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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Übergabefeier für zwei Erddruckausgleichsmaschinen der China Railway Engineering Corporation: Sie werden für Europas größtes Verkehrsprojekt „Grand Paris Express“ eingesetzt, die Finanzierung erfolgt über Green Bonds. Foto: imago images / VCG

Green Bonds

Vorreiter Europa

Zur Bekämpfung der negativen Folgen des Klimawandels werden grüne Anleihen – englisch: Green Bonds – immer beliebter. Kein Wunder, denn sie bieten Anlegern die Möglichkeit, ihr Geld gezielt für die Verringerung der Treibhausgasemissionen einzusetzen. Zunehmend engagieren sich weltweit große Regierungen in diesem Bereich - wobei europäische Länder weltweit eine Vorreiterrolle übernehmen.

Was sind grüne Anleihen?

Grüne Anleihen sind Kapitalmarktinstrumente, die zur Finanzierung von Projekten eingesetzt werden, die einen positiven Nutzen für die Umwelt und/oder das Klima haben. Entsprechend der Grundsätze für grüne Anleihen (Green Bond Principles, kurz: GBPs) muss der Emittent nicht nur bescheinigen, wo und wie die Erlöse ausgegeben werden, sondern auch, wie der Prozess der Projektevaluierung und -auswahl abläuft und wie wirksam diese Investitionen zur Erreichung des jeweiligen Dekarbonisierungsziels sind.

Erstmals traten Green Bonds 2008 mit einer Emission der Weltbank in Erscheinung. Seitdem hat die wachsende Besorgnis über Treibhausgasemissionen und Klimawandel sowohl zu einem Anstieg der Popularität von Umwelt-, sozialen und Governance-Kriterien (ESG-Kriterien) als auch zu zahlreichen Emissionen solcher Anleihen zur Finanzierung klimabezogener Projekte geführt. Grüne Anleihen haben sich schnell über alle Länder, Branchen und Währungen hinweg durchgesetzt. Emittenten, die ein grünes Label für eine Anleihe anstreben, unternehmen den zusätzlichen Schritt der Zertifizierung, die in der Regel von einer dritten Partei vorgenommen wird. Diese überprüft die Einhaltung der GBPs.

Bedeutung von Green Bonds nimmt seit Jahren zu

Nicht nur Unternehmen, die sich bereits an „grünen“ Initiativen beteiligt haben - beispielsweise Hersteller von Solarpaneelen oder Windturbinen - sind bestens für die Emission grüner Anleihen bestens geeignet. Auch Firmen aus anderen Branchen kommen hierfür infrage, da sie zunehmend die Notwendigkeit erkennen, ihren Kohlenstoff-Fußabdruck zu reduzieren. Sowohl hinsichtlich des Volumens als auch der Marktgröße haben grüne Anleihen in den letzten Jahren darum erheblich an Bedeutung gewonnen: So erreichte die globale Emission von grünen Anleihen und Darlehen 2019 nach Angaben der Climate Change Initiative einen bereinigten Betrag von rund 258 Milliarden US-Dollar - umgerechnet rund 220 Milliarden Euro - und markierte damit einen neuen globalen Rekord.

Deutschland platziert milliardenschwere grüne Anleihe

Umweltbewusste Anleger haben die Anziehungskraft von grünen Anleihen schon vor einigen Jahren erkannt, in letzter Zeit haben größere Regierungen ebenfalls begonnen, sich mit der Thematik zu befassen. Europäische Länder übernehmen in diesem Bereich eine Führungsrolle. Deutschland etwa – die größte Volkswirtschaft Europas - hat vor kurzem eine zehnjährige grüne Staatsanleihe begeben und mit ihr die Rekordsumme von 6,5 anstatt der anvisierten vier Milliarden Euro erlöst. Noch bedeutsamer ist, dass Deutschland beabsichtigt, eine grüne Anleihekurve mit zusätzlichen Kreditinstrumenten mit zwei, fünf und 30 Jahren Laufzeit zu schaffen. So ist für November die Emission einer weiteren grünen Bundesanleihe geplant. Die Laufzeit wird bei fünf Jahren liegen, das Volumen wird auf fünf Milliarden Euro beziffert.

Wir halten dies für eine sehr positive Entwicklung, da dadurch eine Benchmark-Kurve im Bereich der grünen Anleihen geschaffen wird, von der neue Emittenten profitieren können. Deutschland "twinnt" diese Anleihen - es wird eine grüne Anleihe mit demselben Kupon und derselben Laufzeit wie eine herkömmliche Staatsanleihe geben. Die Merkmale sind die gleichen, aber die Erlöse werden anders verwendet.

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