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Marco Herrmann (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter Marco Herrmann Grüne Geldanlagen in der Selbstfindung

Windkraftanlagen des Wörrstädter Energieparks
Windkraftanlagen des Wörrstädter Energieparks: Die EU möchte mithilfe erneuerbarer Energien der Klimakrise entgegenwirken | Foto: Imago Images / Torsten Silz

Taxonomie heißt das Zauberwort. Dabei handelt es sich um ein umfangreiches Regelwerk, das Aufschluss darüber geben soll, welche Investments als gut oder böse zu betrachten sind. Damit nicht genug, die Finanzaufsichtsbehörden der einzelnen Länder erarbeiten bereits eine Verordnung, wie eine Umsetzung dieser Taxonomie in den Produktangeboten der Banken und Fondsanbieter erfolgen soll. Und trotzdem bleibt vieles im Unklaren.

Das spiegelt auch eine aktuelle Analyse des Vermögensverwalters Schroders wider, die die ESG-Ratings der Analysehäuser MSCI und S&P miteinander verglichen hat. Das Fazit ist ernüchternd: Die Beurteilung, ob es sich hinsichtlich der Bereichen E, S und G um ein gutes oder schlechtes Unternehmen handelt hängt stark vom Rating-Anbieter ab. Die Korrelation der verschiedenen Bewertungen untereinander ist mit durchschnittlich 0,44 nur schwach ausgeprägt.

Eigentlich müssten sich die Ratings demnächst annähern, wenn mehr und mehr die Taxonomie-Vorgaben in den Analyseprozess Einfluss finden. An für sich wäre es aber nur völlig normal, dass bei diesem Thema die Meinungen auseinander gehen. Jeder Mensch hat eben andere Grundvorstellungen vom Leben und von dem, was sich für die Gesellschaft und die Umwelt positiv oder negativ auswirkt.

Die Krux mit der Blaupause

Ein Liebling der ESG-Fonds ist der Grafikkartenhersteller NVIDIA, dessen eigener CO2-Ausstoss überschaubar ist. Gleichzeitig werden die Computerchips der Amerikaner als besonders energieeffizient gelobt. Allerdings sieht das bei den Kunden von NVIDIA – das sind vor allem Gamer und Krypto-Miner – komplett anders aus. Die indirekten CO2-Emissionen sind nämlich ähnlich hoch wie die von Käufern von Autos mit Verbrennungsmotoren.

Große institutionelle Investoren werden künftig verpflichtet, Auskunft über die Nachhaltigkeit ihrer Portfolios zu geben. Das führt in einer ersten Reaktion unweigerlich zu einem Desinvestmentprozess der „Schmuddelkinder“. Doch das Problem ist dadurch in keiner Weise gelöst.

Denn wenn ein Investor eine Aktie an der Börse verkauft, steht dem ein anderer als Käufer gegenüber. Cary Krosinsky, Professor für Nachhaltige Finanzwirtschaft an den Universitäten Yale und Brown, sieht das kritisch. Gegenüber dem Branchenmagazin Citywire sagte er, dass diese Divestment-Bewegung das Klimaproblem nicht löst.

„Diese Unternehmen verschwinden nicht, weil eine Handvoll Leute beschließt, sie nicht zu besitzen. … Nichts hat sich bei Exxon Mobil oder BP geändert, diese Unternehmen haben sich wirklich nicht gewandelt, auch wenn die Fondsmanager mit den Armen über den Klimawandel winken,“ so der Nachhaltigkeitsexperte.

Von klassischen Impactfonds, im Regulierungsdeutsch „dunkelgrüne Fonds“ genannt, spricht man, wenn diese einen positive Wirkung auf die Umwelt und andere Ziele der EU haben. Das trifft auf einen Fonds zu, der überwiegend in Unternehmen mit Geschäftsschwerpunkt Erneuerbare Energien und Recycling investiert ist.

Investments in Energie- und Bergbauunternehmen, Autohersteller und Chemiewerte dürften dagegen als böse betrachtet werden. Jedoch liegt gerade hier der größte Hebel für das Klima beziehungsweise dessen Rettung. Große Investoren – beispielsweise Blackrock, Union Investment oder DWS – sollten ihren Einfluss gegenüber den Managern dieser Unternehmen geltend machen und auf Veränderungen hinwirken. Das wäre dann tatsächlich auch ein Impactfonds.

Die EU-Taxonomie gibt Regeln für die Beurteilung von Unternehmen vor. Dies kann aber keine Antwort auf die optimale Zusammenstellung eines Portfolios sein. Es kommt vielmehr auf die Intention an. Eine automatische Outperformance mit grünen Aktien ist ebenfalls nicht garantiert. Wäre das so, würde jeder aktive Manager nach diesen Titeln Ausschau halten und eine ESG-Diskussion wäre nicht mehr nötig.

Die Finanzmärkte sind keine Naturwissenschaft, die ihren eigenen Gesetzen unterliegt. So können zwei komplett unterschiedliche Portfolien zum gleichen Ziel führen, sofern sie sorgfältig zusammengestellt sind.

Über den Autor: Marco Herrmann ist seit 1992 für Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Fiduka.

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