Das Beratungsunternehmen Institut für Finanz-Markt-Analyse (Infinma) hat in einer Untersuchung wieder seine eigens definierten Marktstandards in der Grundfähigkeitsversicherung (GF) analysiert. In der diesjährigen Auflage wurden 135 Tarife von 32 Lebensversicherern analysiert. Bei der ersten Auflage 2021 kamen nur 67 Offerten unter die Lupe.
Warum die Untersuchung kein Rating sein will
Ziel der Untersuchung ist die Ermittlung aktuell marktkonformer Regelungen, nicht die Definition von Mindestanforderungen oder die Bewertung konkret am Markt vorhandener Regelungen. Dabei werden die Kriterien weder gewichtet noch aggregiert. Eine für den Kunden unterdurchschnittliche Regelung kann somit nicht durch eine besonders vorteilhafte Formulierung bei einem anderen Kriterium ausgeglichen werden. Daher will Infinma die Untersuchung auch nicht als Rating verstanden wissen.
Konkret heißt es zur Methodik von den Autoren: „Im Rahmen der Marktstandards in der GF werden wichtige Qualitätsmerkmale aus den Versicherungsbedingungen analysiert. Derzeit werten die Analysten von Infinma zu insgesamt 17 Kriterien aus, welche konkreten Ausprägungen es in den Bedingungen tatsächlich gibt. Das Vorkommen dieser Ausprägungen wird dann gezählt und diejenige Ausprägung, die am häufigsten vorkommt, definiert den Marktstandard im Sinne einer marktüblichen Durchschnittsregelung.“
Die Methodik stand in der Vergangenheit wiederholt in der Kritik. Ein Grund: Bereits die Nichterfüllung eines einzigen Kriteriums mit in der Praxis eher geringer Relevanz reicht, um zur Gruppe der Tarife zu zählen, die pauschal die Marktstandards nicht erfüllen.
Weitere Details zur Untersuchungsmethodik und den 17 Kriterien können hier eingesehen werden.
Siegel-Vergabe wirft Fragen auf
Was die Bewertung angeht, wird für jedes Kriterium, in dem ein Produkt den Standard übertrifft, ein Pluspunkt vergeben. Je nach Anzahl der erreichten Plus-Punkte kann ein Produkt ein Siegel in Gold, Silber oder Bronze erreichen. Gezählt wird dabei die Anzahl positiver Abweichungen von den Marktstandards. Die Aufteilung auf die einzelnen Siegel-Stufen erfolgt dabei folgendermaßen: Für vier positive Abweichungen gibt es „Gold“, für drei davon „Silber“ und für mindestens eine Abweichung nach oben „Bronze“.
Infima rühmt sich für seine vermeintlich strengen Kriterien, die dazu führen, dass in der GF bislang kein Anbieter die Voraussetzungen für ein Gold-Siegel erfüllen konnte, obgleich die Siegel-Vergabe nicht frei von Interessen ist. Diese können die Unternehmen für eigene Vertriebs- und Marketingaktivitäten von den Kölnern erwerben. Im Markt sind beispielsweise fünfstellige Beträge für einjährige Lizenzierungen bekannt.
Kaum Verbesserungen in den Bedingungen
Was die Untersuchungsergebnisse angeht, sagt Stephan Franz, zuständig für den Bereich Biometrie bei Infinma: „Wir sehen in der Grundfähigkeitsversicherung weiterhin eine hohe Dynamik, allerdings vor allem bei der Anzahl und der Definition der versicherten Leistungsauslöser.“ Eine kleine Verbesserung sei, dass die Infektionsklausel, die während der Corona-Zeit in den Kriterienkatalog aufgenommen wurde, inzwischen zum Marktstandard gehöre.
„Auch die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit des Produktes durch den nachträglichen Einschluss eines Bausteins oder einer Option oder der Upgrade-Möglichkeit auf einen höherwertigen Tarif hat sich relativ schnell zum Standard entwickelt“, ergänzt Jörg Schulz, Geschäftsführer bei Infinma.
Dennoch bliebe Luft nach oben, auch und gerade im Vergleich zur Berufsunfähiglkeitsversicherung. Eine Veränderung des Gesundheitszustandes im Leistungsbezug unverzüglich mitteilen zu müssen, sei immer noch bei den meisten GF-Produkten vorgeschrieben. In der BU sei diese Regelung bereits vor einigen Jahren marktweit abgeschafft worden. Diese Regelung ist laut Infima für den Kunden nur schwer oder auch gar nicht zu erfüllen und für den Versicherer aufgrund seines Rechts zur (jederzeitigen) Nachprüfung überflüssig. Schulz. „Die Ungleichbehandlung dieser Mitwirkungspflicht bei den beiden Produkten ist für Kunden und Berater weitgehend unverständlich.“
Dortmunder und Allianz schneiden am besten ab
Von den untersuchten Produkten werden 34 von 135 Angeboten von neun Anbietern zertifiziert. Im Vorjahr waren es noch 49 Tarife von elf Unternehmen. Am besten schneidet dabei 2025 die Dortmunder mit sechs Tarifen ab, die die Silber-Auszeichnung erhalten. Die Allianz kann zwei Offerten in dieser Kategorie platzieren. Insgesamt acht Gesellschaften (Allianz, Bayern Versicherung, HDI und Nürnberger mit zwei Abweichungen nach oben sowie Alte Leipziger, Baloise, Huk-Coburg und Versicher im Raum der Kirchen mit einer Positivabweichung) erhalten für ihre Produkte ein Bronze-Siegel.
Eine Übersicht aller Produkte, die die Marktstandards erfüllen oder übertroffen haben, liefert Infinma hier.

