Nachdem der Goldpreis Anfang des Jahres bei rund 5.500 US-Dollar je Unze seinen Höchststand markiert und anschließend auf die 4.000er-Marke korrigiert hatte, hat diese wichtige technische Unterstützung gehalten. Bei aktuell rund 4.400 bis 4.500 Dollar zeichnet sich eine solide Bodenbildung ab. Rekordhohe Staatsverschuldungen, Inflationsängste und Sorgen vor Verwerfungen am Anleihemarkt lassen Gold seine fundamentale Anziehungskraft zurückgewinnen – gestützt durch die kontinuierliche Nachfrage der Zentralbanken aus den Emerging Markets. Für professionelle Investoren eröffnet dieses Niveau ein attraktives Zeitfenster, um die dynamische Komponente im Portfolio über Goldminenaktien nachzujustieren.

Die Bewertungsdiskrepanzen im Minensektor sprechen für überdurchschnittliche Performance: Viele Förderer notieren nach wie vor mit Abschlag zu ihren historischen freien Cashflows und Kurs-Gewinn-Verhältnissen. Dank diszipliniertem Kostenmanagement und Zurückhaltung bei kapitalintensiven Großprojekten generieren Qualitätsproduzenten sehr gute Free Cashflows. Minenwerte bieten damit einen operativen Hebel auf den Goldpreis – bei gleichzeitig gestärkten Bilanzen, sinkender Verschuldung und steigenden Dividendenrenditen.

Was der Blick zurück zeigt

Entscheidend ist der Goldpreis im Verhältnis zu den Förderkosten pro Unze. Trotz gestiegener Umweltauflagen und Energiekosten liegen die All-In Sustaining Costs (AISC) führender Produzenten bei rund 1.600 bis 1.900 US-Dollar je Unze. Bei einem Goldpreis von 4.400 Dollar erwirtschaftet beispielsweise der größte Minenbetreiber eine Marge von etwa 2.800 Dollar pro Unze. Zum Vergleich: 2011 lag der Goldpreis im Hoch bei rund 1.900 Dollar, die Marge bei knapp 1.000 Dollar. Während der Aktienkurs des Weltmarktführers Newmont seit 2011 von rund 55 auf etwa 130 US-Dollar kletterte, hat sich die Marge je geförderter Unze nahezu verdreifacht.

Verglichen mit anderen Branchen liegt die mediane Gewinnmarge der Minenbetreiber (Quelle: Bloomberg-Analyse von Tavi Costa) bei rund 31 Prozent pro Umsatzeinheit – gegenüber 12 Prozent im S&P-500-Industriesektor. Steigt der Goldpreis wieder auf sein Allzeithoch, dürfte die Gewinnmarge mit einem Hebel von etwa 1,5 zulegen. Doch selbst bei stagnierenden Preisen sichern die hohen laufenden Cashflows attraktive Ausschüttungen – ein Vorteil gegenüber dem zinslosen physischen Edelmetall.

Minenaktien zählen zu den volatilsten Anlagethemen mit spezifischen operativen Risiken. Eine Garantie gibt es nicht, doch das aktuelle Bewertungsniveau entschädigt Anleger unseres Erachtens mit einem exzellenten Chance-Risiko-Verhältnis.

Wie Anleger die Chance nutzen können

In der Asset Allocation empfiehlt sich eine fein dosierte Beimischung von rund 5 Prozent. Dabei gefällt uns eine Kombination aus großen Goldproduzenten und kleineren Minenbetreibern – gut umsetzbar über marktbreite ETFs beziehungsweise Fonds wie den BGF World Gold (ISIN: LU0171305526) oder den Vaneck Gold Miners (ISIN: IE00BQQP9F84) sowie über aktive Fonds wie den Earth Gold (ISIN: DE000A0Q2SD8). Wer die 5-Prozent-Quote jetzt, auf dem aktuellen Bodenniveau, strukturiert verankert, dürfte überproportional an der nächsten Aufwärtswelle des Goldpreises partizipieren.

Während Standardwerte nahe ihrer Allzeithochs notieren und KI-Entwickler unter hohem Investitions- und Preiskampfdruck stehen, bietet der Minensektor eine bemerkenswerte fundamentale Asymmetrie: Goldminenbetreiber erwirtschaften qualitativ hochwertige Gewinne – und dürften dies auch dann tun, wenn der Goldpreis unter Schwankungen weiter zulegt.

Über den Autor

Gottfried Urban
Gottfried Urban

ist Geschäftsführer der 2019 gegründeten Vermögensverwaltung Urban & Kollegen Vermögensmanagement mit Sitz in Altötting. Er bringt mehr als 40 Jahre Kapitalmarkterfahrung mit.