1 Prozent. So viel Platz räumt der globale Aktienmarkt heute dem gesamten Bergbausektor ein. Es ist der niedrigste Wert seit 1900 und gleichzeitig der Zeitpunkt, zu dem die Branche mehr freien Cashflow erwirtschaftet als je zuvor.

Der aktuelle „In Gold We Trust Report“ von Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek von Incrementum zeichnet ein Bild, das auf den ersten Blick paradox wirkt: Ein Sektor, der 2025 das profitabelste Jahr seiner Geschichte verzeichnet, wird vom breiten Markt schlicht ignoriert. Die Free-Cashflow-Marge der größten Goldminenproduzenten sprang von 4,2 Prozent Anfang 2023 auf 24,5 Prozent Anfang 2026. Die Gewinne je Aktie vervierfachten sich, das Kurs-Gewinn-Verhältnis sank dabei. Und trotzdem schrumpfte die Anzahl der ausstehenden Anteile am weltgrößten Goldminen-ETF im selben Zeitraum um 28 Prozent. Anleger mieden eine der stärksten Rallyes der vergangenen Jahre konsequent.

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Wie klein ist 1 Prozent wirklich?

Der historische Vergleich zeigt, wie weit der Sektor aus dem Blickfeld geraten ist. Der gesamte Bergbausektor hält derzeit nur noch rund ein Prozent der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung, den niedrigsten Stand seit 1900. In den 1950er und 1960er Jahren lag dieser Anteil noch bei über 10 Prozent. Seitdem verlor der Sektor mehr als 90 Prozent seines relativen Kapitalmarktgewichts. Die Ursache sehen Stöferle und Valek nicht in schlechteren Gewinnen, sondern darin, dass institutionelle Anleger den Sektor strukturell vernachlässigen.

Wenn ein Sektor so stark aus dem Blickfeld institutioneller Portfolios verschwindet, entstehen ihrer Einschätzung nach Preisanomalien. Die aktuellen Zahlen legen nahe, dass genau das gerade geschieht.

Günstiger trotz steigender Kurse

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der größten Goldminenproduzenten fiel trotz erheblicher Kursgewinne von 30,8 auf 19,8. Der Grund ist einfach: Die Gewinne je Aktie vervierfachten sich und übertrafen das Kurswachstum damit deutlich.

Stöferle und Valek sehen darin den Effekt eines enormen operativen Hebels. Die vollständigen Förderkosten je Unze liegen im Branchendurchschnitt bei rund 3.000 US-Dollar. Das umfasst alle Kosten, die anfallen, um eine Unze Gold aus dem Boden zu holen und den Betrieb langfristig aufrechtzuerhalten. Jeden Dollar, den der Goldpreis diese Schwelle übersteigt, leiten die Produzenten nahezu ungefiltert in den freien Cashflow weiter.

Bei den zehn größten Goldproduzenten weltweit verdreifachte sich der aggregierte freie Cashflow innerhalb eines Jahres auf fast 27 Milliarden US-Dollar. Anders als in früheren Zyklen stecken die Unternehmen diese Mittel heute nicht in riskante Großprojekte, sondern bauen Schulden ab, kaufen eigene Aktien zurück und zahlen Dividenden.

Rally ohne Begeisterung

Den aufschlussreichsten Befund des Reports liefern nicht die Bilanzen, sondern die ETF-Daten. Während die größten Goldminenproduzenten 2024 und 2025 Kursgewinne von kumuliert 167 Prozent verzeichneten, zogen Anleger massenhaft Kapital aus dem weltgrößten Goldminen-ETF ab. Die Anzahl der ausstehenden Anteile sank im selben Zeitraum um 28 Prozent.

Stöferle und Valek bezeichnen das als „Paradoxon der Anleger-Ignoranz“. Anleger verkauften massiv in die Rallye hinein und werteten steigende Kurse nicht als Kaufsignal, sondern als Ausstiegsgelegenheit. Als Ursache vermuten die Autoren tief sitzende Skepsis aus früheren Goldminen-Zyklen, in denen unkontrolliertes Wachstum und Missmanagement das Anlegervertrauen nachhaltig beschädigten.

Gemessen an der Dow-Theorie befindet sich der Sektor in der Phase der „öffentlichen Beteiligung“. Die Kurse stiegen bereits, die breite Masse der Investoren stieg aber noch nicht ein. Von einer irrationalen Überhitzung, wie sie der Markt für Künstliche-Intelligenz-Aktien erlebt, ist der Sektor weit entfernt.

Fusionen als stiller Beweis

Seit 2009 brach die Zahl neu entdeckter großer Goldvorkommen dramatisch ein, von rund 202 pro Jahr auf heute 70 bis 90. Da organisches Wachstum durch Exploration immer schwieriger wird, kaufen sich die Branchenriesen ihr Wachstum zunehmend über Akquisitionen.

21,2 Milliarden US-Dollar. So viel zahlten die größten Goldproduzenten der Welt 2025 für Reserven, mehr als in jedem Jahr seit 2010. Wer bereit ist, solche Summen für Gold im Boden zu zahlen, hat offenbar eine andere Meinung als der breite Markt.

Wer den Goldminensektor ins Portfolio aufnehmen möchte, muss keine Einzelaktien auswählen. Über ETFs, lässt sich breit gestreut in die Branche investieren. Drei der bekanntesten Produkte im deutschsprachigen Raum sind der iShares Gold Producers ETF (ISIN: IE00B6R52036), der Vaneck Gold Miners ETF (ISIN: IE00BQQP9F84) sowie der Vaneck Junior Gold Miners ETF (ISIN: IE00BQQP9G91).