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Grenzüberschreitende Kreditvergabe „Das Vertrauen in die Währungsunion ist zurückgekehrt“

Martin Hüfner, Assenagon

Wenn es keine Skandale gibt, wird es langweilig. Die Target-Salden der Bundesbank waren lange Zeit das „Enfant Terrible“ des Euros. Was wurde nicht alles darüber geschrieben? Sie seien der Sprengsatz, der die Währungsunion zum Scheitern bringen werde. Sie führten zur Verarmung Deutschlands, weil die südeuropäischen Partner immer mehr Geld haben wollten. Deutschland ginge pleite, wenn Italien aus dem Euro ausscheiden würde, etc.

Und plötzlich ist der Spuk vorbei. Die Target-Salden sind heute zwar höher als zu den schlimmsten Zeiten der Krise. Aber mit einem Mal redet kaum jemand mehr davon (außer notorische Kritiker des Euros). Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet nur noch selten von den neuen Zahlen. Irgendetwas muss da anders gelaufen sein, als sich das die Kassandras vorgestellt hatten. Ist es auch. Allerdings haben es die wenigsten bemerkt. 

Zur Erinnerung: Target (genauer Target 2) ist eines der größten Zahlungsverkehrssysteme der Welt. Es wickelt täglich (!) Überweisungen im Wert von 1.700 Milliarden Euro innerhalb der europäischen Währungsunion ab. Zu größeren Pannen ist es dabei bisher nicht gekommen.

Wie bei jedem Clearing-System entstehen bei der Abwicklung der Zahlungen Salden, zum Beispiel wenn eine Bank an einem Tag mehr Zahlungen an das Ausland leistet als sie empfängt. Normalerweise gleichen sich solche Salden über die Zeit aus. Das war in den ersten zehn Jahren der Währungsunion auch regelmäßig der Fall. Die Salden waren null (siehe Grafik unten).

Ist der Spuk bald vorbei?

 

Target-Salden der Bundesbank Quelle: Bundesbank

Problematisch wurde es erst mit der großen Finanz- und Eurokrise. Da trauten sich die Banken gegenseitig nicht mehr über den Weg. Sie wollten auch vorübergehende Salden nicht mehr in ihren Büchern halten. Wenn es einen Saldo gab, wurde er sofort an die Notenbanken weitergereicht. Das war die Geburtsstunde der Target-Salden der Bundesbank. Sie sind also Ausdruck des Misstrauens zwischen den Banken in der Währungsunion. Sie sind ein Krisenindikator. Seit 2007 sind sie auf fast 1.000 Milliarden Euro gestiegen.

Das ist es, wovor die Menschen Angst haben: Ein riesiger Schuldenberg, der wohl nie wieder abgebaut wird. Der guten Ordnung halber muss man freilich hinzufügen, dass es in letzter Zeit noch einen anderen Grund für die Target-Salden gab. Das waren die Wertpapierkäufe der EZB. Durch die Art ihrer technischen Abwicklung entstehen ebenfalls Salden in Target 2. Das Kaufprogramm ist aber im vorigen Jahr ausgelaufen. Von dieser Seite gibt es also heute kein Störfeuer mehr.

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