Dietmar Meister (49) arbeitet seit 20 Jahren für Ernst & Young Real Estate

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Green Buildings: "Wie mit den Schildkröten"

DAS INVESTMENT.com: Wie entwickelt sich der Markt für nachhaltige Immobilien?

Dietmar Meister: Mit den Green Buildings ist es wie mit den Schildkröten. Sie sind robust, leben lange, und die Population wächst. Der Markt ist allerdings zweigeteilt. Große institutionelle Investoren kaufen fast nur noch nachhaltige Immobilien. Sie sind langfristig unterwegs, deshalb ist Nachhaltigkeit ein großes Thema. Demgegenüber stehen Private-Equity-Firmen, die einen kürzeren Horizont haben. Da stehen anderen Themen an vorderster Stelle. Insgesamt wächst der Markt aber. Nicht nachhaltige Immobilien werden zu einem immer größeren Risiko im Portfolio.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Meister: Es wird immer schwieriger werden, Objekte ohne Energieeffizienz und Umweltqualität unter die Mieter zu bringen. Und wer in ein paar Jahren seine nicht nachhaltigen Gebäude verkaufen will, kann froh sein, wenn er sie ohne große Wertabschläge veräußern kann. Das gilt vor allem auch für Bürogebäude, denn immer mehr Unternehmen und damit potenzielle Mieter schreiben sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen und in den Geschäftsbericht.

DAS INVESTMENT.com: Gilt das vor allem für Neubauten oder auch für Bestandsobjekte?

Meister: Auf jeden Fall für Neubauten. Doch je höher die Nachfrage, je strenger die Auflagen, und je stärker die Energiepreise steigen, desto attraktiver wird es auch, Bestandsobjekte zu sanieren. Mittelfristig werden alle Vermieter ihre vermarktungsfähigen Objekte energieeffizienter gestalten, um eine nachhaltige Vermietbarkeit zu gewährleisten.

DAS INVESTMENT.com:
Das amerikanische Leed, britische Breeam, französische HQE und deutsche DGNB sind die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel für Immobilien. Wodurch unterscheiden sie sich?

Meister: Die Unterschiede sind gering. Keines ist besser als das andere. Auf dem deutschen Markt herrscht das DGNB-Siegel vor, international vor allem Leed und Breeam. Grundsätzlich sollte man sich als Investor aber nicht auf die Auszeichnungen versteifen, sondern auch hinter die Kulissen gucken.

Ich kenne beispielsweise ein Objekt in Brüssel, das kein Gold bekommen hat, weil Fahrradständer fehlten. Es konnte aber auch niemand mit dem Fahrrad direkt zum Objekt gelangen. Ausdrücklich nachhaltige offene Immobilienfonds gibt es in Deutschland nicht. Wer grüne Immobilienprodukte will, muss in der Beteiligungsbranche suchen oder ein Direktinvestment machen.

DAS INVESTMENT.com: Warum?

Meister: Die Manager offener Fonds sind bisher zu kurzfristig unterwegs gewesen. Grundsätzlich setzen aber auch die Manager offener Immobilienfonds immer stärker auf nachhaltige Objekte, egal, ob es auf den Produkten draufsteht oder nicht. Der Zug fährt weiter. Es wird ein immer größeres Problem für Investoren, nicht in nachhaltige Immobilien zu investieren.

DAS INVESTMENT.com:
Würden Sie einen nachhaltigen offenen Immobilienfonds kaufen?

Meister: Kommt darauf an. Wenn der Fonds europaweit investiert, sollte er klar nachhaltig sein.




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