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Gerhard Schick ist ehemaliger finanzpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen. Im Bundestag erwirkte er unter anderem, dass ein Ausschuss den Cum-ex-Steuerskandal aufarbeitete. Ende 2018 legte Schick sein Mandat nieder und ist seither außerparlamentarisch für die „Bürgerbewegung Finanzwende“ tätig.

Grünen-Finanzexperte im Interview „Das Misstrauen gegenüber Finanzberatern ist groß“

DAS INVESTMENT: Die Deutschen interessieren sich kaum für das Thema Finanzen, heißt es. Ist das nicht eine ungünstige Voraussetzung für den Start eines Vereins, der hier etwas bewegen will?

Gerhard Schick: Ich meine nicht, dass die Menschen sich wenig für Finanzen interessieren. Viele sorgen sich darum, ob sie im Alter gut abgesichert sind. Aber sie wissen nicht, was zu tun ist und wo sie ein gutes Angebot finden können. Bei manchen Themen gibt es allerdings eine Lücke in der gesellschaftlichen Diskussion. Das habe ich besonders im Fall Cum-ex festgestellt: Keine öffentliche Organisation in Deutschland hat sich damit beschäftigt. Obwohl es der größte Steuerskandal in der Geschichte unseres Landes ist. Mit „Finanzwende“ wollen wir diese Lücke füllen.

Streben Sie auch an, dass sich Menschen grundsätzlich mehr mit dem Thema beschäftigen?

Schick: Ich meine das erst mal in politischer Hinsicht. Man muss sich einmal vor Augen führen, wie viel Geld ausgegeben wurde, um die Landesbanken zu retten. Und wie wenig politische Diskussion es dazu gab. Wie viele Talkshows gab es zu den Landesbanken oder zu Cum-Ex? Das steht in keinem Verhältnis zu anderen Fragen, wenn man sich die Bedeutung und die Größenordnung anschaut.

Vielleicht sollte man einen Schritt früher ansetzen und zunächst für eine Basis-Aufklärung sorgen. Einem Menschen ganz ohne Finanzwissen zu erklären, was bei Cum-ex genau passiert, ist kompliziert.

Schick: So schwierig ist es gar nicht. Letztlich ist es der erfolgreiche Versuch, Geld vom Finanzamt zu bekommen, das einem nicht zusteht. Das ist so ähnlich wie ein Arbeitnehmer, der eine Fahrtkostenerstattung einreicht, obwohl er diese Reise für seinen Arbeitgeber nie angetreten hat. Ich habe auch noch niemanden gefunden, der mir im Diesel-Skandal genau den Algorithmus der Schummel-Software erklären konnte. Und trotzdem reden alle darüber. Aber ich glaube, man sollte da nicht mit dem erhobenen Zeigefinger herangehen und vermitteln: Ihr Deutschen müsst euch mal mehr mit Finanzen beschäftigen.

Wenn Sie sich auch in die Diskussion um Altersvorsorge einmischen wollen, wollen Sie dann nicht erklären, wie bestimmte Finanzinstrumente funktionieren?

Schick: Natürlich. Finanzwende wird sich auch damit beschäftigen, Verbrauchern einen Weg zu weisen und vor gefährlichen Produkten zu warnen. Zu erklären, warum sie gefährlich sind. Und worauf man bei Finanzberatung achten muss. Wo findet man denn eine Finanzberatung ohne Interessenkonflikte? Die meisten Berater haben durch die Vergütung mit Provisionen einen inhärenten Interessenkonflikt. Und viele Menschen haben schlechte Erfahrungen gemacht und haben Angst, wieder auf die Nase zu fallen.

Was halten Sie vom Vorschlag des CDU-Politikers Friedrich Merz, mehr Bürger zwecks Altersvorsorge an den Kapitalmarkt heranzuführen?

Schick: Vom Ziel her okay. Aber Merz denkt an steuerliche Förderung. Die hilft im Wesentlichen denen, die eine relevante steuerliche Belastung haben. Beim Gros der Menschen ist aber nicht das der Grund, warum sie nicht fürs Alter vorsorgen.

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