Warren Buffett nutzt seinen möglicherweise letzten Aktionärsbrief als Berkshire Hathaway-Chef, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Der 95-Jährige übertrug am Montag 1.800 A-Aktien des Konglomerats im Wert von mehr als 1,3 Milliarden Dollar an vier Stiftungen seiner Familie. Gleichzeitig stellte er sich demonstrativ hinter seinen designierten Nachfolger Greg Abel.
Klares Bekenntnis zu Greg Abel
„Ich kann mir keinen CEO, Unternehmensberater, Wissenschaftler oder Regierungsmitglied vorstellen, den ich Greg vorziehen würde, um Ihre und meine Ersparnisse zu verwalten“, schreibt Buffett in seinem Brief an die Aktionäre. Der 63-jährige Abel, seit 2021 offiziell als Nachfolger benannt, habe seine hohen Erwartungen „mehr als erfüllt“. Buffett bescheinigt ihm, ein großartiger Manager, unermüdlicher Arbeiter und ehrlicher Kommunikator zu sein.
Der scheidende Chef verspricht zudem, weiterhin bedeutender Aktionär zu bleiben. Er besitzt derzeit knapp 14 Prozent der Anteile – trotz umfangreicher Spenden seit 2006. Das Magazin „Forbes“ beziffert sein Gesamtvermögen auf 148,2 Milliarden Dollar.
Beschleunigte Vermögensübertragung an die Kinder
Buffett kündigt an, die Zuwendungen an die Stiftungen seiner drei Kinder zu beschleunigen. Die drei werden nach Buffetts Tod auch eine gemeinnützige Stiftung verwalten, die nahezu sein gesamtes verbleibendes Vermögen erhalten soll.
Seit 2006 spendete die Investorenlegende bereits mehr als die Hälfte ihrer Berkshire-Aktien, hauptsächlich an die Gates Foundation. Die aktuelle Beschleunigung der Übertragungen bedeute jedoch „in keiner Weise eine Änderung meiner Ansichten über die Aussichten von Berkshire“, stellt Buffett klar.
Optimismus trotz Kursrückgang
Die Berkshire-Aktie schwächelt seit der Ankündigung von Buffetts Rückzug – seit Jahresbeginn verlor sie rund 8 Prozent. Buffett bleibt dennoch zuversichtlich: „Verzweifeln Sie nicht: Amerika wird zurückkommen, und Berkshire-Aktien auch.“ Den fast 200 Unternehmen des 1,07 Billionen US-Dollar schweren Konglomerats bescheinigt er „überdurchschnittlich gute Aussichten“.
Allerdings dämpft er allzu hohe Erwartungen: Anleger sollten nicht davon ausgehen, dass Berkshire den Markt künftig so dominieren werde wie früher, als das Unternehmen noch kleiner war.
Abschied auf Raten
Gesundheitlich fühle er sich im Allgemeinen gut, schreibt der 95-Jährige. Zwar bewege er sich langsamer und habe zunehmend Schwierigkeiten beim Lesen, arbeite aber weiterhin fünf Tage pro Woche im Büro.
Ganz verschwinden wird Buffett nicht: Er kündigte an, auch nach seinem Rückzug als CEO zum Jahresende weiterhin Vorsitzender der Holding zu bleiben und jährlich rund um Thanksgiving mit den Aktionären zu kommunizieren. Die traditionellen ausführlichen Jahresbriefe wird er jedoch nicht mehr verfassen.
Buffett transformierte Berkshire seit 1965 von einem maroden Textilunternehmen zu einem Weltkonzern mit Beteiligungen an Unternehmen wie der Kfz-Versicherung Geico, und Fruit of the Loom. Ob sein Nachfolger Abel dieselbe „Buffett-Prämie“ erzielen kann, die jahrzehntelang im Aktienkurs enthalten war, wird sich zeigen müssen.

