Goldman Sachs hat viel Geld in die Hand genommen, um sich weiter für die Zukunft zu rüsten. Zwei Milliarden US-Dollar zahlt das Institut für Innovator Capital Management – einen Spezialisten für börsengehandelte Fonds, die eine besondere Eigenschaft haben: Sie versprechen Schutz vor Verlusten, ohne dass Anleger komplett auf Gewinne verzichten müssen.

Die erworbene Gesellschaft aus Wheaton im US-Bundesstaat Illinois verwaltet 28 Milliarden Dollar in 159 Fonds. Ihr Spezialgebiet sind sogenannte „Defined-Outcome-Fonds“ oder Buffer-ETFs, die an der Börse wie Aktien gehandelt werden können. Diese nutzen Optionskontrakte, um Anlegern einen definierten Schutz vor Kursverlusten zu bieten, gleichzeitig bleiben Chancen auf Gewinne erhalten, wenn auch in begrenztem Umfang.

Im angelsächsischen Raum hat sich für diese Produkte ein eigener Begriff etabliert: „Boomer Candy“ – Bonbons für die Babyboomer-Generation. Menschen kurz vor oder bereits im Ruhestand nutzen diese ETFs, um weiterhin am Aktienmarkt investiert zu bleiben, ohne die vollen Risiken zu tragen. Die Strategie: Lieber einen moderaten, aber einigermaßen sicheren Gewinn als die volle Achterbahnfahrt der Börse.

Die Nische der Absicherungs-ETFs

Um zu verstehen, warum Goldman Sachs so viel Geld für Innovator ausgibt, lohnt ein Blick auf den ETF-Markt. Klassische ETFs bilden passiv einen Index wie den S&P 500 nach – wer einen solchen ETF kauft, investiert praktisch in alle darin enthaltenen Unternehmen auf einmal.

Buffer-ETFs funktionieren anders. Sie sind aktiv verwaltete Produkte, die mithilfe von Optionen einen Schutzmechanismus einbauen. Fällt der zugrunde liegende Index beispielsweise um bis zu 15 Prozent, gleicht der ETF diese Verluste ganz oder teilweise aus. Im Gegenzug ist auch der mögliche Gewinn begrenzt – steigt der Index um 30 Prozent, erhält der Anleger vielleicht nur 15 Prozent davon.

Innovator war im Jahr 2018 einer der Vorreiter in diesem Segment. Seitdem ist die Nachfrage stark gestiegen. Allein US-Fonds mit Schutz auf den S&P 500 verzeichneten dieses Jahr Mittelzuflüsse von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Insgesamt liegen in dieser Kategorie mittlerweile knapp 66 Milliarden Dollar, berichtet das „Wall Street Journal“. 

Kritik an den Schutzfonds

Nicht alle Experten sind von diesen Produkten überzeugt. Kritiker argumentieren, dass die Gewinnchancen zu begrenzt seien, um langfristig attraktiv zu sein. Auch hänge die Rendite stark vom Zinsniveau ab: Bei niedrigen Zinsen fällt der mögliche Gewinn noch geringer aus.

Trotzdem bleibt die Nachfrage hoch. Vor allem in Zeiten erhöhter Marktunsicherheit suchen Anleger nach Wegen, um ihr Kapital zu schützen, ohne komplett aus Aktien auszusteigen.

Goldman baut Asset Management aus

Für Goldman Sachs ist die Übernahme Teil einer größeren Strategie. Die Bank will ihr Vermögensverwaltungsgeschäft ausbauen und sich breiter aufstellen – jenseits des klassischen Investmentbanking. Goldman-Chef David Solomon verfolgt seit Jahren das Ziel, neue Ertragsquellen zu erschließen.

Mit der Innovator-Übernahme wird Goldman nach eigenen Angaben zu einem der zehn größten Anbieter von aktiven ETFs weltweit. Kombiniert verwalten beide Unternehmen dann 215 ETF-Strategien mit einem Gesamtvermögen von 75 Milliarden Dollar. Die vier Führungskräfte von Innovator, darunter Gründer Bruce Bond und Präsident John Southard, wechseln zu Goldman. Insgesamt 60 Mitarbeiter kommen mit.

Die Transaktion soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Ein Teil der Kaufsumme ist an die künftige Entwicklung gekoppelt – Goldman setzt also darauf, dass die übernommenen Fonds weiter wachsen.

Bedeutung für Europa

Auch wenn der Deal in den USA stattfindet, dürfte er Auswirkungen auf den europäischen Markt haben. Der Trend zu aktiven ETFs und Produkten mit Absicherungsmechanismen ist auch hierzulande zu beobachten, wenn auch noch auf niedrigem Level. Europäische Anbieter könnten unter Druck geraten, ähnliche Strategien zu entwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Zudem zeigt die Übernahme, dass große US-Institute aggressiv in den ETF-Markt investieren – ein Segment, das lange von spezialisierten Anbietern dominiert wurde. Goldman Sachs macht deutlich: Die Zukunft der Vermögensverwaltung liegt auch in standardisierten, aber flexiblen Produkten, die breiten Anlegerschichten zugänglich sind.