Hannah Ritzmann (Redakteurin)Lesedauer: 2 Minuten

Steigende Mieten Großstadtleben wird zum Luxus

Wegen steigender Mieten gehen Menschen in Berlin auf die Straße
Wegen steigender Mieten gehen Menschen in Berlin auf die Straße: Eine Studie von Immowelt zeigt, wie es tatsächlich um den Wohnungsmarkt bestellt ist | Foto: Imago images / Ipon

Das Großstadtleben können sich viele Familien kaum noch leisten, verdeutlicht eine Analyse des Online-Immobilienportals Immowelt. Eine Studie zeigt jetzt, wie viel eine vierköpfige Familie für eine neu gemietete Wohnung zahlt: In jeder zweiten deutschen Großstadt müssen Arbeitnehmer mit Berufsabschluss für eine familientaugliche Wohnung mindestens ein Viertel ihres Einkommens ausgeben. Die beiden Städte München und Berlin sind hier ganz vorn mit dabei. In beiden Metropolen stoßen auch Akademiker-Familien an ihre Grenzen, sie geben rund ein Drittel ihres Einkommens zum Wohnen aus.

Für die Analyse verglich Immowelt für 79 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern die monatlichen Miet- und Nebenkosten für 80 bis 120 Quadratmeter mit dem mittleren Haushaltsnetto einer vierköpfigen Familie (ein Voll- und ein Halbverdiener). Als Grundlage dienen die von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Bruttoeinkommen, unterschieden nach Berufsabschlüssen (ohne, anerkannter, akademischer). Diese wurden in entsprechende Nettogehälter umgerechnet.

In 46 Städten müssen Familien, bei denen beide Eltern einen anerkannten Berufsabschluss haben, mehr als ein Viertel des Nettoeinkommens für eine neue Wohnung ausgeben. In 16 Städten liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent und mehr. Haben beide Elternteile hingegen keinen Berufsabschluss, ist das Großstadtleben nur schwer zu bezahlen. Dann liegt die monatliche Belastung in 72 Städten über 25 Prozent und in 52 Städten über 30 Prozent.


Die Konsequenz: Viele Menschen mit niedrigen Einkommen müssen aus den Städten wegziehen, denn am freien Markt wird es schwieriger, eine geeignete Wohnung zu finden. Und Sozialwohnungen sind in vielen Städten knapp und die Wartelisten lang.

Am schwierigsten haben es Familien laut Studie in Städten, in denen die Schere zwischen Mieten und Einkommen weiter aufgegangen ist. Hierzu gehören München und Berlin. In München beläuft sich die durchschnittliche Miete für eine 80 bis 120 Quadratmeter große Wohnung auf 1.750 Euro plus Nebenkosten. Familien ohne Berufsabschluss müssten dafür 55 Prozent ihres Verdienstes aufbringen. Auch bei Arbeitnehmern mit anerkanntem Berufsabschluss beträgt die Belastung 45 Prozent ihres Einkommens.

In Berlin kosten familientaugliche Mietwohnungen im Durchschnitt 1.360 Euro kalt. Im Gehalts-Ranking liegt Berlin deutschlandweit allerdings nach wie vor am unteren Ende. Die Folge: Eine Familie mit einem Voll- und einem Halbverdiener jeweils ohne Berufsabschluss muss die Hälfte ihres Einkommens aufwenden. Mit anerkanntem Berufsabschluss sind es 42 Prozent und mit Hochschulabschluss 31 Prozent.

Doch auch in kleineren Städten wie Freiburg, Rostock, Heidelberg, Jena und Potsdam steigen die Mieten. Beispielweise müssen in Freiburg Arbeitnehmer mit Berufsabschluss bei Neuvermietung 38 Prozent ihres Nettoeinkommens für eine familientaugliche Wohnung aufbringen.

Bezahlbaren Wohnraum finden Familien hingegen im Ruhrgebiet. Dort überschreitet die Belastung nicht einmal die 25-Prozent-Marke.

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