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Starbucks-Filiale in Vietnam: Die US-Kaffeehauskette hat 2019 drei nachhaltige Anleihen emittiert und eine Milliarde US-Dollar beschafft – Vorbild für andere Unternehmen. | © imago images / Hans Lucas Foto: imago images / Hans Lucas

Green Bonds

Augen auf bei grünen Anleihen

Gab es vor zehn Jahren kaum einen Markt für Green Bonds, hatte die Anlageklasse Ende April 2020 ein Volumen von 347 Milliarden US-Dollar erreicht: Der Markt für Green Bonds boomt. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Anlagen entsteht aus dem zunehmenden Bewusstsein für die Notwendigkeit, dem Klimawandel und der Umweltverschmutzung entgegenzuwirken, einen Verlust von Biodiversität zu verhindern und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

Grüne Anleihen sind Schulden, die zur Finanzierung spezifischer umweltbezogener Projekte aufgenommen wurden. Einen Teil ihrer Attraktivität haben sie der Gesetzgebung zu verdanken: Regierungen, die bestrebt sind, ökologische Projekte zu unterstützen, bieten Anlegern häufig Steuervergünstigungen für den Besitz dieser Instrumente an. Sie sind aber auch deshalb vielversprechend, weil sie den Weitblick des Managements signalisieren, einhergehend mit langfristigem Geschäftserfolg.

Unternehmen, die Green Bonds begeben, können mit diesen Anleihen ihre Investorenbasis diversifizieren. Erhebungen lassen zudem darauf schließen, dass Investoren, die in Green Bonds anlegen, sich in der Regel aktiver beteiligen und die Instrumente länger halten als herkömmliche Anleihen.

Einer der Vorzüge für Emittenten sind die längeren Laufzeiten dieser Anleihen, was bedeutet, dass nicht so häufig refinanziert werden muss. Beispielsweise haben Green Bonds (von Unternehmen oder Staaten begeben) eine durchschnittliche Laufzeit von etwas unter acht Jahren, gegenüber 7,2 Jahren bei globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Darin spiegelt sich nicht zuletzt die Tatsache wider, dass Umweltprojekte einen langen Zeithorizont haben.

In jüngster Zeit haben sich die Emissionen entlang des Kreditspektrums ausgeweitet. Obwohl grüne Anleihen meist mit Investment-Grade bewertet werden, haben es auch hochverzinsliche Emittenten wie das Recycling- und Abfallmanagementunternehmen Paprec, der Hersteller von Windkraftanlagen Nordex und der Glashersteller O-I Packaging Group in den Markt geschafft. Und es könnten noch mehr werden. Infolge der Covid-19-Pandemie könnten einige der 44 Prozent mit BBB bewerteten Green Bonds – ein geringerer Anteil als die breiteren Märkte für Unternehmensanleihen – zu „Gefallenen Engeln“ werden, mit einem Rating im Hochzinsterritorium.

Fehlende klare Abgrenzungen erleichtern Greenwashing

Die Schwierigkeit für Investoren besteht darin, zu unterscheiden zwischen Anleihen, die aus dem ehrlichen Bestreben eines Unternehmens heraus begeben werden, ein Umweltprojekt umzusetzen, und solchen, die nicht viel mehr als Greenwashing sind. Das trifft dann zu, wenn Unternehmen, die Schuldtitel als Green Bonds emittieren, das Geld dann aber für andere Zwecke, wie die Refinanzierung bestehender Schulden, verwenden.

Es gibt jedoch keine klare Abgrenzung. Teilweise liegt dies daran, dass grüne Anleihen nicht notwendigerweise eine isolierte Projektfinanzierung darstellen, sondern vielmehr in der Bilanz des emittierenden Unternehmens ausgewiesen werden und somit Teil des gesamten Kapitalanlage-Mixes sind – deshalb werden Green Bonds im Allgemeinen der Bonität des Unternehmens zugerechnet. Ratingagenturen können Green Bonds aber immer noch auf Grundlage von ESG-Überlegungen (Umwelt, soziale Verantwortung und Unternehmensführung) herabstufen, weil diese Aspekte zunehmend in ihre Analysen einfließen.

Der italienische Stromproduzent Enel zum Beispiel wurde des Greenwashing beschuldigt, weil er eine Anleihe im Zusammenhang mit seinem Engagement zur Erhöhung des Anteils an erneuerbarer Energie emittiert hatte. Werden Ziele nicht erreicht, wäre das Unternehmen gezwungen, einen höheren Kupon auf die Anleihe zu zahlen. Vordergründig ist das „grün“; aber Kritiker argumentierten, dass es in Wirklichkeit kaum mehr als eine Option sei, schmutzigen Strom zu produzieren.

Oder Teekay Shuttle Tankers, Eigentümer einer der weltgrößten Öltankerflotten, der mindestens 150 Millionen US-Dollar für den Bau von vier neuen treibstoffeffizienten Schiffen mit einem Green Bond aufbringen wollte. Das Unternehmen scheiterte, was zum Teil daran lag, dass sich die Investoren fragten, ob ein Öltanker überhaupt „grün“ sein kann, auch wenn er kraftstoffeffizient ist.

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