Grexit?

„Wenn sie den Deal machen, gibt es eine Aktien-Rally“

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Analysten gehen von einem dritten Jahr in Folge mit Gewinnwachstum von über zehn Prozent aus und erwarten, dass die Europäischen Zentralbank-Stimuli erhalten bleiben. Vor diesem Hintergrund sehen sie die Störungen durch Griechenland als temporär an. Einer Studie von Bank of America zufolge bevorzugen Investoren Europa nach wie vor. Am positivsten gestimmt ist Citigroup: Deren Auguren erwarten für den Stoxx Europe 600 Index einen Anstieg um 17 Prozent bis Jahresende. UBS Group hat ihre Prognose des europäischen Indizes im Juni sogar noch angehoben - die Strategen der Schweizer Bank verwiesen dabei auf ein besser als erwartetes Gewinnwachstum und einen Umschwung in der Wirtschaft.

„Griechenland hat keine wesentlichen Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft, weil es so klein ist“, sagt Christian Zogg, Fondsmanager bei LLB Asset Management in Vaduz. „Die Gewinnentwicklung hatte gerade an Dynamik gewonnen, als die Korrektur Mitte April kam. Wir haben erste Anzeichen dafür gesehen, dass die europäische Wirtschaft von dem schwächeren Euro profitiert, und es gibt keinen Grund, warum das nicht weitergehen sollte.“

Das Ringen um Griechenland hatte den Euro Stoxx 50 Index seit seinem Hoch im April bis Montag um zehn Prozent auf ein Vier-Monats-Tief gedrückt. Am Dienstag erholte sich der Index etwas. Der Markt blickt nun auf ein Treffen der Finanzminister am Donnerstag und ein Gipfeltreffen der EU-Regierungschefs am 25. und 26. Juni. Das Rettungspaket für Griechenland läuft Ende des Monats aus.

Aus einem Kommentar von Bank of America vom 16. Juni geht hervor, dass die europäischen Fondsmanager ihre Liquiditätsquote auf ein Sechs-Jahres-Hoch angehoben haben. Wenn die Cashanteile in der Vergangenheit so hoch waren, stiegen die Aktienkurse in der Region in den drei Monaten danach, so die Bank.

Jetzt bereiten sich die Händler auf ruhigere Tage vor und erwarten einen Rückgang der Aktienkursschwankungen um 23 Prozent. Das zeigen Drei-Monats-Futures, die die Volatilität im Euro Stoxx 50 abbilden. In diesem Jahr soll die europäische Wirtschaft um 1,5 Prozent und nächstes Jahr um 1,7 Prozent wachsen.

Dennoch könnten die Aktienmärkte leiden, wenn Griechenland und seine Gläubiger nicht bald zu einer Einigung finden, meint Witold Bahrke, Asset-Allocation-Stratege bei Nomura International in London. „Wenn es Juli wird und wir keine Einigung haben, dann erwarte ich böse Volatilität bei den europäischen Assets. Das wird auch die Zentralbanken betreffen, und es wird Auswirkungen darauf haben, wie die Fed über externe Faktoren denkt. Das ist entscheidend für die europäischen Assets.“

Samy Chaar, Strategie bei Lombard Odier in Genf, ist allerdings zuversichtlich, dass es eine Vereinbarung geben wird. Die Konsequenzen für andere Euroraum-Länder wären zu groß, so dass die Politiker ein Ausscheiden Griechenlands nicht zulassen würden, erklärt er. Chaar hat während des Ausverkaufs sein Engagement in europäische Aktien nicht verringert.

„Das wird ein unbefriedigender und unerfreulicher Deal, aber sie werden einen machen“, sagt Chaar. „Und wenn sie den Deal machen, gibt es eine Rally. Vom Griechenland-Thema abgesehen, sind wir zufrieden mit dem, was wir in Europa sehen, was die Konjunktur und die Aktivität der Firmen angeht.“

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