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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Elektro-SUV des chinesischen Herstellers BYD Foto: imago images / Kyodo News

Klimaschutz

Grünes Licht für den grünen Wandel

Geraldine Sundstrom, Portfoliomanagerin

Mehrere große Volkswirtschaften haben im Zuge der Corona-Pandemie digital und nachhaltig orientierte Konjunkturprogramme aufgelegt. Vielerorts das übergeordnete Ziel: Netto-Null-Kohlendioxid-Emissionen. Dadurch dürfte der Kampf gegen den Klimawandel ein wichtiger Faktor im globalen Energiewettbewerb werden. Europa und China fördern grüne Technologien wie Wasserstoff und auch die USA werden unter Präsident Joe Biden wahrscheinlich in das Rennen einsteigen. Ob aus geopolitischen Gründen, guten Absichten oder einfach aus der Notwendigkeit heraus, begrenzte Ressourcen zu schonen: Die grüne Welle hat sich zu einem Tsunami entwickelt:

China: Das Land investiert massiv in grüne Technologien und hat sich zum Ziel gesetzt, seine Kohlendioxid-Emissionen bis 2030 zu senken und bis 2060 Kohlenstoffneutralität zu erreichen.

Japan: Der fünftgrößte CO2-Emittent der Welt hat sich verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Da 87 Prozent des derzeitigen Energiebedarfs durch fossile Brennstoffe gedeckt werden, ist die Aufgabe beträchtlich. Um das Ziel zu erreichen, hat das Land jüngst einen Steuerabzug von 10 Prozent für die Produktion von Gütern vorgeschlagen, die zur Dekarbonisierung der Wirtschaft beitragen.

Europa: Obwohl das Ziel noch nicht endgültig feststeht, hat das Parlament der Europäischen Union (EU) für eine CO2-Reduktion in Höhe von 60 Prozent bis 2030 im Vergleich zum Niveau von 1990 gestimmt und übertrifft damit die Empfehlung der EU-Kommission von 55 Prozent. Der Deutsche Bundestag hat kürzlich eine Steuer auf Treibhausgasemissionen beschlossen, die 2021 in Kraft treten soll und die Preise für Heizöl, Benzin und Diesel sowie Erdgas erhöhen wird. Auch Spanien hat wie andere europäische Länder 70 Prozent seines Konjunkturpakets für die Jahre 2021 bis 2023 für grüne und digitale Projekte bereitgestellt. Selbst die europäische Agrarpolitik (CAP) wird grundlegend überarbeitet: Von nun an werden landwirtschaftliche Betriebe jeder Größe, die die Anforderungen zur Unterstützung des EU-Klimaziels nicht erfüllen, von finanziellen Beihilfen ausgeschlossen.

USA: Wir gehen davon aus, dass der designierte Präsident Joe Biden die grünen Bemühungen des Landes verstärken wird. Das dürfte deutliche Auswirkungen auf Branchen wie erneuerbare Energien haben. Biden hat angekündigt, als eine seiner ersten Amtshandlungen die USA wieder ins Pariser Klimaabkommen zu führen. Und wenn die USA dem „Netto-Null-Klub“ beitreten, würden 60 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung dieses Ziel verfolgen.

Drei Sektoren, die vom grünen Trend profitieren dürften

Für Anleger könnte es interessant sein, „dem Geld zu folgen“. Interessante Investmentchancen dürften sich in digitalen und nachhaltigen Trendbereichen finden, die im Mittelpunkt der fiskalischen Maßnahmen stehen. Wir sehen erhebliches Potenzial in drei Sektoren, die direkt oder indirekt vom Wandel profitieren sollten. Diese könnten Anlegern in den kommenden Jahren zweistellige Wachstumsraten bieten.

Solar- und Windenergie: Neben der zunehmenden Unterstützung durch die Klimaschutzbemühungen der Politik könnte das Wachstum bei den erneuerbaren Energien durch sinkende Kosten angetrieben werden. Die Internationale Energieagentur meldete jüngst, dass die Solarenergie in immer mehr Regionen die Kohle als billigste Stromquelle ablöst. Tatsächlich sind Wind- und Solarenergie jetzt die günstigsten Stromquellen in Ländern, die etwa 75 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung ausmachen.

Elektrofahrzeuge: Ihr Marktanteil liegt in Europa und den USA derzeit bei weniger als 10 Prozent der verkauften Neufahrzeuge. Er dürfte aber deutlich zunehmen, wenn die Autos erschwinglicher und effizienter werden, das Klimabewusstsein steigt, der Kauf durch Subventionen unterstützt wird und mehr Ladestationen zur Verfügung stehen. Laut Bloomberg könnte die Marktdurchdringung von E-Fahrzeugen in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf mehr als 50 Prozent steigen. Der chinesische Staatsrat hat kürzlich einen Plan für den Übergang zur Elektromobilität verabschiedet, der den Ausbau ihres Anteils auf schätzungsweise 20 Prozent bis 2025 und 50 Prozent bis 2035 vorsieht. Außerdem hat Großbritannien ebenso wie Irland und die Niederlande ein Verkaufsverbot für neue Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2030 angekündigt, während Frankreich und Spanien wie Kalifornien das Jahr 2035 anpeilen.

Halbleiter: Als einer der Haupttreiber der aktuellen wirtschaftlichen Erholung könnten Halbleiter von mehreren Trends profitieren. Elektroautos beispielsweise benötigen dreimal mehr Chips als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. In selbstfahrenden Autos ist der Bedarf noch höher. Außerdem dürfte der neue Mobilfunkstandard die Nachfrage antreiben: Auf 5G ausgelegte Geräte verfügen in der Regel über zwei- bis dreimal so viele Halbleiter wie vergleichbare 4G-Devices. Die Automatisierung durch Robotik und das „Internet der Dinge“ sorgt ebenso für steigenden Halbleitereinsatz wie die Bemühungen um mehr Energieeffizienz: Sauberere Fertigungsprozesse erfordern mehr und bessere Chips, zum Beispiel um die Spannung zu regulieren und damit Strom zu sparen.

Umweltbewusstes Handeln ist nicht nur verantwortungsvoll und nachhaltig – es kann auch eine überzeugende Investition sein.

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