie, die Anleihekurse sanken. Nach dieser Bereinigung hält Goldman Sachs Asset Management aber ausgewählte Bonds aus den Wachstumsregionen wieder für attraktiv. Das Investmenthaus favorisiert hierbei allerdings Schwellenländer, die sich durch Ausgabendisziplin und hohes Expansionstempo auszeichnen. Außerdem sollten sich diese Staaten nur maßvoll im Ausland verschuldet haben.

Den US-Rentenfondsmanagern steht es grundsätzlich frei, wo und wie sie investieren. An einer Benchmark müssen sie sich nicht orientieren. Diese Freiheit nutzen sie, indem sie global agieren, kurzfristige taktische und langfristige strategische Investments tätigen und praktisch alle Rentensegmente abdecken.

US-Bonds differenziert betrachten

Ein Schwerpunkt liegt momentan auf den USA, beispielsweise bei Hypothekenanleihen, weil die Manager von einer nachhaltigen Erholung des amerikanischen Häusermarktes überzeugt sind. Im vergangenen Sommer erregte zudem der Ausverkauf bei Kommunalanleihen die Aufmerksamkeit der Manager. „Wir hielten den Sell-off wegen der starken Fundamentaldaten und positiven Markttechnik für übertrieben und stiegen ein“, erklärt Wilson.

Bei US-Staatsanleihen setzte das Team von Goldman Sachs Asset Management zuletzt wieder auf steigende Renditen. Nach der Verschiebung des Taperings im vergangenen September 2013 waren hier die Renditen wieder auf 2,5 bis 2,6 Prozent abgeschmolzen. „Ein Niveau, das uns vorsichtig werden ließ“, kommentiert der Rentenexperte.

Das Team um Andrew Wilson hat seit Auflage der Fondsstrategie im März 2011 einen durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs von 5,9 Prozent erzielt – in wahrlich keinem leichten Umfeld für Fixed Income Manager.

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