Die Bundesrepublik hält die zweitgrößten Goldreserven weltweit, die Hälfte davon lagert im Ausland. Vor allem die Goldverwahrung in den USA wird aktuell – wieder einmal – kontrovers diskutiert. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Deutschlands Goldschatz.

Warum halten Zentralbanken überhaupt Goldreserven?

Gold dient als Absicherung in Krisenzeiten und soll das Vertrauen in die eigene Währung stärken. Anders als Papierwährungen kann Gold nicht beliebig vermehrt werden und behält auch bei Währungskrisen oder Inflation seinen Wert. Zentralbanken nutzen Goldreserven zur Diversifikation ihrer Währungsreserven sowie als Liquiditätspuffer für Notfälle und Inflationsschutz.

Wie viel Gold besitzt Deutschland und was ist es wert?

Die Bundesbank hält knapp 3.352 Tonnen Gold in fast 270.000 Barren – das sind nach den USA die zweitgrößten Goldreserven weltweit. Die Edelmetall-Rally lässt den Wert des Goldschatzes stetig steigen – gemessen am aktuellen Euro-Kurs sind es etwa 462 Milliarden Euro (Stand: 26. Januar 2026). Allein innerhalb des vergangenen Jahres ist dieser Wert um mehr als 100 Milliarden Euro gestiegen.

Wo lagert das deutsche Gold?

Etwa 50 Prozent der deutschen Goldreserven – rund 137.000 Barren – liegen in Tresoren der Bundesbank in Frankfurt. Die andere Hälfte befindet sich im Ausland: 37 Prozent (fast 99.000 Barren) bei der Federal Reserve in New York und 13 Prozent (32.000 Barren) bei der Bank of England in London.

Warum lagert Deutschland überhaupt Gold im Ausland?

Die Auslandslagerung hat sich „historisch und marktbedingt“ so ergeben, erklärt die Bundesbank auf ihrer Website. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat Deutschland in den 1950er Jahren dem Bretton-Woods-System bei. In diesem Abkommen war geregelt, dass Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen – also Staaten, die mehr exportieren als importieren – Gold überschrieben bekamen. Nach 1951 baute die Bundesrepublik so Schritt für Schritt Goldreserven auf, die direkt in New York, Paris und London lagerten. Im Jahr 1968 erreichte das deutsche Goldvermögen mit 4.034 Tonnen seinen Höchststand.

Anfang der 1970er Jahre brach das Bretton-Woods-System – das ein internationales Währungssystem mit dem US-Dollar als Leitwährung schaffen sollte – zusammen und wurde wenig später ausgesetzt. Das Gold blieb aber in Tresoren der jeweiligen Notenbanken in Paris, London und New York. 

Warum wird jetzt über eine Rückholung diskutiert?

Seit Donalds Trumps zweitem Amtsantritt sorgt vor allem die Goldlagerung in den USA für Unruhe. Trump nutzt jede Gelegenheit, um die Unabhängigkeit der Notenbank Federal Reserve – bei der auch die deutschen Goldreserven lagern – anzugreifen. Mit der Wahl des neuen Fed-Chefs dürfte er seinen Einfluss ausbauen, befürchten Kritiker. 

Angesichts von Trumps Unberechenbarkeit, seinen Grönland-Drohungen und möglichen Handelskonflikten zwischen den USA und Europa fordern Politiker unterschiedlicher Parteien sowie Vertreter des Europäischen Steuerzahlerbunds, das Gold nach Deutschland zurückzuholen. Die Sorge: Die Goldreserven könnte zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen – und womöglich sogar festgesetzt – werden.

Könnten die USA deutsches Gold tatsächlich „einfrieren"?

Theoretisch ja. „So wie Russlands Auslandsreserven eingefroren werden konnten, könnte es durchaus mit unserem Gold in den USA geschehen“, erklärt Vermögensverwalter Marco Herrmann. Die Wahrscheinlichkeit wird unterschiedlich eingeschätzt – von „unter 20 Prozent“ bis zu ernsthaften Bedenken.

Anzeige
Indiens Premierminister Narendra Modi und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz beim Internationalen Drachenfestival in Gujarat
Ausblick auf indische Aktien 2026
Indiens Wachstumsstory: Aufbruchstimmung nach turbulenter Phase
Gewinnerholung, politische Unterstützung und eine robuste Konjunktur: Sukumar Rajah, Leiter Portfoliomanagement bei Templeton Global Investments, zum Investment-Case Indien.
Jetzt lesen

Der frühere Bundesbank-Forscher Emanuel Mönch warnte jüngst im „Handelsblatt“: „Angesichts der geopolitischen Situation scheint es aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern.“ Das Argument, dass die Goldreserven durch das Völkerrecht geschützt seien, überzeuge ihn nicht mehr – Trump sei zuzutrauen, dass er versuche, das Gold als Druckmittel einzusetzen.

