Neues Allzeithoch bei Gold: Euro-Kurs folgt

Der Goldpreis setzt seinen Höhenflug fort: Am Freitag, den 31. Januar 2025 übersprang die Notierung erstmals die Marke von 2.800 US-Dollar und markierte bei 2.800,98 Dollar je Feinunze ein neues Allzeithoch. Auch in Euro wurde mit 2.696,34 Euro je Unze ein neuer Rekordstand erreicht.

Und die Rally könnte weitergehen. 

Kaufkraft von Gold als historische Konstante

Ronald-Peter Stöferle, Goldexperte und Partner beim Vermögensverwalter Incrementum, verweist auf die historische Bedeutung des Edelmetalls als Wertspeicher: „Gold konnte seine Kaufkraft über sehr lange Zeiträume – in diesem Fall mehr als fünf Jahrhunderte – erhalten."

In seiner Analyse des Standardwerks „The Golden Constant" von Roy Jastram zeigt Stöferle auf, dass sich der Goldpreis immer wieder auf ein „Gleichgewichtsniveau" einpendelt – ein Muster, das sich seit dem 16. Jahrhundert beobachten lässt.

Besonders interessant: „Gold ist der einzige finanzielle Vermögenswert, der sowohl bei Inflation als auch bei Deflation überdurchschnittlich gut abschneidet."

Breite Nachfrage als Kurstreiber

„Wir befinden uns in einem Bullenmarkt für Gold", betont Ned Naylor-Leyland, Fondsmanager des Jupiter Gold & Silver Fund. Die aktuelle Dynamik wird von mehreren Faktoren getrieben: „Neben den sinkenden Zinserwartungen und der anhaltend hohen Nachfrage der Zentralbanken spielen auch makroökonomische und geopolitische Risiken eine wichtige Rolle."

Der Experte sieht insbesondere in der US-Staatsverschuldung von rund 1,9 Billionen US-Dollar ein unterschätztes Risiko für das globale Finanzsystem.

Goldminensektor mit Nachholpotenzial

Elisa Piscopiello, ETF-Analystin bei L&G Asset Management, richtet den Blick auf die Goldminenwerte: „Der Sektor verzeichnet ein robustes Gewinn- und Umsatzwachstum, das durch den Goldpreis unterstützt wird."

Die Dynamik zeige sich besonders in der jüngsten Konsolidierungswelle: Allein im vierten Quartal 2024 gab es drei Milliarden-Übernahmen, darunter die Akquisition von De Grey Mining durch Northern Star Resources für mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar.

„Zwei Drittel der Unternehmen haben ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2024 vorgelegt, wobei die meisten ein Wachstum in zweistelliger Höhe verzeichneten", erläutert die Expertin.

US-Politik und Zentralbanken als Preistreiber

Die angekündigten US-Zölle gegen Kanada und Mexiko sorgen für zusätzliche Verunsicherung. Vermögensverwalter Mirko Kohlbrecher von Spiekermann & Co sieht dennoch weiteres Aufwärtspotenzial: „Historisch betrachtet haben Gold-Bullenmärkte über mehrere Jahre bis zu einem Jahrzehnt angehalten."

Chart: Seit Jahresbeginn liegen auch Goldminen-Aktien vor dem breiten Weltindex MSCI World 

Er verweist auf die Entwicklung von 1971 bis 1980, als der Goldpreis von 35 auf 800 Dollar stieg. Zudem stützt die anhaltend hohe Nachfrage der Notenbanken den Preis: „Das Schema ‚Höhere Realzinsen im Westen schicken den Goldpreis nach unten' scheint nicht mehr zu gelten", erklärt Kohlbrecher.

Gold-Ausblick bleibt positiv

Die Experten sind sich einig: Der Aufwärtstrend beim Gold könnte noch anhalten. „Viele Anleger sind in Gold noch unterinvestiert", betont Jupiter-Manager Naylor-Leyland und verweist auf die extreme Positionierung des Marktes in anderen Anlageklassen wie Tech-Aktien.

Stöferle ergänzt: „Die Kaufkraft des Goldes in den letzten sechzig Jahren – ein Zeitraum, der durch eine beispiellose Anhäufung von Schulden auf globaler Ebene gekennzeichnet war – wies eine unterdurchschnittliche Entwicklung auf. Ein ähnliches Überschießen nach oben käme folglich nicht überraschend."

Die zunehmende Staatsverschuldung, geopolitische Krisen und die begrenzte Verfügbarkeit des Edelmetalls sprechen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. L&G-Analystin Piscopiello erwartet, dass weitere Unternehmen, die im Februar ihre Geschäftszahlen vorlegen, ebenfalls ein zweistelliges Wachstum vermelden werden.