Der MSCI World gilt als das Who’s who der globalen Kapitalmärkte – 1.320 Unternehmen aus 23 Industrieländern, ein Synonym für breite Diversifikation. Doch wer glaubt, hier nur die strahlenden Helden der Weltwirtschaft zu finden, irrt. Ein Blick hinter die ESG-Kulissen offenbart ein Gruselkabinett an Kontroversen: von Menschenrechtsverletzungen bis zu Umweltkatastrophen. Pünktlich zu Halloween lohnt sich also ein Blick auf die Schattenseiten des Index.

Aus einer Analyse von aktuell 475 dokumentierten Fällen schwerer und sehr schwerer kontroverser Geschäftspraktiken auf Basis der Daten von MSCI ESG Research ergibt sich ein erschreckendes Bild. Fünf Themen dominieren die Negativschlagzeilen.

Platz 1: Menschen- und Arbeitsrechte (145 Unternehmen)

Der wahre Horror liegt in der Lieferkette. Die untersuchten Unternehmen waren in Vorfälle verwickelt, die mit der Verletzung von Arbeits- oder Menschenrechten in Verbindung stehen. Betroffen sind vor allem Textilhersteller, Technologiekonzerne, Rohstoff- und Bergbauunternehmen.

Von Berichten über Zwangsarbeit in Zulieferfabriken über Diskriminierung am Arbeitsplatz bis hin zu Kinderarbeit bei Rohstoffabbauprojekten in Afrika oder Asien – die Bandbreite ist groß. In mehreren Fällen ging es auch um ungleiche Bezahlung von Frauen oder fehlende Sicherheit in Minenbetrieben, bei denen Unfälle mit Todesfolge verschwiegen wurden.

Platz 2: Recht & Compliance (124 Unternehmen)

Wenn der Gerichtssaal zum Spukhaus wird. Kaum ein Thema geistert so regelmäßig durch die Schlagzeilen wie Klagen und Vergleiche. Betroffen sind hier Finanzhäuser, Telekomkonzerne und Energieriesen.

Anklagen wegen Wettbewerbsverstößen, falscher Abrechnungen, unzulässiger Marktmanipulationen oder Verstößen gegen Datenschutzgesetze zeigen, dass der Umgang mit regulatorischen Anforderungen einiger Konzernen Schauer über den Rücken jagt.

In einem besonders aufsehenerregenden Fall ging es um unrechtmäßige Gebührenpraktiken eines Energieversorgers, in einem anderen um millionenschwere Vergleichszahlungen im Rahmen von Kartelluntersuchungen. Die Summe der Bußgelder lässt Anlegern den Atem stocken – und den Shareholder Value verdampfen.

Platz 3: Umwelt (36 Unternehmen)

Wenn der Planet das Opfer ist. Von Öl- und Chemiekonzernen über Bergbaugesellschaften bis hin zu Automobilherstellern – die Liste der Umweltsünder liest sich wie ein Horrorroman für Klimaschützer.

In den Akten finden sich Ölunfälle, illegale Abwasserentsorgungen, Luftverschmutzung durch Emissionen oder Verstöße gegen Umweltschutzauflagen. Besonders dramatisch: ein Fall, bei dem ein Chemieunternehmen in Asien für jahrelange Grundwasserkontamination verantwortlich gemacht wurde – mit massiven Folgen für lokale Gemeinden.

Selbst in Branchen mit grüner Fassade zeigen sich Abgründe: Hersteller von Konsumgütern warfen in Entwicklungsländern Plastikmüll in Flüsse, während Energieversorger mit gefälschten Nachhaltigkeitsdaten warben.