Was sagt die Bundesbank zur Rückholung?

Die Bundesbank lehnt eine Rückholung ab. Präsident Joachim Nagel betont immer wieder, er habe „vollstes Vertrauen“ in die Federal Reserve New York als „vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner“. Das Gold liege nicht auf dem Militärstützpunkt Fort Knox, sondern in Fed-Tresoren, wo viele Notenbanken ihre Reserven aufbewahren. Die Lagerbedingungen seien „hervorragend“. Auch die Bundesregierung sieht derzeit keinen Handlungsbedarf.

Was sagen Experten zur Rückholung?

Die Meinungen sind gespalten. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnte jüngst im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters vor einer überstürzten Aktion: „Das würde in der aktuellen Lage nur Öl ins Feuer gießen. Das sollte man eher in einer Lage angehen, in der es keine akute Konfliktlage gibt.“

Vermögensverwalter betonen die strategischen Vorteile der Auslandslagerung: „Wer Reserven in New York und London hält, bleibt flexibel, kann schnell reagieren und verfügt im Zweifel über einen strategischen Hebel im Krisenfall“, erklärte Arthur Enders von Rheinische Portfolio Management im vergangenen Jahr gegenüber DAS INVESTMENT.

Wäre es die erste Rückholaktion für deutsches Gold?

Nein. Zwischen 2013 und 2017 holte die Bundesbank insgesamt 674 Tonnen Gold aus New York und Paris nach Frankfurt. Auch damals gab es öffentliche Zweifel an der Sicherheit der Bestände. CDU-Abgeordnete bezweifelten sogar, dass die Goldbarren noch vollständig seien, nachdem ihnen bei der Fed die Einsicht in Tresore verwehrt worden war. Die Bundesbank beugte sich schließlich dem öffentlichen Druck. Kostenpunkt für die Verlagerung inklusive Echtheitsprüfungen und Umschmelzung: 7,7 Millionen Euro. Seither lagert kein deutsches Gold mehr in Frankreich.

Holen auch andere Länder ihr Gold zurück?

Ja, dieser Prozess hat seit 2011 erheblich an Dynamik gewonnen. Besonders das Einfrieren der russischen Devisenreserven durch den Westen hat viele Zentralbanken veranlasst, die Risiken der Goldlagerung im Ausland neu zu bewerten. Die Gründe reichen von dem Wunsch nach einfacheren Überprüfungen und geringerer Abhängigkeit bis hin zur Angst vor Sanktionen. Laut den Goldexperten Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek von Incrementum sind die Rückholaktionen auch Ausdruck „des schwindenden Vertrauens der Zentralbanken untereinander und in das globale Finanzsystem“.

Anzeige
Indiens Premierminister Narendra Modi und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz beim Internationalen Drachenfestival in Gujarat
Ausblick auf indische Aktien 2026
Indiens Wachstumsstory: Aufbruchstimmung nach turbulenter Phase
Gewinnerholung, politische Unterstützung und eine robuste Konjunktur: Sukumar Rajah, Leiter Portfoliomanagement bei Templeton Global Investments, zum Investment-Case Indien.
Jetzt lesen

Welche Argumente sprechen für die Lagerung im Ausland?

London gilt als weltweit größter außerbörslicher Handelsplatz für physisches Gold, die New Yorker Warenterminbörse Comex ist einer der größten börslichen Umschlagplätze. Im Krisenfall könnte Deutschland das Edelmetall direkt dort, wo es lagert, in eine andere Währung tauschen. Die Lagerstätten gelten zudem als besonders gut überwacht und sicher.

Welche Argumente sprechen für die Rückholung?

Die Diskussion um die Sicherheit deutscher Goldreserven im Ausland ist nicht neu. Hauptargument: Deutschland habe die Kontrolle über das Gold aus der Hand gegeben, hierzulande ließen sich die Bestände besser prüfen und überwachen. Trumps Unberechenbarkeit und seine Versuche, Einfluss auf die US-Notenbank zu nehmen, haben die Diskussion nun wieder entflammt.

Jüngst sprach sich gegenüber dem „Handelsblatt“ auch die finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Beck, für eine Rückholung der Bestände nach Deutschland aus: Das Bundesbank-Gold dürfe „auf keinen Fall zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden“, so die Politikerin. Das ließe sich unter Trump am sichersten ausschließen „wenn die Goldreserven ab jetzt in Deutschland verwahrt werden“, zitiert die Zeitung Beck weiter. Ähnlich hatten sich in der Vergangenheit bereits Politiker von CDU/CSU geäußert sowie der Bund der Steuerzahler.