Goldman Sachs greift zu ungewöhnlichen Mitteln im Kampf um die besten Talente: Die US-Investmentbank will von ihren Nachwuchsanalysten künftig alle drei Monate eine schriftliche Loyalitätserklärung verlangen. Das berichtet „Bloomberg“ unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden wollen.

Die neuen Analysten sollen regelmäßig bestätigen, dass sie keine Jobangebote von anderen Unternehmen angenommen haben. Mit dieser Maßnahme reagiert die Bank auf die Abwerbestrategien von Private-Equity-Gesellschaften, die Junior-Banker teilweise schon zu Beginn ihrer Ausbildung unter Vertrag nehmen – eine Praxis, die in der Branche als „On-cycle-Recruitment“ bekannt ist.

Branche unter Druck

Einige Buyout-Firmen kontaktieren Nachwuchskräfte sogar noch bevor diese ihr Analysten-Programm bei den Investmentbanken überhaupt angetreten haben. Diese Entwicklung sorgt für erhebliche Spannungen in der Branche.

J.P. Morgan hatte bereits im vergangenen Monat zu drastischen Mitteln gegriffen. Die Bank drohte Hochschulabsolventen mit Kündigung, sollten sie dabei erwischt werden, dass sie innerhalb der ersten 18 Monate ihrer Tätigkeit bei der Bank zukünftige Jobangebote anderer Unternehmen annehmen.

Apollo zieht die Notbremse

Als Reaktion auf diese Eskalation kündigte Apollo Global Management an, in diesem Jahr keine Vorstellungsgespräche mit Investmentbanking-Kandidaten des Abschlussjahrgangs 2027 zu führen oder ihnen Stellenangebote zu unterbreiten. Vorstandschef Marc Rowan begründete diesen Schritt damit, dass es Studierenden nicht zugemutet werden könne, Karriereentscheidungen zu treffen, bevor sie ihre Optionen wirklich verstehen.

Interessenkonflikte und ethische Bedenken

Für Banken wie Goldman Sachs ist die Situation besonders heikel. Das Unternehmen ist bekannt für sein starkes Alumni-Netzwerk und feiert regelmäßig sogenannte „Boomerang“-Einstellungen, wenn ehemalige Mitarbeiter zurückkehren. Gute Beziehungen zu ehemaligen Angestellten sind Teil der Unternehmenskultur.

Doch wenn Trainees heimlich Zusagen für künftige Jobs geben, entstehen potenzielle Interessenkonflikte. Junior-Banker haben oft Zugang zu vertraulichen Informationen über geplante oder laufende Geschäfte – Informationen, die außerhalb des Unternehmens von erheblichem Wert sein könnten.

Jamie Dimon, Vorstandschef von J.P. Morgan, bezeichnete das On-cycle-Recruitment im September als unethisch. „Es bringt die jungen Leute in eine furchtbare Lage“, sagte er bei einem Auftritt an der Georgetown University. „Es bringt uns in eine schlechte und konfliktbehaftete Position. Man arbeitet bereits für jemand anderen und hat gleichzeitig Zugang zu hochvertraulichen Informationen.“

Neue Spielregeln im War for Talents

Ob die vierteljährlichen Loyalitätserklärungen tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielen werden, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Die Spielregeln im Wettbewerb um die besten Köpfe der Branche werden neu geschrieben.