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IWF-Chefin Kristalina Georgieva bei der Wirtschaftsdebatte auf der Jahreskonferenz des IWF in Washington. Neben ihr sitzen Agustín Carstens (links) von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und Min Zhu von der Pekinger Tsinghua-Universität. | © Getty Images

Grüne Geldpolitik

Wie Zentralbanken dem Klima helfen könnten

Eines der interessantesten Themen auf der diesjährigen Jahreskonferenz des Internationalen Währungsfonds in Washington war nicht etwa die schwache Konjunktur. Es war auch nicht der handelspolitische Streit zwischen Amerika und China, was viele erwartet hatten. Es war, wer hätte das gedacht, der Klimawandel. Vor zwei, drei Jahren haben darüber auf den Finanzmärkten nur Esoteriker gesprochen. Dieses Jahr war er in aller Munde.

Das erste öffentliche Panel, an dem die neue Direktorin des Fonds, Kristalina Georgieva, teilnahm, ging über das Thema „Können die Zentralbanken den Klimawandel bekämpfen?“. Als sie dafür gelobt wurde, reckte sie mächtig stolz die Hände in die Luft wie ein Champion, der gerade ein Tor geschossen hat. In der Diskussion waren sich alle einig, dass der Klimawandel nicht nur durch Fiskalpolitik und regulatorische Maßnahmen bekämpft werden könne. Auch die Geldpolitik müsse ihren Beitrag leisten. Es fehlte nur noch, dass auch Greta Thunberg bei den Bankern in Washington aufgetaucht wäre. So weit ging die Liebe aber dann doch nicht.

Zentralbanken können viel bewegen, aber nicht alles

So viel spontane Begeisterung zeigt, dass Fortschritte auch ohne „Fridays for Future“ möglich sind. Es spiegelt die außerordentliche Dynamik an den Märkten für Green Bonds. Vor knapp zwei Jahren wurde das Netzwerk der Zentralbanken „for Greening the Financial System“ gegründet. Ihm gehören inzwischen 46 Institute an. Demnächst werden vermutlich auch die Federal Reserve und die EZB beitreten. Das Netzwerk macht Druck, dass dem Klimawandel eine größere Bedeutung zugemessen wird.

Was kann die Geldpolitik bewirken? Zunächst das Negative: Zentralbanken können viel bewegen, aber nicht alles. Der Schutz des Klimas gehört nicht zu ihrem Mandat. Sie sind allein für die Preisstabilität zuständig (allenfalls, wie in den USA, noch für Vollbeschäftigung). Preisstabilität ist weder grün noch braun. Daran kann man keine Abstriche machen. Kein Geldpolitiker kann sich bei Verfehlen des Stabilitätsziels darauf herausreden, dass er die Welt in Sachen Klimaschutz besser gemacht hätte.

Es heißt aber nicht, dass sich Zentralbanken nicht mit dem Klimawandel befassen müssen. Es gibt im Gegenteil eine Reihe von Feldern, auf denen der Klimawandel für die Geldpolitik eine wichtige Rolle spielt. Erstens muss er in die volkswirtschaftlichen Prognosen einbezogen werden, die den Entscheidungen zugrunde liegen. Der Klimawandel und die vielfältigen Maßnahmen, ihn zu bekämpfen, haben hier erhebliche Bedeutung.

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