Die spannendsten Wachstumsstories entstehen heute häufig fernab der Börse. Während viele Anleger ihr Aktienengagement über börsennotierte Unternehmen umsetzen, verlagert sich ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung längst in die privaten Kapitalmärkte. Unternehmen bleiben länger privat, wachsen schneller und erreichen häufig bereits Milliardenbewertungen, bevor sie überhaupt an einen Börsengang denken.

Damit verändert sich nicht nur die Marktstruktur, sondern auch die Art und Weise, wie Investoren attraktive Unternehmen identifizieren können. Fortschritte bei alternativen Daten sowie künstlicher Intelligenz schaffen neue Möglichkeiten, private Wachstumsunternehmen systematisch zu analysieren – und eröffnen damit einen Informationsvorsprung in einem Markt, der lange als vergleichsweise intransparent galt.

Immer mehr Unternehmenswertsteigerung in privaten Kapitalmärkten

Warum stößt das Modell der Partizipation am langfristigen Unternehmenswachstum mittels börsennotierter Aktien zunehmend an seine Grenzen?

Der Grund: Immer mehr Unternehmen finanzieren ihre Expansion über private Kapitalgeber und benötigen den Kapitalmarkt deutlich später als früher. Große Venture-Capital- und Growth-Finanzierungen übernehmen heute vielfach die Rolle, die früher dem Börsengang vorbehalten war. Dadurch verlagert sich ein erheblicher Teil der Unternehmenswertsteigerung in die Zeit vor dem IPO.

Während Buyout-Investoren vor allem etablierte Unternehmen mit stabilen Cashflows übernehmen und deren Profitabilität optimieren, befinden sich Growth-Unternehmen mitten in ihrer Expansionsphase. Hier entstehen Wertsteigerungen in erster Linie durch steigende Umsätze, neue Produkte, internationale Expansion und den Ausbau von Marktanteilen – weniger durch finanzielle Hebel oder Kosteneinsparungen.

Growth Equity schließt damit eine Lücke zwischen klassischem Venture Capital und etablierten börsennotierten Unternehmen.

KI beschleunigt den Innovationszyklus

Besonders sichtbar wird dieser Wandel derzeit im Technologiesektor. Viele der innovativsten Unternehmen im Bereich künstliche Intelligenz befinden sich noch in privater Hand. Sie entwickeln neue Geschäftsmodelle, verändern bestehende Softwaremärkte und setzen etablierte Anbieter zunehmend unter Wettbewerbsdruck.

Für Investoren entsteht dadurch ein Dilemma: Wer ausschließlich in börsennotierte Softwareunternehmen investiert, partizipiert häufig erst dann an neuen Technologien, wenn ein Großteil des Wachstums bereits realisiert wurde. Die eigentliche Innovationsphase findet heute vielfach im privaten Markt statt.

Growth Equity eröffnet deshalb Zugang zu Unternehmen, die bereits über funktionierende Produkte, messbare Nachfrage und belastbare Geschäftsmodelle verfügen, gleichzeitig aber noch erhebliche Wachstumspotenziale besitzen.

Private Märkte werden transparenter

Lange galt mangelnde Transparenz als größtes Hindernis für Investitionen in private Unternehmen. Dieses Bild verändert sich grundlegend.

Je größer private Unternehmen werden, desto umfangreicher wird ihr digitaler Fußabdruck. Stellenausschreibungen, Personalentwicklung, Produktankündigungen, Website-Traffic, Kundenaktivität, Partnerschaften oder Medienpräsenz liefern heute kontinuierlich Informationen über die operative Entwicklung eines Unternehmens.

Grafik: US-Stellenanzeigen – Verteilung nach Volumen zwischen privaten und börsennotierten Unternehmen (2025)

Quelle: BlackRock, Stand Februar 2026.

Diese Daten ermöglichen deutlich tiefere Einblicke als noch vor wenigen Jahren. Sie zeigen beispielsweise, wie schnell Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen, welche Kompetenzen aufgebaut werden, wie sich Produkte im Markt entwickeln, wie intensiv Kunden die angebotenen Lösungen nutzen, oder wie stark die Wahrnehmung einer Marke zunimmt.

Was früher weitgehend auf Gesprächen und persönlichen Netzwerken beruhte, lässt sich heute zunehmend datenbasiert nachvollziehen.