Impfzentrum in Berlin Foto: imago images / IPON

Private Krankenversicherung (PKV) Großer Wirbel um den kleinen Pieks für Privatpatienten

Wann kann ich mich impfen lassen? Welchen Impfstoff werde ich erhalten? Und wer übernimmt die Kosten dafür? Diese und weitere Fragen stellten viele Menschen in Deutschland dieser Tage auch ihrem Finanzberater. Einer von ihnen ist Peter Wolnitza, Versicherungsmakler im hessischen Main-Kinzig-Kreis an der Grenze zu Bayern. Als Service für seine privat krankenversicherten Kunden plante er, Antworten auf die häufigsten Fragen als Blog-Beitrag zu veröffentlichen. „Ich wollte beschreiben, worauf man als Privatpatient bezüglich der Corona-Impfung achten sollte.

Doch bereits nach einigen Minuten Lesen der einzelnen Erlasse und Vorschriften war mir klar: Das wird nichts. Leider.“ Denn die Regelungen in den einzelnen Bundesländern seien zu komplex und regional sehr unterschiedlich. Stattdessen setzte Wolnitza auf seiner Internetseite einen Link zum Info-Portal des deutschen PKV-Verbands. Sein augenzwinkernder Tipp an die Kundschaft: „Informieren Sie sich, bevor Sie mit hochgekrempeltem Ärmel losmarschieren!“

Infografik: So viel tragen Hausärzte zur Impfkampagne bei | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Viele Fragen verzeichnet aktuell auch die Debeka, mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent der branchenweiten Bruttobeitragseinnahmen der größte private Krankenversicherer hierzulande. Das Aufkommen an Anrufen und E-Mails schwanke aber sehr stark, „je nach aktueller Nachrichtenlage“, berichtet ein Unternehmenssprecher auf Anfrage: „Besonders viel Unruhe bemerkten wir bei vielen Kunden, nachdem rein privatärztliche Praxen vom Impf-Start bei den Hausärzten ausgenommen wurden.“

Das Bundesgesundheitsministerium hatte dies mit begrenzten Liefermengen an zugelassenen Corona-Impfstoffen begründet. Privatpraxen sollten demnach ebenso wie weitere Haus- und Facharztpraxen erst dann miteinbezogen werden, wenn ausreichend Impfstoff vorhanden ist. „Grundsätzlich gilt, dass mehr als 90 Prozent der Privatversicherten von Hausärzten betreut werden, die auch eine Kassenzulassung besitzen. Die Patienten reiner Privat-Hausärzte stellen die Ausnahme dar.“

Nur Kassenärzte beliefert

Doch seit Anfang Juni können sich Ärzte mit einer rein privatärztlichen Praxis am deutschen Covid-19-Impfprogramm beteiligen. „Bei wachsender Verfügbarkeit von Impfstoff sollten möglichst viele Ärzte gleichberechtigt in das Impfprogramm aufgenommen werden“, kommentiert dies PKV-Verbandssprecher Stefan Reker.

„Insbesondere chronisch kranke Privatversicherte sollten nach Möglichkeit bei der Impfung von ihren vertrauten Haus- und Fachärzten betreut werden können“, so Reker weiter. Die ausschließlich mit den privaten Versicherern abrechnenden Arztpraxen durften ihre Patienten jedoch bereits zuvor – unabhängig von der eigentlichen Corona-Impfspritze – zu möglichen Nebenwirkungen beraten und ihnen die notwendigen Atteste für einen vorgezogenen Impftermin ausstellen.

Überzeugen müssen die Mediziner nur wenige Menschen hierzulande, denn nur die wenigsten haben Bedenken, sich gegen das Virus Sars-Cov-2 impfen zu lassen. Die Nachrichten über mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffs von Astra Zeneca haben zwar viele verunsichert. Doch die Mehrheit hat keine grundsätzlichen Bedenken, zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Stand: 30. April 2021; Quelle: Robert Koch-Institut

83 Prozent der bundesweit insgesamt 1.000 befragten Erwachsenen gaben im März an, dass sie überhaupt keine oder eher keine Angst vor einer Corona-Impfung verspüren. Von den bislang besonders von der Infektionskrankheit Covid-19 gefährdeten über 60-Jährigen sagten das sogar 90 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass das Vertrauen in die Corona-Impfung insgesamt groß ist“, sagt TK-Vorstandsvorsitzender Jens Baas. Das sei ein gutes Signal, denn die Impfung sei der einzige Ausweg aus der Pandemie. „Deshalb ist es auch so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen für eine Impfung entscheiden.“

Hausärzte miteinbezogen

„Für diese Entscheidung sind gute und wissenschaftlich fundierte Informationen entscheidend“, sagt TK-Chef Baas. Der 54-Jährige hatte nach seinem Studium der Humanmedizin in den chirurgischen Universitätskliniken Heidelberg und Münster gearbeitet, bevor er 1999 als Unternehmensberater zur Boston Consulting Group ging und von dort 2011 in den Vorstand der einzigen Krankenkasse mit mehr als 10 Millionen Versicherten in Deutschland wechselte.

„In den vergangenen Wochen konnten wir beobachten, dass Diskussionen über die verschiedenen Impfstoffe und Nebenwirkungen sehr emotional geführt wurden und zur Verunsicherung beigetragen haben“, so Baas weiter. Deshalb sei es umso wichtiger, dass nun auch die Hausärzte hierzulande breit in die Impfkampagne einbezogen werden. Denn sie haben engen Kontakt zu den Patienten und kennen deren jeweilige Krankengeschichte am besten. Dadurch könnten sie häufig besser aufklären und mögliche Bedenken ausräumen.

Das zusätzliche Impfangebot wird gut angenommen, seitdem die laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung rund 100.000 Praxen in Deutschland ihre ersten Lieferungen erhalten haben. Im ersten Monat impften niedergelassene Ärzte bundesweit bereits etwa 4,9 Millionen Menschen. Das sind knapp 22 Prozent aller erstmals Geimpften, die das Robert-Koch-Institut bis Ende April verzeichnete. Am häufigsten verwendeten sie dabei mit 4,06 Millionen Impfdosen das Vakzin des Herstellers Biontech (siehe Grafik).

Stiko empfiehlt Impf-Kombi

Die meisten entfielen mit rund 3,3 Millionen auf Personen über 60 Jahre. Unabhängig von Alter und Gesundheitszustand können sich zwar alle Erwachsenen in einer Arztpraxis mit dem Vakzin von Astra Zeneca impfen lassen. Nach seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen bei jüngeren Frauen ist dieser jedoch in Verruf geraten.

Und die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung für eine Zweitimpfung nach einer Astra-Zeneca-Dosis Anfang Juli angepasst: Künftig sollen sie demnach mit der zweiten Spritze einen sogenannten mRNA-Impfstoff erhalten. Derzeit zugelassen sind in Deutschland entsprechende Vakzine der Hersteller Biontech oder Moderna. Für die Betroffenen sind also noch einige Fragen zu klären.

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