Der Ende September angekündigte Zusammenschluss mit der Barmenia verlaufe planmäßig, berichtete Oliver Schoeller im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden des Gothaer-Konzerns betreibe man derzeit die sogenannte Due Diligence – also die sorgfältige Prüfung und Analyse, ob es mögliche Risiken gibt. Vorangegangen waren seit 2022 laufende Gespräche in den Aufsichtsräten und Mitgliedervertretungen der beiden Versicherer. Die Gremien unterstützten den Vorschlag der Firmenvorstände, die Fusion weiterzuverfolgen. 

Über das gemeinsame Vorhaben informierten die Unternehmen anschließend auch Mitarbeitende und Außendienst der Häuser. „Die positive Resonanz auf die Ankündigung aus dem Markt und vor allem auch von unseren Vertriebspartnerinnen und -partnern bestätigt uns darin, dass der Zusammenschluss der richtige Schritt ist“, erklärt Schoeller. Viele Kollegen freuten sich auf die gemeinsame Zukunft mit dem bisherigen Wettbewerber aus Wuppertal. „Sie verstehen den Plan nicht als Bedrohung.“ Für die Beschäftigten der nach Fachkräften suchenden Firmen gilt eine Jobgarantie von drei Jahren. 

Top Ten der deutschen Versicherungsbranche 

„Die Barmenia und die Gothaer ergänzen sich perfekt“, steht für Schoeller fest. „Unser Ziel ist es, gemeinsam stärker und besser zu werden. Durch den Zusammenschluss können wir unsere Wettbewerbs- und Marktposition deutlich ausbauen und rücken unter die Top Ten der deutschen Versicherungsbranche auf.“ Mit Bruttobeitragseinnahmen von 4,6 beziehungsweise 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2022 belegten Gothaer und Barmenia die Plätze 14 und 21 unter den deutschen Versicherern. Gemeinsam liegen sie zwischen der Huk-Coburg Gruppe (8,5 Milliarden Euro; Platz 9) und dem Provinzial-Konzern (6,5; 11). 

Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender der Gothaer
Oliver Schoeller © Gothaer

Neben der höheren Marktmacht ergeben sich aus der Fusion auch Größenvorteile, die nach anfänglichen Investitionen vor allem bei der IT entstehen. Neben solchen Skaleneffekte zählen für Schoeller aber insbesondere die Verbundvorteile: Eine ausgewogene Verteilung der Einnahmen auf unterschiedliche Sparten sorge für mehr Stabilität des Unternehmens und stetige Ergebnisse. „Wenn irgendwo ein Einschlag passiert, können das andere Geschäftsbereiche auffangen.“ Als konkrete Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit nennt er die Flutkatastrophe im Ahrtal, die Corona-Pandemie und die Zinswende. 

Die Barmenia ist ein sehr großer Krankenversicherer, der seinen Schwerpunkt im Maklervertrieb auf das Geschäft mit Privatkunden legt. Die Gothaer hingegen wachse vor allem mit mittelständischen Firmenkunden in der Kompositsparte. Auf Basis der jeweiligen Zahlen aus den Geschäftsberichten von Barmenia und Gothaer käme ein gemeinsamer Konzern auf gebuchte Bruttobeiträge von 3,1 Milliarden Euro in der Krankenversicherung, die den Spartenmix mit einem Anteil von 42 Prozent dominieren würde. Es folgen die Bereiche Komposit (2,7 Milliarden Euro; 37 Prozent) und Leben (1,6; 22). 

Gleichwertige Partner auf absoluter Augenhöhe 

Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia
Andreas Eurich © Barmenia

Auf ihrem Weg zu dem neuen Konzern prüfen die beiden Partner derzeit insbesondere rechtliche und steuerliche Fragen, um die zukünftige gemeinsame Struktur konkret zu gestalten. Über die entsprechenden Vorschläge entscheiden dann formell die Mitgliedervertretungen der zwei Versicherungsvereine. Anschließend werden die Anträge zur Genehmigung des Zusammenschlusses an die zuständigen Behörden gestellt, der bis zum Herbst 2024 umgesetzt werden soll. Klar sei bereits, dass er „auf absoluter Augenhöhe unter gleichwertigen Partnern ohne Dominanzgefühle“ erfolgen soll. 

Als „weiteres Zeichen für die Parität beider Partner“ ist eine Doppelspitze mit Schoeller und Barmenia-Chef Andreas Eurich als Co-Vorstandsvorsitzende vorgesehen. Beide Marken und die Firmensitze in Köln und Wuppertal werden bestehen bleiben. Und für die Kunden beider Unternehmen haben alle Verträge und zugesagten Leistungen auch weiterhin Bestand. Zukünftig erhalten sie aber ein breiteres Angebot – gebündelt unter dem Dach der bestehenden Gothaer Finanzholding, die noch umbenannt werden soll. Deren Eigentümer werden die beiden Versicherungsvereine mit paritätischen Stimmrechten sein. 

 

Unter der neuen Barmenia Gothaer Finanzholding gibt es den bisherigen Plänen zufolge dann einerseits einen gemeinsamen Lebensversicherer. Dafür wird der Bestand der Barmenia-Policen auf die Gothaer Leben übertragen. In der Sparte Komposit hingegen will der neue Konzern zunächst mit den drei Marken Barmenia Allgemeine und Gothaer Allgemeine sowie deren hundertprozentige Tochtergesellschaft Janitos antreten. Außerdem dürfte es weiterhin zwei Krankenversicherer des Konzerns geben. Über eine mögliche Fusion verhandele man noch mit der Finanzaufsicht Bafin, die mögliche Nachteile für Kunden ausschließen wolle.