Hans-Jörg Naumer von AGI Grüne Wende kommt Klima, Anlegern und Unternehmen zugute

Seite 2 / 2

Der Standort Deutschland könnte davon profitieren, ja sogar eine Vorreiterrolle einnehmen. Der von der Bundesregierung erstellte „Umwelttechnik-Atlas für Deutschland“ („Greentech made in Germany 2021“) bringt es in wenigen Zahlen auf den Punkt: In Deutschland belief sich das Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz 2020 auf 392 Milliarden Euro. Umwelttechnologie hat damit einen Anteil von 15 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Tendenz: steigend. In den sieben Greentech-Märkten, zu denen zum Beispiel die umweltfreundliche Erzeugung und Speicherung von Energie und nachhaltige Mobilität gehören, wurde weltweit insgesamt ein Umsatz von 4.628 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Bis zum Jahr 2030 werden Zuwachsraten von jährlich 7,3 Prozent erwartet – was deutlich über dem zu erwartenden Wachstum des Bruttoinlandsproduktes liegt. Während der deutsche Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung bei rund 3 Prozent liegt, tragen die deutschen Unternehmen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz rund 14 Prozent zum Weltmarkt ihrer Branche bei. Gleichzeitig ist Deutschland schon heute einer der klima-effizientesten Standorte, wie der Vergleich der CO2-Intensität zeigt. Während die CO2-Intensität im globalen Durchschnitt bei 0,29 liegt, liegt sie in Deutschland bei 0,16.

Während Deutschland nur rund 2 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen verursacht, ist der Hebel, den es durch den Export von Klimaeffizienz hat, deutlich größer als es durch die – ebenfalls notwendige – CO2-Einsparung allein je hätte.

Der ökologische Wandel ist bereits in Fahrt und gewinnt immer mehr Momentum. Damit er gelingt, werden Investitionen – also Kapital - benötigt. Das bietet im Niedrig- und Negativzinsumfeld Chancen auf Rendite. Nachhaltigkeit als Anlagethema sollte in keinem Portfolio fehlen. Ich nenne es „Finance For Future“ – das Investieren in die bessere, nachhaltige Welt.

Ein Trend, der alle Sektoren durchzieht. Es gilt also: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. Eine Aufgabe für die Einzeltitelselektion, bei der zum Beispiel die ESG-Kriterien zugrunde gelegt werden. Wer darüber hinaus auf die Sektorenebene gehen will, für den können sich unter anderem Künstliche Intelligenz, smarte Energieversorgung, Gesundheit, Wasserversorgung anbieten. Die Transition zur CO2-neutralen Wirtschaft kann zum Win-Win-Win werden: für das Klima, für Anleger und die Wirtschaft.


Über den Autor:
Hans-Jörg Naumer leitet das globale Kapitalmarkt- und thematische Research bei Allianz Global Investors.

Mehr zum Thema
Analystin und PortfoliomanagerinBluebay erweitert ESG-Team Nachhaltige VorreiterDie Textilindustrie entdeckt die Kreislaufwirtschaft Deutsche BörseHan-ETF listet neuen Fonds