Der Goldpreis hat seit Jahresbeginn rund 18 Prozent zugelegt und kratzt an der 2.500-Dollar-Marke und erreicht damit ein neues Allzeithoch. Doch während Anleger, die direkt in das Edelmetall investieren, glänzende Gewinne einfahren, bleibt ein verwandtes Segment bislang auf der Strecke. Die Rede ist von Goldminenaktien. Fachleute sehen hier eine bemerkenswerte Diskrepanz und sprechen von einer Unterbewertung des Minensektors.
Einer von Ihnen ist Ned Naylor-Leyland von Jupiter Asset Management. „Die Bewertungen von produzierenden Goldunternehmen liegen gerade einmal beim 1,2- bis 1,6-fachen des Nettoinventarwerts (NAV)“, rechnet er vor. „Entwicklungsprojekte werden sogar nur mit dem 0,1- bis 0,7-fachen des NAV gehandelt. Das ist viel zu niedrig und spiegelt in keiner Weise die hervorragenden Perspektiven wider.“
Die Zurückhaltung der Anleger gegenüber Goldminenaktien hat mehrere Gründe. Politische Unsicherheiten und mögliche regulatorische Änderungen in wichtigen Förderländern wie Mexiko haben das Vertrauen der Investoren belastet. Außerdem ist die Nachhaltigkeit immer wieder ein Diskussionsthema. Hier stehen insbesondere die Abbaumethoden und der Energieverbrauch in der Kritik.
Goldminenaktien: Warum sie finanziell besser dastehen
Doch nun könnte sich das Momentum drehen, sagt Imaru Casanova, Portfoliomanagerin bei Vaneck. „Wir beobachten, dass sich Goldminenaktien zuletzt besser entwickelten als der Goldpreis selbst. Dies könnte der Beginn eines Aufholprozesses sein, bei dem Minenaktien ihr volles Potenzial entfalten.“
Trey Reik, ein renommierter Analyst im Goldsektor, ergänzt: „Der Goldminensektor kämpft immer noch mit dem Nimbus schlechter finanzieller Disziplin. Zurückgehend auf Abschreibungen in der Industrie zu Beginn der 2010er-Jahre, glauben wir, dass dieser Ruf mittlerweile unbegründet ist." Insbesondere unter Managementteams liege der Fokus zunehmend auf den Finanzen, so Reik.
Was der Goldanalyst damit meint zeigt ein Blick in die Bilanzen. So hätten Goldminenbetreiber in den vergangenen Jahren ihre finanzielle Situation deutlich verbessert und würden nun über höhere Gewinnmargen und effizientere Geschäftsmodelle verfügen. Analysten erwarten für die erste Hälfte des Jahres 2024 zudem Rekordwerte bei den freien Cashflows der Goldminenbetreiber.
Ein Vergleich des Arca Gold Miners Index (GDM) mit dem S&P 500 zeigt, dass Minenunternehmen oft höhere Dividendenrenditen, bessere Liquiditätskennzahlen und eine geringere Verschuldung aufweisen. Diese Fakten werden von vielen Anlegern bisher übersehen, was auf eine mögliche Fehleinschätzung des Sektors hindeutet. Diese Diskrepanz zwischen fundamentaler Stärke und Aktienbewertung könnte laut den Experten der Branche eine attraktive Einstiegsgelegenheit für langfristig orientierte Investoren darstellen.
Risiken von Goldminenaktien nicht außer Acht lassen
Trotz der positiven Aussichten der Fachleute bleiben Risiken bestehen. Die Branche kämpft mit langen Vorlaufzeiten bei neuen Projekten – durchschnittlich mehr als 15 Jahre von der Entdeckung bis zur Produktion – und einem drohenden Fachkräftemangel. Der Sektor ist zudem für seine Volatilität bekannt. Außerdem bleiben die bereits genannten politischen Risiken ein Faktor.
Dass das Interesse an Goldminenaktien trotz der Risiken langfristig steigt, zeigt sich jedoch auch an den ETF-Zuflüssen. Einer der großen Akteure in diesem Segment ist der Vaneck Gold Miners Ucits ETF, der breit gestreut in den Sektor investiert. Er ist mit vier Morningstar-Sternen bewertet und hat in diesem Jahr einen Ertrag von 23,5 Prozent erzielt.
Der Anteil von Goldminen-ETFs am gesamten ETF-Markt macht derzeit nur etwa 0,27 Prozent aus, was im Vergleich zum Höchststand von 1,4 Prozent im Jahr 2011 sehr gering ist.
Die aktuelle Unterbewertung von Goldminenaktien bietet somit im Vergleich zum Goldpreis interessante Möglichkeiten für risikobereite Anleger. Die verbesserten Fundamentaldaten vieler Unternehmen, kombiniert mit dem positiven Trend des Goldpreises, könnten zu einer Neubewertung des Sektors führen.

